21.01.2019, 08:11 Uhr

Toller Bildband Eine Geschichte von Licht und Finsternis aus Regensburg

Das Bild von Christoph Lang zeigt St. Leonhard, rungsum Trümmer. Die Komturei rechts ist allerdings dem Neubau des Kinderheims erst in den 60er Jahren zum Opfer gefallen. Foto: Morsbach-VerlagDas Bild von Christoph Lang zeigt St. Leonhard, rungsum Trümmer. Die Komturei rechts ist allerdings dem Neubau des Kinderheims erst in den 60er Jahren zum Opfer gefallen. Foto: Morsbach-Verlag

Im Morsbach-Verlag erscheint ein Buch über den ersten Stadtfotografen Regensburgs. Es wirft ein fahles Licht auf die Nazi-Zeit in Regensburg, wo Heiterkeit die Gräuel überdeckt. Der Bildband zeigt aber auch Untergang und Hoffnung nach dem Krieg.

REGENSBURG Schöne Bücher über Regensburg gibt es viele. Doch mit dem Bildband „Alltag. Wandel. Leben“ über den ersten Stadtfotografen Christoph Lang ist dem Morsbach-Verlag ein Zeitdokument gelungen, das über die Ästhetik der Bilder weit hinaus geht. Es zeigt eine Stadt, die wie ein Wunder die Schrecken des Krieges fast unbeschadet überstanden hat. Die Bilder Langs zeigen aber auch, dass die Regensburger während der Nazi-Diktatur fröhlich so taten, als gingen sie die Gräuel des Regimes nichts an.

Der Fotograf dokumentierte auch die Nazi-Propaganda

Wer war Chrsitoph Lang? Als gelernter Bildhauer fertigt er zunächst Modelle für die Stadt. Ab 1937 wird er eine Tradition beginnen, die bis heute fortdauert: Auch heute hat die Stadt Regensburg Profi-Fotografen angestellt, die im besten Falle Chronisten sind. Lang war Mitglied der NSDAP – und so lässt auch die Zeit aufhorchen, in der er fotografierte. Bis 1959 ist er der Stadtfotograf, der festhält, was das offizielle Regensburg anfordert.

Er beginnt sein Werk mit den Verheißungen eines Regimes, das Deutschland in den Abgrund reißen wird und Millionen Menschen ermordet: Der Neubau der „Adolf-Hitler-Brücke“, die heute Nibelungenbrücke heißt, und der Bau der „Schottenheim“- und der „Hermann-Göring-Siedlung“ sollen für die Propaganda festgehalten werden. Fröhliche Menschen auf dem Dultplatz, während die jüdische Bevölkerung schon nicht mehr arbeiten darf, Judensterne tragen muss und seit 1935 mit den Rassegesetzen faktisch entrechtet wird, wirft ein fahles Licht auf die Regensburger. Als Hitler am 6. Juni 1937 die ihm eher unsympathische Stadt – die Stadtwerke hatten ihm 1932 den Strom auf einer Wahlkampfveranstaltung abgestellt, seitdem mied er Regensburg – besuchte, fotografiert Lang Regensburg geschmückt mit Hakenkreuz-Girlanden. Das Kriegsende markiert das Ende der Unrechtsherrschaft – Lang macht weiter. Ein Foto zeigt, wie die Steine der gesprengten Bögen der Steinernen das Marc-Aurel-Ufer zieren. Und das Bildband vermerkt korrekt, dass die wenigsten Regensburger wohl wissen, dass sie auf Steinen aus der gesprengten Brücke gehen, wenn sie am Ufer entlang laufen.

Dämonische Fröhlichkeit der NS-Zeit, Grauen des Kriegsendes, bescheidene Hoffnung, Wirtschaftswunder: Selten hat ein Band so viele Aspekte Regensburger Stadtgeschichte in einem Bildband vereinigt.