20.02.2019, 12:32 Uhr

Zu Gast im „Nachtcafé“ „Alles für mein Kind?“ – für Regensburgerin Verena Brunschweiger grundsätzlich undenkbar

(Foto: SWR/Peter A. Schmidt)(Foto: SWR/Peter A. Schmidt)

Ob zu viel oder zu wenig: Bei der Erziehung können Mütter und Väter einiges falsch machen. Was brauchen Kinder wirklich für einen guten Start ins Leben? Bei frischgebackenen Eltern dreht sich nach der Geburt alles um das Neugeborene – Was aber, wenn dieses ständige Kreisen um das Kind nicht nachlässt? Sogenannte Helikoptereltern wollen ihre Kleinen bereits frühzeitig auf Konkurrenzkampf und Erfolgsdruck im Leben vorbereiten. Bereits Kindergartenkinder lernen dadurch Fremdsprachen, erbringen sportliche Leistungen oder erhalten Musikunterricht.

REGENSBURG Dürfen Kinder dabei noch Kinder sein? Andere Eltern hingegen wollen die Kleinen vor allen erdenklichen Gefahren beschützen. Doch wie sollen Kinder für die Herausforderungen des Lebens gewappnet sein, wenn sie keine eigenen Erfahrungen machen dürfen? Wo liegt die Grenze zwischen gesunder Sorge und übertriebener Fürsorge? Wie viel Freiheit brauchen Kinder und wie viele Grenzen sind notwendig? Darüber spricht Michael Steinbrecher mit seinen Gästen im „Nachtcafé: Alles für mein Kind?“ am Freitag, 22. Februar, um 22 Uhr, im SWR Fernsehen.

Die Gäste im „Nachtcafé“:

- Die Karriere von Hans-Jürgen Bäumler ist eine legendäre Erfolgsgeschichte. Gemeinsam mit Marika Kilius bildete er das erfolgreichste deutsche Eiskunstlaufpaar der 50er- und 60er-Jahre. Doch der Erfolg hatte auch Schattenseiten – angetrieben von seiner unerbittlichen Mutter verbrachte er täglich mehrere Stunden auf dem Eislaufplatz: „Eine Kindheit hat nie stattgefunden.“

- Viele Eltern wollen für ihre Kinder das, was auch Stephanie Schulz anstrebt: „Eine freie Entfaltung der Persönlichkeit, ohne Druck, ohne Leistungsanforderungen.“ Doch die alleinerziehende Mutter setzt dieses Ziel besonders radikal um: 2015 gab sie in Deutschland alle Sicherheiten auf und bereist seitdem mit ihrem heute achtjährigen Sohn ferne Länder.

- Für die Karriere ihres Sohnes Max gibt Manuela Rehberg alles. Der Teenager gilt als einer der besten Nachwuchs-Tennisspieler Deutschlands – sein Ziel: eine internationale Karriere. „Wenn man als Eltern nicht zurücksteckt, funktioniert so etwas nicht“, sagt Rehberg, die viel Zeit und Geld in das Talent ihres Sohnes investiert.

- Johannes Schneider plädiert für ein gesundes Mittelmaß in Sachen Erziehung. Ganz selbstverständlich kümmert er sich gleichberechtigt mit seiner Frau um die Kinder. Leistungsdruck und hohe Erwartungen an den Nachwuchs gehen ihm viel zu weit. Während andere Vierjährige Klavierspielen und Italienisch lernen, dürfen seine Kinder schlicht Kinder sein. „Wir sind vollkommen unambitioniert.“

- Alles für mein Kind: für Verena Brunschweiger grundsätzlich undenkbar. Die Gymnasiallehrerin genießt nicht nur ihr kinderfreies Privatleben in vollen Zügen, sondern sorgt sich auch um die Zukunft unseres Planeten: „Den größten individuellen Beitrag zum Umweltschutz leiste ich, wenn ich auf eigene Kinder verzichte.“

- Bernd Seitz kümmert sich um seinen schwerstpflegebedürftigen Sohn: „Ich habe mein Leben in den Dienst von Jean-Paul gestellt“, sagt Bernd Seitz. Doch die Hintergründe dieser Entscheidung sind dramatisch, denn sein Sohn leidet an einer extrem seltenen Erkrankung und ist rund um die Uhr auf Pflege angewiesen. Die Zeit, die dem Elfjährigen noch bleibt, will Bernd Seitz ihm so schön wie möglich gestalten.

-Prof. Dr. Pasqualina Perrig-Chiello ist als Entwicklungspsychologin tätig. Die Entwicklungspsychologin beobachtet, dass Eltern zunehmend unsicher werden, wie sie mit ihrem Nachwuchs umgehen sollen. „Eltern geben den Druck, Leistung zu bringen und flexibel zu sein, an ihre Kinder weiter.“ Denn auch, wenn das Glück der Kinder im Mittelpunkt des Interesses steht, fehlt ihnen häufig die Möglichkeit mitzubestimmen.

Das „Nachtcafé“ ist seit Jahrzehnten eine der erfolgreichsten Talkshows im deutschen Fernsehen. Jeden Freitagabend begrüßt Moderator Michael Steinbrecher Menschen mit besonderen Lebensgeschichten, darunter auch Prominente und Experten, um sich gemeinsam mit ihnen mit einem Thema auseinanderzusetzen. „Nachtcafé: Alles für mein Kind?“ wird am Freitag, 22. Februar, um 22 Uhr im SWR Fernsehen ausgestrahlt.


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