22.08.2019, 16:46 Uhr

„donumenta“ Künstler werfen einen ganz besonderen Blick auf die Stadt Regensburg


Wer in Regensburg aufgewachsen ist oder schon lange hier lebt, der hat seinen speziellen Blick auf die Domstadt. Jeder hat so seine Ecken, die er besonders schön findet. Gleichzeitig aber nimmt er vieles als selbstverständlich an, er achtet nicht mehr darauf. Künstler, die von außen kommen, vielleicht vorher noch nie in Regensburg waren, haben ihren ganz eigenen Blick auf die Stadt. Eszter Muray aus Ungarn ist im Rahmen des „Artists in Residence“-Programmes von „donumenta“ gerade in der Stadt unterwegs und findet ihre ganz eigenen Orte.

REGENSBURG er ein oder andere erinnert sich sicher noch an den roten „Nippel“, der sich plötzlich vor der Don-Juan-Statue im Pflaster wölbte. Er war Mitte 2018 im Rahmen des „Danube Art Labs“ aus dem Boden „gewachsen“ – und dann aber auch schnell wieder verschwunden. Das Kunstwerk wurde kontrovers diskutiert – die einen fanden es komplett überflüssig, die anderen hätten es gerne behalten. Anknüpfend an diese Aktion, an der noch zehn weitere Künstler beteiligt waren, hat man sich bei „donumenta“ entschlossen, erneut Künstlerinnen und Künstler einzuladen, die sich Regensburg aus ihrer Sicht genau anschauen sollen. Ziel ist es, das sie wieder im öffentlichen Raum ein Kunstwerk umsetzen. Eszter Muray aus Ungarn hat einen der begehrten Plätze für das aktuelle Projekt ergattern können. Seit Anfang August ist sie in Regensburg und findet ihren ganz eigenen Blick auf die Domstadt.

Besonders aufgefallen ist der Künstlerin die enge Verwobenheit Regensburgs mit der Donau. In ihrer Heimatstadt Budapest käme niemand auf die Idee, sich an einem lauen Sommerabend ans Donau-Ufer zu setzen. Viele Bereiche der Donau seien in Budapest auch gar nicht zugänglich, so Muray im Wochenblatt-Gespräch. In Regensburg gebe es dem entgegen keine Barrieren zur Donau. Auch habe sie sich Regensburg so mittelalterlich wie zum Beispiel Edinburgh vorgestellt. So sei sie sehr überrascht gewesen, wie gut erhalten die alten Gebäude in Regensburg sind. Die vielen Touristen und die Regensburgerinnen und Regensburger selbst brächten viel Leben in die Stadt. Gleichzeitig gebe es fast märchenhafte Ecken in der Stadt, die oft auch links liegengelassen werden, unbeachtet bleiben. So hat Eszter zum Beispiel den Gänsepredigt-Brunnen im Bischofshof-Innenhof entdeckt, einen Brunnen des Künstlers Josef Michael Neustifter aus Bronze und Stein aus dem Jahr 1980. „Die Darstellung auf dem Brunnenstock geht auf die Fabel von der Gänsepredigt zurück. Während ein Priester predigend vor Gänsen steht, öffnet sich der Mantel am Rücken und seine wahre Gestalt wird sichtbar – der Wolf, der eine Gans am Hals ergreift. Somit wird das Böse enthüllt“, schreibt dazu die Stadt auf ihrer Homepage. Der Gänsepredigt-Brunnen ist den wenigsten Regensburgerinnen und Regensburgern gegenwärtig. Man sieht ihn, man registriert ihn – und hat ihn schon wieder vergessen. Ein etwas anderer Blick auf die Stadt lässt ihn zu etwas Besonderem werden.

Nben Eszter Muray sind auch noch Pavla Scerankova und Dušan Zahoranský Gäste des „Danube Art Lab“. „Sie befassen sich alle mit dem historischen Erbe Regensburgs, betrachten diese aus künstlerischer Perspektive und verschaffen Regensburgerinnen und Regensburger mit ihrem Blick einen neuen Zugang zum Gewohnten“, so „donumenta“.

Und vielleicht sollten auch wir „alten“ Regensburgerinnen und Regensburger mal wieder mit einem anderen Blick durch unsere schöne Stadt gehen. Es gibt viel zu entdecken – Figuren aus Stein oder Metall, besondere Dachformen, alte Türen. Lassen wir uns mal wieder überraschen von unserer schönen Stadt!


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