26.11.2019, 17:00 Uhr

„Komm, du Heiland aller Welt!“ Advent und Weihnachten mit den Domspatzen in Regensburg – Vorbereitung der Weihnachtsgottesdienste

(Foto: Michael Vogl)(Foto: Michael Vogl)

Die Advents- und Weihnachtskonzerte der Domspatzen im Regensburger Audimax haben Tradition. Der unumstrittene Höhepunkt aber: das „Stille Nacht“ in der Christmette im Regensburger Dom.

REGENSBURG Wer in diesen Tagen ins Haus der Domspatzen kommt, hört aus beinahe allen Winkeln adventliche Klänge. Alle drei Chöre proben für die bevorstehende Advents- und Weihnachtssaison. Es ist seit jeher die intensivste Zeit für die Sänger und Schüler dieses bekannten Knabenchores. Das eigene Gymnasium nimmt darauf Rücksicht. Schulaufgaben und Tests werden dann verstärkt im Januar geschrieben. Für Christian Heiß, seit September neuer Domkapellmeister, ist diese Phase die zweite „Feuertaufe“. Nach der erfolgreichen Herbsttournee durch Deutschland und Luxemburg sind die Auftritte im Audimax für ihn gleichzeitig die Premiere auf dem Regensburger Konzertparkett.

„Komm, du Heiland aller Welt!“ So hat Domkapellmeister Christian Heiß das Programm der diesjährigen Advents- und Weihnachtskonzerte überschrieben. Sechsmal im Advent gastiert der weltberühmte Domchor wieder im Audimax der Regensburger Universität. Die Konzerte in Waldsassen, Passau, im Schwarzwald, in der Benediktiner-Abtei in Mariazell und im Münchner Prinzregententheater sind bereits so gut wie ausverkauft. Dennoch betont der Domkapellmeister: „Das Ziel, auf das wir hinsingen, sind die Weihnachtsmessen im Regensburger Dom. Dort ist unsere Heimat, da sind wir zuhause“, sagt Heiß. Die Domspatzen wollen mit ihrem Gesang in den Konzerten die Zeit des Wartens auf Weihnachten und das Wunder von Weihnachten musikalisch verkünden und erlebbar machen.

Christian Heiß lässt mit seiner Programmauswahl aufhorchen und setzt bereits erste Akzente. „Mir ist es ganz wichtig, durch unsere Konzerte auf Weihnachten erst hinzuführen. Deshalb ist der gesamte erste Teil dem Thema Advent gewidmet. Erst im letzten Stück vor der Pause blitzt Weihnachten auf“, sagt er. Im abwechslungsreichen Konzertprogramm finden sich viele Stücke, die noch nie oder eben lange nicht mehr von den Domspatzen präsentiert wurden. Gleich zu Beginn wird klar, wofür die Domspatzen als Domchor stehen: Für blitzsauber dargebotenen A-cappella-Gesang. Es beginnt mit einer drei- bis neunstimmigen Adventscollage, die mit Gregorianischen Melodien spielt, gefolgt von Palestrinas Adventsmotette „Rorate coeli“. Mit Herman Strategiers O-Antiphonen betreten selbst die Domspatzen Neuland. Kompositionen des Thomaskantors Eduard Mauersberger, von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Sergeij Rachmaninoff, Heinrich Schütz und des estnischen Komponisten Urmas Sisask komplettieren den ersten Teil. Im zweiten sind dann Weihnachtslieder aus aller Welt zu hören. Und natürlich werden auch wieder einige Sänger solistisch zu hören sein. Der aktuelle Domkapellmeister Werke weiß, in welcher Reihe er steht. Er hat auch Werke seiner Vorgänger im Programm. „Es macht mir große Freude, mit dem Chor zu musizieren. Es funktionierte von Anfang an. Die Jungs haben mich akzeptiert und ich habe sofort den Draht zu ihnen gefunden“, sagt er.

Im Fokus der Probenarbeit steht gleichwohl auch die Vorbereitung der Weihnachtsgottesdienste im Dom. Die Domspatzen sind in erster Linie der Chor der Kathedrale und das seit über 1.000 Jahren. In der Christmette und in den Gottesdiensten an den Weihnachtsfeiertagen sind die Domspatzen dort zu hören, wo sie hingehören: im Regensburger Dom St. Peter. Dann erklingen „Stille Nacht“ und „Heilige Nacht“ im Rahmen der feierlichen Weihnachtsgottesdienste. Nach vielen Jahren ist in der Christmette wieder einmal eine Mozart-Messe mit Streichorchester zu hören. Am ersten Weihnachtsfeiertag erklingt dann Palestrinas Missa „Papae Marcelli“.

Auch die beiden weiteren Chöre der Domspatzen sind gut unterwegs. Sie konzertieren beispielsweise in Weltenburg, Reutlingen, Neukirchen. Sie eröffnen den Regensburger Christkindlmarkt und sind der Haupt-Act beim Weihnachtssingen in der Armin-Wolf-Arena (Open Air) in Regensburg. Ein spannendes Zusammenspiel ist am Donnerstag, 19. Dezember, um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Wolfgang in Regensburg zu erleben: Kann ein Bachchoral swingen? Wie viel Soul bietet „Es ist ein Ros‘ entsprungen“? Und könnte Maria im Dornwald auch einen Jazz-Waltz tanzen? Das „Bastian Walcher Quartett“ (Cathrin Lange, Sopran/Bastian Walcher – Piano/Jörg Hartl – Trompete/Andreas Bauer – Bass/Joachim Holzhauser - Schlagzeug, Vibraphon) und die klassische Sopranistin Cathrin Lange beantworten all diese Fragen mit einem klaren „Ja!“ Spielerisch und ohne Berührungsängste findet ein Crossover aus Klassik und Jazz statt und verbindet verschiedene musikalische Genres, die normalerweise weit auseinander liegen. Zusammen mit einem Chor der Domspatzen unter der Leitung von Kathrin Giehl erklingen Gregorianische Hymnen, bekannte Adventslieder und moderne Chormusik in bisher nie gehörter Weise. Und dabei ertappt man sich als Zuhörer des Öfteren dabei, sich zunächst genüsslich zurückzulehnen, um einem vermeintlich bekannten Lied zu lauschen. Doch dann kommt es wieder ganz anders.


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