07.12.2018, 08:56 Uhr

Man kennt sie von der Heute-Show Kabarettistin Hazel Brugger – „feministische Zirkel hassen das“

Die wunderbare Hazel Brugger. (Foto: Peter Hauser)Die wunderbare Hazel Brugger. (Foto: Peter Hauser)

Die Kabarettistin und Heute-Show-Akteurin Hazel Brugger kommt nach Regensburg.

REGENSBURG Die Kabarettistin Hazel Brugger gibt am Freitag, 7. Dezember, an der Universität Regensburg eine „Derniere“. Der Auftritt der 24-jährigen Schweizerin, bekannt aus der ZDF Heute-Show, wird ein ganz besonderer sein: Sie wird im Regensburger Audimax ihre sogenannte „Derniere“ spielen. Veranstaltet wird der Anlass von Bruggers YouTube-Showpartner Thomas Spitzer, der mit der Poetry-Slam-Reihe „Master Of The Uni-Vers“ regelmäßig international bekannte Slam- und Comedy-Stars in die Donaustadt holt. Wir haben mit Hazel Brugger, zu deren Preisen der Salzburger Stier, der Deutsche Kleinkunstpreis und der Deutsche Comedypreis gehören, gesprochen und versucht herauszufinden, was an Regensburg so besonders ist.

Wochenblatt: Frau Brugger, was bitte ist denn eigentlich eine „Derniere“?

Hazel Brugger: Naja, also erst einmal ist es für den Künstler ein sehr emotionaler Moment. Die Derniere ist das Gegenstück zur Premiere, das Ende einer kleinen Ära, wenn man so will. Auf Französisch heisst „la dernière fois“ zum letzten Mal, und genau so wird es sein: Ich werde in Regensburg zum allerletzten Mal mit meinem ersten Programm Hazel Brugger passiert auftreten.

Warum denn ausgerechnet in Regensburg? Was verbinden Sie mit dieser Stadt?

Wenn man ein Programm oft spielt, wächst es einem ans Herz und wird zu einem großen Bestandteil des Lebens. Mit Hazel Brugger passiert bin ich zweihundert Mal aufgetreten vor insgesamt über achtzigtausend Leuten und ich wusste, dass der letzte Auftritt etwas Besonderes sein sollte. Seit zwei Jahren moderiere ich zweimal im Jahr den Poetry Slam im Regensburger Audimax und freue mich jedes Mal über die tolle Stimmung im Saal und die kuriosen Begegnungen vor und nach dem Auftritt in der Regensburger Innenstadt. Thomas Spitzer, der den Slam im Audimax veranstaltet, fragte mich dann, ob ich nicht Lust hätte, im Dezember mein Programm in Regensburg zum allerletzten Mal zu spielen. Natürlich habe ich da sofort ja gesagt! (lacht)

Viele Ihrer Pointen zielen auf Ihnen nahestehende Menschen ab, Ihre Eltern zum Beispiel. Finden die das auch lustig?

Ich könnte nichts über meine Familie oder Freunde erzählen, wenn ich mir nicht sicher wäre, dass sie selber auch darüber lachen würden. Die Geschichten, die ich erzähle, drehen sich am Ende auch immer eher darum, dass ich als Tochter versage und nicht meine Eltern als Eltern. Meine Eltern kommen sehr gerne zu meinen Auftritten, ob ich will oder nicht – die Mutter reist sogar extra von Zürich nach Regensburg für die Derniere! (lacht) – und da wäre es ja längerfristig schwierig, eine Pointe vor ihnen zu verstecken. Am Ende des Tages geht es aber ja darum, dass man merkt, dass ein Witz über einen geliebten Menschen nicht böse gemeint ist, denn wenn der Spaß aufhört, wäre es ja nicht mehr lustig.

Sie haben eine deutsche Mutter, einen Schweizer Vater und noch dazu den amerikanischen Pass, weil sie in Kalifornien geboren wurden. Mit welchem Ihrer drei Pässe reisen Sie?

Das mache ich je nach Vorurteilen, die in einem Zielland zu erwarten sind. In die USA reise ich natürlich nur mit amerikanischem Pass, dort begrüßen sie mich dann an der Grenze tatsächlich mit einem „Welcome Home“. Im Alltag zeigt man seinen Pass aber ja eher selten, da greife ich meistens zum Schweizer Personalausweis.

Sie haben einen ziemlich trockenen Humor. Gibt es da Grenzen? Darf man beispielsweise Witze über Flüchtlinge machen?

Einen Witz, in dem Flüchtlinge vorkommen, darf man durchaus machen. Wo Flüchtlinge sind, gibt es ja immer auch Hetze und gierige Profiteure, die sich als Zielscheiben für Witze eigenen. Sich aber über die Flüchtlinge selbst lustig machen – ich sehe nicht, was daran witzig sein sollte. Die Grenzen eines Witzes sind immer auch die Grenzen, an denen er aufhört, lustig zu sein. Es bringt niemanden zum Lachen, wenn einer auf der Bühne drüber redet, wie viel besser er ist als andere.

Scherze also nur gegen die da oben?

„Die da oben“ klingt immer so, als gäbe es an der Spitze jedes Landes drei Leute, die jeweils neun Meter groß sind und sich Pfeife rauchend in einem Dachboden Gemeinheiten ausdenken, die sie dem Volk antun können. (lacht) Ich mag den Begriff nicht. Aber allgemein kann man sich schon an die Devise halten: Nach oben treten, nicht nach unten. Am besten sind aber immer die Scherze gegen sich selbst, sowohl auf der Bühne als auch im echten Leben. Damit schult man sich darin, sich nicht so ernst zu nehmen. Wer sich selber zu ernst nimmt, fühlt sich irgendwann bei jedem kleinen Unglück persönlich von der Welt attackiert.

Sie sagen über sich, sie kochen gerne. Darf eine junge Frau wie Sie im 21. Jahrhundert hinterm Herd stehen?

In einigen nach sehr strengen Doktrinen lebenden feministischen Zirkeln muss man natürlich aufpassen, wenn man zu gerne kocht. (lacht) Unsere Omas und Mütter haben ja hart gekämpft für unsere Rechte, da kann ich meine Zeit und meine Bildung nicht beim Mehlschwitzen vergeuden!

Noch eine letzte Frage, dann lasse ich Sie zurück an den Herd. (lacht) Sie sind ja jetzt durch Ihre Rolle als Außenreporterin in Oliver Welkes Heute-Show einem Millionen-Publikum bekannt geworden. Haben Sie dadurch Macht?

Zumindest sprechen mich viele Leute an, als hätte ich die plötzlich. Und wenn genügend Leute denken, dass man Macht hat, hat man sie wohl auch. Des Kaisers neue Macht! (lacht)

Und mit großer Macht kommt große Verantwortung?

Richtig, sagt das nicht der Onkel von Spider Man zu ihm? Ja, der hatte nicht Unrecht. Ich muss zwar keine Bösewichte in Spinnennetze wickeln, aber natürlich habe ich vor so vielen Zuschauern auch eine gewisse Verantwortung, aber ich bin ja nicht alleine. Bei der Heute-Show werde ich tatkräftig von vielen tollen Leuten unterstützt, da laufe ich keine riesige Gefahr, mich mit Anlauf in einen Fettnapf zu katapultieren. Es wäre spannend, mal zu schauen, wie Oliver Welke reagieren würde, wenn ich ihm ein hochlobendes Portrait über einen AfD-Politiker vorschlagen würde. Nicht, dass ich das gerne machen würde, ich zweifle auch stark daran, dass das lustig wäre, aber Welkes Gesicht bei dem Vorschlag… Das würde ich mir schon gerne anschauen. (lacht)

Frau Brugger, vielen Dank für das schöne Gespräch!

Ich danke Ihnen, und wir sehen uns dann im Dezember in Regensburg. Also Sie sehen mich zumindest. (lacht)