11.02.2020, 15:16 Uhr

Saiten aus Stahl Nachwuchs haben sie, aber keine Jugend


„Mama! Uuuuh! Didn’t mean to make you cry. If II’m not back again this time tomorrow, carry on, carry on, as if nothing really matters...“ Wer kennt sie nicht, diese Liedzeilen eines Jahrhundertsongs? Sie stammen aus der „Bohemian Rapsody“ von Queen. Aber wer hätte es wohl erkannt, wenn es auf der Zither gespielt wird? Zu diesem Experiment können sich aufgeschlossene Musikliebhaber bei einem Konzert des Zitherorchesters Ostbayern hinreißen lassen.

REGENSBURG. Wie? Da wird nicht nur Volksmusik gespielt? Keine altbekannten Weisen wie „Es wird scho glei dumpa“, kein Zithermarsch? Doch, natürlich auch die. Aber die Zither kann weit mehr als alpenländische Volksmusik, verrät Thomas Kessel, Leiter des Orchesters. Selbst der große Komponist Richard Strauss musste schon zu seinen Lebzeiten eingestehen, dass Zither nicht mit Volksmusik gleichzusetzen sei und das Instrument durchaus auch seine Berechtigung im Orchester haben könnte. Dem kann sich Kessel nur anschließen und so wählt er mit Leidenschaft auch immer ganz zeitgenössische, moderne Stücke für sein Orchester aus. Von der Motivation seiner Musikerkollegen ist er immer wieder aufs Neue begeistert: Aus ganz Ostbayern kommen die Musiker angereist, um bei den Proben und schließlich auch den beiden öffentlichen Konzerten dabei zu sein — zunächst am 25. April im Andreasstadel in Regensburg und am 16. Mai im Geozentrum KTB in Windischeschenbach.

Die Zither kann weit mehr als Volksmusik

Heute ist die Zither leider ein unterschätztes Nischeninstrument. Vor rund 150 Jahren war die Zither ein „Must-Have“ in bayerischen Stuben, was nicht zuletzt Herzog Max von Bayern zu verdanken ist, der sich damals in bester „Influencer“- Manier unters Volk mischte und quasi Werbung für Volkstum und Zithermusik machte. Diese Liebe zur Musik und sein Können auf dem Saiteninstrument brachten ihm den wenig bekannten Spitznamen „Zithermaxl“ ein, wie Kessel berichtet. War die Zither noch vor diesem Boom ein einfacher Holzkasten über den Saiten gespannt waren und der für jede Familie erschwinglich war – im Gegensatz zu den wirklich alten Musikinstrumenten Geige oder Klavier –, so revolutionierte in den 1840er Jahren die Konzertzither die Musik. Auch in Regensburg war das Zitherspiel so beliebt, dass sich 1884 der Zitherklub Regensburg gründete, der als einer der wenigen Vereine auch während der Kriegsjahre Bestand hatte und sich heute stolz „ältester aktiver Instrumentalverein Regensburgs“ nennen darf.

Immer neue Klubmitglieder konnte Kessel in den vergangenen Jahren gewinnen. „Nachwuchs haben wir ausreichend, aber keine Jugend“, schmunzelt er. Denn zugegebenermaßen ist das Gros der Klubmitglieder bereits im Rentenalter, was allerdings nicht an der Musik selbst, sondern vielleicht eher am zeitaufwändigen Üben liegt. Immerhin gilt es die Griffe für über 40 Seiten und das beidhändig an dem Vollinstrument zu beherrschen. „Anfänger geben oft zu schnell auf“, weiß Brigitte Feuerer, Leiterin der Seniorengruppe im Zitherklub. Denn die Saiten der Zither sind aus hartem Stahl. „Als Anfänger kann man am Stück gar nicht länger als eine Viertelstunde üben. Dann tun einem die Fingerkuppen weh“, schmunzelt sie und blickt auf die feine Hornhautschicht auf ihren Fingern. Sie spielt leidenschaftlich gerne die Zither und lädt jeden Mittwochnachmittag in das Pfarrzentrum St. Paul in Regensburg zum gemütlichen Musizieren ein. Wer Lust hat, die Zither kennenzulernen, kann hier gerne einmal zuschauen oder sich selbst auch an einer Leihzither versuchen, denn ganz „günstig“ ist die Anschaffung eines guten Instruments nicht.

Wer Interesse bekommen hat, kann sich im Internet unter www.zitherklub.de informieren.


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