06.05.2019, 07:28 Uhr

Kultur Der Teppich mit Wappen Bayerns hängt jetzt am höchsten Punkt des neuen Museums!


Wissenschaftsminister Sibler stellt einen Teil der Ausstellung im neuen Museum der Bayern vor – auch ein umstrittenes Exponat ist dabei.

REGENSBURG Ein historisches Museum, in dem der Trip über den Brenner im Goggomobil ein Thema ist? Genau das will das neue Museum der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donaumarkt bieten. Am Mittwoch stellte Wissenschaftsminister Bernd Sibler zusammen mit dem Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl, den Kern der Ausstellung „Wie Bayern Freistaat wurde und was ihn besonders macht“ vor. Mit einer Installation, die eine Straße über den Brenner mit Auto-Ikonen der 50er Jahre säumt, wird eine Zeit dargestellt, wie viele noch lebende Bayern in Erinnerung haben: Die Zeit des Wirtschaftswunders. „Mein Lieblingswagen ist der Spatz, der in Traunreut für die Viktoria-Werke in Nürnberg produziert wurde“, sagte Loibl und deutete auf ein wunderschönes Zweisitzer-Cabriolet, mit dem man auch heute gerne über die Alpen fahren würde. Auch ganz seltene Stücke wie einen „Janus“ hat man im Petto, der nur 1.400 Mal produziert wurde. Der Haken an dem Auto: Die Fahrer auf dem Rückfahrsitz saßen mit Blick auf der Heckscheibe, „denen wurde einfach oft schlecht.“ Und natürlich darf auch ein Audi aus der Wirtschaftswunder-Zeit nicht fehlen, wenn man Bayerns rasanten Aufstieg in den Nachkriegsjahren beschreiben will.

Einen Staat ohne Staatskarosse zu machen, das ist undenkbar. Deshalb ist auch der Dienstwagen des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel auch in der Ausstellung zu sehen: Ein Barockengel von BMW. „Der hätte den heute so erfolgreichen Autobauer BMW damals fast an den Rande des Ruins gebracht“, sagte Wissenschaftsminister Sibler. Stolz präsentierte der aber auch das höchste Exponat im Museum: Dort, wo das durchaus umstrittene neue Gebäude den höchsten Punkt erreicht, ist heute der Wandteppich des Landtages zu sehen.

Davor stehen sieben Sitzreihen der alten Bestuhlung, auf der bis 2004 die Parlamentarier Platz nahmen. „Hier habe ich meine erste Landtagsrede gehalten“, sagte Sibler stolz. Die Besucher dürfen übrigens Platz nehmen und selbst abstimmen: Etwa in der Kruzifix-, und der Nichtraucherschutzdebatte. „So manche Abstimmung würde heute anders ausgehen“, schmunzelte Loibl. Doch während eine leicht comichaft wirkende Darstellung der Alpen vor den wunderschönen Oldtimern bayerischer Provenienz zum leichten Teil der Ausstellung zählt, gehören auch dunkle Kapitel zur Geschichte des Freistaates. Der monumentale Wandteppich an der höchsten Stelle des Museums hat braune Flecken. Geschaffen hatte ihn Professor Hermann Kaspar, der wegen seines Schaffens im Dritten Reich durchaus umstritten ist. Bis 2017 hing der Teppich im alten Plenarsaal des Maximilianeums in München. Er zeigt das große bayerische Wappen, die Wappenschilder des Pfälzer Löwen, dem fränkischen Rechen, dem blauen Panther Altbayerns sowie die drei staufischen Löwen Schwabens. Zu sehen sind auch die Wappen der Bezirkshauptstädte Bayerns: Augsburg, München, Regensburg, Würzburg, Landshut, Bayreuth – und ja, auch Speyer, nämlich für die linksrheinische Pfalz, die einst bayerisch war.

Sibler spart das dunkle Kapitel nicht aus: „Das muss man ansprechen und darf das nicht einfach ignorieren.“ Und auch Loibl macht klar: „Wir wollen niemanden pädagogisch durchs Museum führen, aber an dem Thema Bayern im Nationalsozialismus kommt man nicht vorbei.“ Stolz ist Loibl darauf, dass man einen Superlativ aufgestellt hat. „Bayerische Geschichte ab 1800 auf 2.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche – das schafft nicht mal das Haus der deutschen Geschichte in Bonn“, so Loibl. Die Messlatte von 850.000 Besuchern im Jahr muss das neue Bayern-Museum indes erst reißen. Doch weil die Bayern grundsätzlich alles besser können als die Preußen, hat der Freistaat für eine Vorstellungsrunde ganz besonderer Art grünes Licht gegeben: Am 4. Juni wird das Museum in Regensburg eröffnet. „Drei Wochen lang, bis zum 30. Juni, kann man es dann bei freiem Eintritt besuchen“, so Minister Sibler. Wäre doch gelacht, wenn die Bayern nicht die Bonner Besucherzahlen „schnupfen“ würden.