12.10.2019, 22:44 Uhr

Festival Sieben Tage queere (Film-)Streifen in Regensburg

(Foto: Ursula Hildebrand)(Foto: Ursula Hildebrand)

Heuer zeigt das Queer-Streifen-Filmfestival bereits zum achten Mal das ganze Spektrum des queeren Films in der Filmgalerie im Leeren Beutel.

REGENSBURG Vom 17. bis zum 23. Oktober werden elf Filme aus aller Welt gezeigt, – im Mittelpunkt der Spielfilme, Dokumentationen und Kurzfilme stehen die Herausforderungen, Existenzkämpfe und Erfolge lesbischer, bisexueller, schwuler, trans und inter Menschen, wie sie noch immer selten auf der großen Leinwand zu sehen sind. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt wieder eine Filmpatenschaft sowie die Schirmherrschaft über das Festival.

Facetten des Regenbogens

Muss denn Beziehung immer wieder so funktionieren, wie wir es schon kennen? Der diesmalige Eröffnungsfilm „Two in the Bush – A Love Story“ erzählt von Emilys Versuch, zu sich selbst zu finden – zwischen Lebensträumen, seltsamen Dates, verrückten Katzen und unerwarteten Wendungen von Bisexualität bis hin zur Polyamorie. Zuvor kann sich das Festivalpublikum mit Häppchen und Sekt im Foyer der Filmgalerie auf die neue Ausgabe Queer-Streifen einstimmen.

Am Samstagabend trifft in dem mexikanischen Spielfilm „The Garden Left Behind“ Ablehnung und Gewalt auf Solidarität und Liebe. Mit ihrer Großmutter lebt Tina als undokumentierte Migrantin in den USA, ihre Transition ist eine zusätzliche Hürde. Die ständige Bedrohung wird dank der hohen Beteiligung von trans Personen vor und hinter der Kamera realistisch geschildert, zumal besonders viele der weltweiten Mordfälle aus den USA, Mexico und Kolumbien berichtet werden. Der Film wurde mit dem diesjährigen QueerScope-Debütfilmpreis ausgezeichnet und Hauptdarstellerin Carlie Guevara kommt aus den USA zum Filmgespräch nach Regensburg.

Einen weiteren Programmpunkt zum Thema Geschlechterdiversität bildet der Dokumentarfilm „No Box for Me“. An Intersex Story, der Vorurteile hinterfragt und eine Biografiearbeit abseits gesellschaftlicher Normen begleitet. Jeanne Riedel von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) wird zum Film Position beziehen und über ihre Tätigkeit berichten.

In diesem Jahr ist außerdem wieder eine deutsche Dokumentation zu einer außergewöhnlichen Thematik zu sehen: „Ich bin Anastasia“ berichtet von Oberstleutnantin Anastasia Biefang, die sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere zu ihrem Coming Out als trans Frau entscheidet. Der Film begleitet Anastasia bei ihrer Transition, ihrem Dienstantritt und ihrem Umgang mit ihrem neuen Bataillon. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion mit Mitgliedern des Trans-Ident e. V.

Ein spezielles Highlight stammt von der schwulen Regie-Ikone Rosa von Praunheim: „Darkroom – Tödliche Tropfen“ rekonstruiert einen wahren Kriminalfall von 2012 und ist nichts für zarte Gemüter. Anhand von Rückblenden und Gerichtsprotokollen versucht der Spielfilm die Identität des Mörders zu ergründen, der ein scheinbar normales Leben führte. Zur anschließenden Filmdiskussion werden die Darsteller Heiner Bomhard und Bozidar Kocevski anwesend sein.

Elf abendfüllende Filme und noch mehr Kurzfilme aus aller Welt

Im weiteren Programm finden sich ganz unterschiedliche, globale wie persönliche Perspektiven auf queeres Leben: vom drängenden Kinderwunsch über Konflikte mit der streng religiösen Familie bis hin zu inniger Romantik und abenteuerlichen Beziehungskisten. Menschen, die sich geschlechtlichen Normen entziehen, spielen ebenso eine Rolle wie brasilianische Mr.-Leather-Kandidaten, queere Serien-Fans und sich heimlich liebende junge Frauen im 18. Jahrhundert. Diese vielseitige Palette an elf internationalen Filmen ist vor allem der Unterstützung durch Kooperationspartner und langjährige Filmpatenschaften zu verdanken.

Und auch die Kurzfilme kommen nicht zu kurz: 28 aus 321 Einreichungen haben es in die finale Auswahl geschafft. Die Jury, bestehend aus Ciel Pohl, Michael Fleig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medienwissenschaft der Universität Regensburg und Petra Salameh-Zudock, tätig für die Antidiskriminierungsstelle der Stadt Regensburg, bestimmt den Hauptpreis für den besten Kurzfilm. Das Preisgeld über 500 Euro wird in diesem Jahr vom Praxiszentrum Alte Mälzerei Regensburg gestiftet. Daneben entscheidet das Publikum über den beliebtesten Kurzfilm in den Kategorien lesbisch, schwul und queer, der jeweils mit 200 Euro dotiert ist. Ebenfalls Lorbeeren erhält der Publikumsliebling der Langfilme.

Das queere Filmfestival – Regensburgs Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung

Die Queer-Streifen setzen ein Zeichen dagegen, dass Menschen immer noch aufgrund ihrer Geschlechtsidentität, sexuellen Orientierung oder ihrer Beziehungsformen benachteiligt und verfolgt werden. Das ehrenamtlich tätige Festivalteam freut sich auf eine erfüllte Oktoberwoche! Begrüßungsgetränke stehen bereit und Filmeindrücke können im stimmungsvollen Kinofoyer ausgetauscht werden. Am Samstagabend steigt dort dann die kultige Flimmerkasten-Fete, diesmal mit 80er-Pop, Indie-Hits und Live-Elektro sowie Visuals als Teil einer besonderen Raumgestaltung.


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