19.02.2020, 09:51 Uhr

Kulturelles Jahresthema 2020 Ist Regensburg Provinz oder doch eine Metropole?

Kulturreferent Wolfgang Dersch und Kulturamtsleiterin Christiana Schmidbauer präsentierten das kulturelle Jahresthema 2020.  Foto: Julia BellinghausenKulturreferent Wolfgang Dersch und Kulturamtsleiterin Christiana Schmidbauer präsentierten das kulturelle Jahresthema 2020. Foto: Julia Bellinghausen

Die Stadt Regensburg stellte am Dienstag, 18. Februar, ihr kulturelles Jahresthema 2020 vor, das „Provinz – Stadt – Metropole“ lautet. Auch Programmhighlights wurden bereits verraten.

Regensburg. Eine cremige Schokoladenmousse auf lockerem Biskuit, dazwischen Birne und Beeren für eine feine fruchtige Note: Mit einem Stück Barbara-Blomberg-Torte aus einer renommierten Konditorei im Herzen der Altstadt wollte Christiana Schmidbauer, Amtsleiterin des Kulturamts der Stadt Regensburg, die Pressevertreter auf das kulturelle Jahresthema 2020 einstimmen. Warum gerade diese Torte? In der Pressekonferenz zur Themenvorstellung am Dienstag, 18. Februar, im ehrwürdigen Kapellenraum im Runtingerhaus wurde das „Geheimnis“ gelüftet.

Barbara Blomberg, die Geliebte Kaisers Karl V., lebte im 16. Jahrhundert in Regensburg und ist damit eine schillernde Persönlichkeit aus einer Zeit, in der Regensburg wahrhaft eine Metropole war und zu den bedeutendsten politischen Zentren in Deutschland zählte. Die wirtschaftliche Blüte der Stadt ging mit veränderten Handelswegen zugunsten von Augsburg und Nürnberg nach dem Mittelalter jedoch langsam zu Ende und im 19. Jahrhundert verfiel Regensburg gar in einen „schönen Dornröschenschlaf“, wie es Kulturreferent Wolfgang Dersch bei der Pressekonferenz beschrieb. Aus der einstigen Metropole wurde eine Provinzstadt, oder doch nicht? Daher sei das kulturelle Jahresthema 2020 seiner Meinung nach hervorragend gewählt. Der „Dreiklang“ lautet in diesem Jahr „Provinz – Stadt – Metropole“. Und auch hierbei zog der Kulturreferent wieder einen Bogen zu Barbara Blomberg, denn auch sie war Mutter – ihr Sohn war Don Juan de Austria – und „Metropole“ bedeutet übersetzt „Mutterstadt“. Sogar der Ort der Pressekonferenz war wohlwissend gewählt worden, denn das Runtingerhaus ist nicht nur ein Paradebeispiel für ein mittelalterliches Patrizieranwesen, sondern auch Schauplatz der öffentlichen Vortragsreihe zum aktuellen Jahresthema, die im Programm nie fehlen darf. Die Vortragsreihe zählt zu den „Klassikern“, wie es Kulturamtsleiterin Schmidbauer beschreibt.

Für die Vorträge konnten daher wieder zahlreiche lokale Experten sowie renommierte Wissenschaftler gewonnen werden, die alle wesentlichen historischen Entwicklungen der Geschichte Regensburgs abdecken. Eng verzahnt mit dieser Reihe ist daher auch die Ringvorlesung „Regensburg – Eine Metropole im historischen Wandel“, die im Sommersemester 2020 an der Universität Regensburg gehalten wird. Zu den Klassikern im Jahresprogramm zählen da auch wieder die Internationale Kurzfilmwoche sowie zwei Filmvorführungen im Rahmen der Regensburger Stummfilmwoche im August.

Neue Wege geht das Kulturamt in der Zusammenarbeit mit dem Improtheater „Chamäleon“ im Rahmen des Jahresthemas sowie mit den Gebrüdern Teichmann, die „sich zunächst von Regensburg als Provinzstadt entfernt haben und nun zu ihren Wurzeln zurückkehren“, wie es die Amtsleiterin beschreibt. Schmidbauer freut sich daher auf das Konzert von Robyn Schulkowsky und den Gebrüdern Teichmann am 24. April im Leeren Beutel und deren stilübergreifende Experimentierfreude.

Aber von zeitgenössischer Musik noch einmal zurück zu Barbara Blomberg: Die schöne, unabhängige Frau wird auch in einer Veranstaltung aus dem großen Jahresprogramm „zum Leben erweckt“. Das Ensemble „... sed vivam!“ erweckt Ende März im Großen Runtingersaal die frühbarocke Zeit Regensburgs wieder zum Leben. Das Repertoire reicht von pompöser Festmusik bis zu höfischen Tänzen und zarten Liebesweisen, wie sie vielleicht Kaiser Karl V. und seine Barbara bezauberten. In der Rolle der kaiserlichen Geliebten kommentiert Eva Sixt das Programm „mit Wissenswertem und Kuriosem aus der Zeit, als Regensburg ein Zentrum des politischen und kulturellen Europas war“.

Vorträge, Film, Musik und Theater, da darf die Fotografie nicht fehlen. Der beliebte Fotowettbewerb steht heuer unter dem Motto „Kontraste“; die besten Arbeiten werden im Herbst dann wieder im Donau-Einkaufszentrum vorgestellt.

Wer sich einen Überblick über die Veranstaltungen machen will, kann dies unter www.regensburg.de/kultur tun; die Veranstaltungsbroschüre dazu erscheint Anfang März.


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