29.05.2019, 08:41 Uhr

Kultur Bedeutende Künstlerin des 20. Jahrhunderts kommt zu Ehren – Büste von Käthe Kollwitz wird in die Walhalla aufgenommen


Die Walhalla in Donaustauf ist weithin bekannt. Sie ist Ziel vieler Touristen aus der ganzen Welt. 130 Büsten und 64 Gedenktafeln sind dort zu sehen, große Männer und Frauen „teutscher Zunge“ sind hier zu finden. Am Mittwoch, 29. Mai, kommt eine weitere Büste hinzu – eine Büste der Künstlerin Käthe Kollwitz wird feierlich in die Walhalla aufgenommen.

DONAUSTAUF Frühestens 20 Jahre nach dem Tod kann eine bedeutende Persönlichkeit in die Ruhmeshalle in Donaustauf aufgenommen werden, die der bayerische König Ludwig I. bauen ließ. Er selbst kam zur feierlichen Eröffnung am 18. Oktober 1842. Auch heute hat das Gebäude eine gewisse Bedeutung, denn die Tradition, berühmten Personen „teutscher Zunge“ hier ein Denkmal zu setzen, wird immer noch fortgesetzt. „Seit 1962 werden die ursprünglich 96 Büsten in Abständen von fünf bis sieben Jahren wieder ergänzt. Die Auswahl erfolgt durch den bayerischen Ministerrat auf Empfehlung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften“, so die Bayerische Schlösserverwaltung, in deren Zuständigkeitsbereich die Walhalla seit dem Jahr 2016 fällt. 2003 fand zum Beispiel die Widerstandskämpferin Sophie Scholl einen Platz in der Walhalla, 2009 folgten Edith Stein und 2010 Heinrich Heine. Und nun folgt am Mittwoch die Büste der Künstlerin Käthe Kollwitz.

Käthe Kollwitz wurde 1867 in Königsberg geboren. Ihre Werke drehen sich vor allem um die Folgen des Ersten Weltkriegs für Frauen, Kinder und Familien. 1919 wurde sie als erste Frau zum Mitglied in der Preußischen Akademie der Künste ernannt. 1929 erhielt sie als erste Frau den Orden „Pour le Mérite“ für Wissenschaft und Künste. Im Dritten Reich wurden die Werke der sogenannten „entarteten Kunst“ zugeordnet. 1933 wurde Kollwitz gezwungen, aus der Preußischen Akademie der Künste auszutreten. Kollwitz starb 1945 in Moritzburg bei Dresden. Das Schulprojekt „Käthe Kollwitz zu Ehren“ hatte den Vorschlag eingereicht, das Projekt wurde an der Käthe-Kollwitz-Schule in Hannover durch die Lehrerin Gabriele Meuer, die inzwischen pensioniert ist, durchgeführt. Sie gründete einen Verein und sammelte Spende für die Herstellung der Büste, denn die Kosten muss der tragen, der den Vorschlag gemacht hat.

Angefertigt hat die Büste der Bildhauer Uwe Spiekermann aus Hannover. Noch wurde sie der Öffentlichkeit nicht gezeigt, das wird erst am Mittwochabend in der Walhalla geschehen. „Die Büste ist aus Laaser Marmor Bianco Statuario des Weißwasserbruchs gefertigt. Dieser Stein wird in der Nähe des Ortes Laas in Südtirol in über 2.000 Metern Höhe nur unter Tage abgebaut“, so das Kunstministerium. Im August 2018 hatte der Künstler den Stein selbst aus Laas geholt.

Kunstminister Bernd Sibler freut sich bereits auf die Aufstellung der Kollwitz-Büste: „Die Walhalla ist ein Ort, an dem die Erinnerung an große Persönlichkeiten des deutschsprachigen Raums gepflegt wird. Gleichzeitig spiegelt diese Gedächtnisstätte den Wandel der Werte durch die Zeiten wider. Ich freue mich sehr, dass mit der Künstlerin Käthe Kollwitz nun erneut eine bedeutende Frau des 20. Jahrhunderts hier einen Platz findet und so ein Stück Moderne in die Walhalla Einzug hält.“

Auch die nächste Persönlichkeit, die Einzug in die Walhalla in Donaustauf finden wird, steht schon fest: Der Ministerrat hat beschlossen, diese Ehre auch dem Physiker Max Planck zuteilwerden zu lassen. Ein Datum für diesen Festakt gibt es hier aber noch nicht.


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