12.02.2020, 08:00 Uhr

Orientalfolkbluesrock Wolfgang Barthel über „seine“ Weltmusik


„Ich hatte am Anfang meiner Musikerkarriere panische Angst vor meinen Auftritten und bei Reden habe ich sogar so gezittert, dass ich kaum etwas herausgebracht habe“, gesteht Wolfgang Barthel, einer der „dienstältesten Regensburger Musiker“, den viele Regensburger seit fast 40 Jahren kennen.

REGENSBURG. Was viele aber nicht wissen: Barthel ist eigentlich Psychologe und war in den 80er-Jahren sogar Experte für Prüfungsangst, hielt Vorträge und gab Seminare zum Thema. So ändern sich die Zeiten und nach rund 3.000 Konzerten in Deutschland, vielen Nachbarländern und sogar in der Türkei ist ein Auftritt für Barthel nun ein Kinderspiel. Sei es wie früher in der „Mälze“ oder bei Weihnachtsmarkt, Bürgerfest oder Stadtmarathon – Wolfgang Barthel genießt die Interaktion mit dem Publikum.

Seine erste Gitarre bekam Barthel 1968, als wohl so ziemlich jeder Teenager damals von revolutionärer Rockmusik in den Bann geschlagen wurde. Ende der 70er folgten die ersten Auftritte gemeinsam mit anderen Psychologiestudenten und ab 1981 sogar Solokonzerte. Doch alleine ist Wolfgang Barthel in seiner langen Musikerkarriere selten unterwegs gewesen. Als Duo oder Trio waren Barthel & Bauer beziehungsweise Barthel, Böhm & Bauer bis 1990 bekannt und seit 2009 als Duo Barthel & Kalley. Denn gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Petra Kalley, die ihn seit zehn Jahren mittlerweile mit exotischen Percussioninstrumenten begleitet, hat er das vergangene Album und auch das neue Album „Walk it all again“ produziert, das erst im November 2019 erschienen ist.

„Schon die indischen Einflüsse bei Songs der Beatles oder Rolling Stones haben mich total ‚angeturnt‘“, erinnert sich Wolfgang Barthel, wie er zu seinem unvergleichlichen Musikstil kam und nach einem dreimonatigen Aufenthalt in der Türkei, war es um ihn „geschehen“.

Orientalfolkbluesrock ist seine eigene Wortkreation und auch eine Art Lebenseinstellung. „Ich mache Weltmusik, aber unter diesem Begriff können sich die meisten nichts vorstellen, daher habe ich die vier Stilrichtungen in ein Wort gefasst“, so Barthel. Manche seiner rockigen Melodien basieren auf orientalischen Tonleitern, manche Jazzstücke spielt er auf orientalischen Instrumenten wie der Saz, einer türkischen Langhalslaute. So ist in unterschiedlichen Anteilen immer von allem etwas dabei, ein bisschen Orientalisches, ein bisschen Folk, ein bisschen Blues und immer auch Rock. Mal sind seine Songs meditativ fließend mal mitreißend wild und zum Teil mit elektronischen Sounds unterlegt. Seine Texte handeln ausschließlich von seinem Leben sowie seinen Erfahrungen wie zum Beispiel in „Don’t leave me“ und auch manchmal von Unsinnigem, wie bei „Jogging Sultan“. Eines haben seine Songs jedoch gemeinsam: die englische Sprache. „Ich bin ein Kind der echten Rock-Generation, da gibt es für mich keine andere Sprache“, gibt er konsequent zu. Ein Lied von Barthel auf Deutsch wird es wohl nicht mehr geben – auch in keinem späteren Album. „Ich kann mit Rock’n’Roll auf Bairisch, ‚Smoke on the Water‘ auf der Tuba oder ähnlichem, nichts anfangen. Das ist mir zu regional. Musik sollte weltoffen sein, für möglichst viele Menschen zugänglich. Diese ‚Verkleinerung‘ gefällt mir nicht“, gibt Barthel zu.

Dass seine Musik tatsächlich in ganz vielen Ländern die Menschen anspricht, beweisen CD-Bestellungen aus der ganzen Welt. „Ich habe schon Anfragen aus Japan und Brasilien erhalten“, freut sich Barthel, der sich auch um den Vertrieb – seiner, wie er traurig sagt, wohl letzten CD – selbst kümmert. Denn mittlerweile ist Wolfgang Barthel auch schon 64 Jahre alt und denkt so langsam an den musikalischen Ruhestand. Finanziell reich wurde der Regensburger mit seiner Musik nicht, aber reich an wunderschönen Erfahrungen und lebenswerten Erinnerungen, was für den Idealisten weit mehr wiegt als alles andere.

Ob er in der heutigen Zeit gerne noch einmal jung wäre? „Ich hätte gerne noch den Durchhaltewillen und Kampfgeist von damals“, gibt Barthel zu. „Aber ich bin glücklich so, wie alles ist, und freue mich auf viele weitere Konzerte.“

Mehr über Wolfgang Barthel und seine außergewönliche Musik finden Interessierte im Internet auf www.wolfgangbarthel.com.


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