28.09.2019, 17:31 Uhr

Ein großes Stück Weltgeschichte Die Frage nach dem Frieden – und dem richtigen Weg dahin

Die israelischen Verhandlungsführer treffen auf die Palästinenser. Links im Bild: Terje RødLarsen, gespielt von Gero Nievelstein. (Foto: Jochen Quast)Die israelischen Verhandlungsführer treffen auf die Palästinenser. Links im Bild: Terje RødLarsen, gespielt von Gero Nievelstein. (Foto: Jochen Quast)

Darf man lachen, wenn auf der Bühne eines Theaters der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern thematisiert wird? Darf man schmunzeln, wenn mit Klischees gearbeitet wird? Ja, man darf! Das hat das Ensemble des Theaters Regensburg mit seiner Premiere am Samstagabend, 23. September, bewiesen. Auf dem Spielplan stand das Stück „Oslo – Mission für den Frieden“ nach J. T. Rogers.

REGENSBURG Es ist ein ernstes Thema, das sich auf der Bühne des Velodroms in Regensburg entwickelt. Es ist die Vorgeschichte zu einem historischen Moment: 1993 schüttelten sich im Garten des Weißen Hauses in Washington D.C. Jitzchak Rabin und Jassir Arafat die Hände, sie unterschrieben die „Prinzipienerklärung über die vorübergehende Selbstverwaltung“, auch „Oslo I“ genannt. „Oslo“ deshalb, weil neun Monate lang in der norwegischen Hauptstadt Geheimverhandlungen geführt wurden, während die Welt auf die stagnierenden Gespräche zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation, kurz PLO, in Washington D.C. blickte. Ein Diplomaten-Ehepaar, Mona Juul (gespielt von Katharina Solzbacher) vom Norwegischen Außenministerium und Terje RødLarsen, ein Sozialwissenschaftler (gespielt von Gero Nievelstein), hatten die Idee, einen geheimen Kanal für die Gespräche zu öffnen. Das Stück zeigt auf, wie schwer es ist, solche Verhandlungen zu führen, wie haarscharf man das ein oder andere Mal am Scheitern vorbeischrammt. Es zeigt, dass viel von den agierenden Personen abhängt – und vielleicht auch davon, dass eben nicht die ganze Welt jeden Schritt, jeden Satz sofort mitverfolgen kann, so wie es heute im Zeitalter der sozialen Netzwerke ist. Am Ende gab es tosenden Applaus für die 14 Schauspieler, die fast drei Stunden lang 21 Rollen verkörpert hatten. Das Stück lebt von den Darstellerinnen und Darstellern, die die Charaktere einerseits nüchtern, aber andererseits doch voller Emotionen auf die Bühne bringen. Das drehbare Bühnenbild lässt den Wechsel zwischen den Örtlichkeiten zu, bleibt aber in sich kahl und nüchtern. Auch musikalische Elemente werden nur sparsam eingesetzt, einige wenige Videosequenzen an der richtigen Stelle versetzen das Publikum hinein in den Kampf um den Frieden.

Am Ende des Stückes fragt Mona Juul, ob sie alles richtig gemacht haben, ob es richtig war, die Gespräche zu initiieren und am Laufen zu halten. „Ich bin mir nicht sicher“, sagt sie. Hat sich die Mühe gelohnt? Wer weiß, dass der Frieden nicht lange gehalten hat, dass Jitzchak Rabin ermordet wurde, dass Angriffe heute wieder an der Tagesordnung sind – wer das weiß, muss sich tatsächlich fragen, ob es richtig war. Doch: Was wäre, wenn es diese Gespräche nicht gegeben hätte? Ist nicht jeder Versuch, Frieden mit einem Weg ohne Waffen zu schaffen, der richtige? Sollte man nicht alles versuchen, Konflikte so zu lösen, anstatt Tote eines Krieges zu zählen und Vergeltung zu üben? Ja, das sollte man, ohne wenn und aber ...


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