29.01.2020, 12:34 Uhr

„document Niedermünster“ Spurensuche im Niedermünster – einzigartige Mauerreste und Steine


Als man im Keller der Niedermünsterkirche in Regensburg einst eine Fußbodenheizung bauen wollte, stieß man auf Spuren der Vergangenheit. Doch die einzigartigen Mauerreste, Steine und Wandmalereien mussten erst zu einem kompletten Puzzle zusammengefügt werden. Dieser Lebensaufgabe widmete sich Dr. Eleonore Wintergerst. Die Autorin stellte am Montag, 27. Januar, den dritten Teil der Publikationsreihe „Die Ausgrabungen unter dem Niedermünster zu Regensburg“ vor. Die Ausgrabungsstätte kann im „document Niedermünster“ mit einer Führung besichtigt werden.

REGENSBURG Dr. Silvia Codreanu-Windauer, Leiterin der Dienststelle des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, erklärte, um welch besondere Stätte es sich hierbei handelt. Sie erzählte, dass man in den Nachkriegsjahren eine Fußbodenheizung in den Keller der Niedermünsterkirche bauen wollte und im Zuge dessen auf Wandmalereien, Steine und Mauerreste stieß. Sie sind einzigartige Spuren einer anderen Zeit und erzählen die Geschichte des „ältesten repräsentativen Kirchenbaus Bayerns“ – des Regensburger Niedermünsters.

Das einzige römische Lager nördlich der Alpen, das erhalten blieb, stand einst an dieser Stelle. Nachdem die Gebäude aus Holz abgebrannt waren, wurde über den Ruinen aus Stein etwa um das Jahr 700 eine Kirche aus Stein gebaut. Diese„Pfalzkapelle“ diente dem bayerischen Herzog als Residenz – wobei man sich unter Kapelle eine mächtige Kirche vorstellen muss, nicht eine kleine Kapelle wie in der heutigen Bedeutung des Wortes, erklärte Cordeanu-Windauer. Sie berichtete, dass der damalige bayerische Herzog seine Macht demonstrieren wollte und extra italienische Künstler für die Wandmalereien der Kirche kommen ließ. „Als Mensch des 21. Jahrhunderts kann man sich das gar nicht vorstellen“, beschreibt Cordeanu-Windauer wie beeindruckend das Niedermünster für die Menschen damals mit den riesigen römischen Steinen und den italienischen Malereien gewesen sein muss. Auch der Kampanile, der freistehende Glockenturm, ist für Bayern einzigartig und stammt aus Italien, wo er weit verbreitet ist. Eine weitere Besonderheit stellt das Herzogsgrab Heinrichs des Ersten dar, der 955 gestorben war. Seine Gebeine liegen ebenso wie die seiner Frau im Niedermünster.

Das Ergebnis der sehr komplexen Arbeit der Archäologen wird im „document Niedermünster“ mit einer farbenfrohen Didaktik – verschiedenfarbige LED-Lichter beschreiben die unterschiedlichen Bauphasen – und wissenschaftlich belegbaren Filmen ausführlich, aber leicht verständlich, erklärt. Die Führungen sind auf 15 Personen beschränkt und finden Sonntag, Montag und an Feiertagen, jeweils um 14.30 Uhr statt. Treffpunkt ist das Infozentrum „Domplatz 5“, dort gibt es auch Tickets.


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