20.02.2020, 16:27 Uhr

Kunstforum Ostdeutsche Galerie Ausstellung „reisen. entdecken. sammeln.“

Blick in die Ausstellung „reisen. entdecken. sammeln.“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie, links Miloš Urbásek, Thema 5, 1966, Miloš Urbásek / Rechtsnachfolger. Foto: Studio Zink FotografenBlick in die Ausstellung „reisen. entdecken. sammeln.“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie, links Miloš Urbásek, Thema 5, 1966, Miloš Urbásek / Rechtsnachfolger. Foto: Studio Zink Fotografen

Die neue Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie (KOG) in Regensburg lenkt den Blick auf die Zeit zwischen dem Prager Frühling und dem Fall des Eisernen Vorhangs. Sie schöpft aus der Kunstsammlung des Journalisten Hans-Peter Riese, die er bei seinen Korrespondenten-Reisen im Ostblock zusammengetragen hatte.

Regensburg. Das Herzstück der Sammlung, die Michaela-Riese-Stiftung, verwahrt heute das KOG. Im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung stehen abstrakte Positionen abseits der offiziellen Kunstproduktion der sozialistischen Tschechoslowakei. Den Auftakt zu dieser Präsentation bilden Fotografien von Barbara Klemm, die sie begleitend zu Rieses Berichten im östlichen Europa für die FAZ anfertigte. Eine zweite Ausstellung in der Bibliothek der Universität Regensburg widmet sich der kürzlich von Riese gestifteten Kunstbibliothek, die die Themen seiner Sammlung aufgreift. Bis vor 30 Jahren teilte der Eiserne Vorhang Europa in Ost und West: Eine politische Abgrenzung, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen hatte. Hans-Peter Riese, damals als westdeutscher Journalist im Osten unterwegs, gehörte zu den Mittlern zwischen beiden Seiten. Auf seinen Reisen in der Tschechoslowakei, der Sowjetunion, den USA sowie in Deutschland begegnete er zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern. So entstand eine beeindruckende Sammlung, die er zusammen mit seiner Frau, der Journalistin Michaela Riese (1943–2000), aufbaute.

2008 überstellte Riese dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie die Werke der Michaela-Riese-Stiftung. Nach mehreren Zustiftungen umfasst sie heute etwa 270 Nummern, darunter Mappen mit grafischen Blättern, Zeichnungen und Gemälde tschechischer und russischer, aber auch deutscher und polnischer Künstler. Die Ausstellung „reisen. entdecken. sammeln.“ würdigt den 20. Todestag von Michaela Riese. Im Fokus steht eine Werkauswahl aus dem jüngsten Zuwachs von 2019, der über 100 Arbeiten umfasste.

Die Präsentation beginnt im großen Saal mit einigen Reportagen von Hans-Peter Riese zur kulturellen und politischen Situation im östlichen Europa. Begleitet werden sie von Fotografien, die Barbara Klemm auf den gemeinsamen Reisen im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufgenommen hat. In diesem Rahmen findet auch eine herausragende „Nagelarbeit“ von Günther Uecker ihren Platz. Der dicke Stapel der „ZEIT“, durchbohrt von zahlreichen Nägeln, mag eine Anspielung an die allgegenwärtige Zensur im Ostblock sein. Uecker schenkte und widmete ihn Riese 1985, als dieser seinen Korrespondentenposten in Moskau antrat.

Parallel zu der Ausstellung im KOG wird im „schaufenster“, dem Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, eine Präsentation aus den Beständen der von Hans-Peter Riese neu begründeten und von nun an dort angesiedelten Bibliothek der Michaela-Riese-Stiftung gezeigt. Neben einer Auswahl an Kunstbänden sind auch kleinformatige Kunstwerke, Künstlerkarten und -korrespondenz sowie fünf weitere Fotografien von Barbara Klemm zu sehen. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Wienand Verlag.

Im Laufe seines Lebens trug Hans-Peter Riese eine umfangreiche Privatbibliothek zusammen, die er 2018 in vollem Umfang der Universitätsbibliothek Regensburg übereignet hat. Sie umfasst vorwiegend Fach- und Spezialliteratur zur europäischen Bildenden Kunst der Moderne vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Einen besonderen Schwerpunkt bilden Publikationen über osteuropäische Kunst, dabei insbesondere über russische und tschechische Künstler. Darunter befinden sich zahlreiche Exemplare mit Widmungen sowie seltene Ausgaben, die von Rieses engem Austausch mit Künstlern und Museen zeugen.

Heute ist die circa 2.000 Bände zählende Bibliothek unter dem Namen „Bibliothek der Michaela-Riese-Stiftung“ in der Universitätsbibliothek Regensburg untergebracht. Sie ist als zusammenhängender Komplex im Präsenzbestand des Lesesaals Philosophicum II öffentlich zugänglich. Die Bibliothek der Michaela-Riese-Stiftung spiegelt sowohl die thematische Breite und Fülle der Kunstsammlung von Hans-Peter Riese als auch seine Publikationstätigkeit wider und stellt eine wichtige Quelle zur Erschließung der Kunstwerke der Michaela-Riese-Stiftung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie dar.Die Bestände sind über den Regensburger Katalog plus elektronisch recherchierbar.


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