05.11.2018, 17:30 Uhr

Konzert für Power-Child e.V. Regensburger Domspatzen engagieren sich gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen

(Foto: Schelke Bonnetsmueller)(Foto: Schelke Bonnetsmueller)

Die Regensburger Domspatzen sangen in der Antoniuskirche in München zugunsten von Power-Child e.V . einem Verein, der sich gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen einsetzt. Rund 200 Besucher ließen sich von den 56 Ausnahmestimmen in der Kirche verzaubern. Über 11.000 Euro konnten einschließlich der Spenden für die Arbeit von Power-Child gewonnen werden.

MÜNCHEN Sänger und Zuschauer waren gekommen, um auf das Thema aufmerksam zu machen und ihren Teil dazu beizutragen, dass die Zahl der Opfer von sexuellem Missbrauch reduziert werden kann. Diese ist in Deutschland seit Jahren auf gleich hohem Niveau. Experten gehen davon aus, dass es in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder gibt, die betroffen sind. Die Gefahr hierzu kann von allen Seiten kommen, die meisten Fälle geschehen sogar im engen Familienkreis.

Bundesregierung: Schulen sollen Konzepte zum Schutz entwickeln

Dazu Elisabeth von Medem-Stadler, Leiterin von Power-Child e.V.: „Um Kinder und Jugendliche vor sexualisierte Gewalt zu schützen, sind Präventionsmaßnahmen besonders wichtig. Kindern beizubringen, gewisse Situationen einschätzen zu lernen, zu wissen, dass es Grenzen gibt und dass sie diese einfordern können, egal wer sie überschreitet, ist ein wichtiger Bestandteil von Präventionsarbeit.“

Der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) Johannes-Wilhelm Röhrig hat dazu die Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ gestartet. Bis Ende 2018 sollen 30.000 Schulen in Deutschland Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt entwickeln.

Power-Child e.V. unterstützt mit Präventionstagen

Power-Child e.V. bietet Unterstützung für die Entwicklung und Einführung solcher Schutzkonzepte in Form von Präventionstagen. Ein Präventionstag beinhaltet die Schulung der Bezugspersonen und das Erstellen eines Schutzkonzeptes. Außerdem werden Kinder und Eltern eingebunden. Die Regensburger Domspatzen haben bereits ein entsprechendes Schutzkonzept etabliert. Ein weiterer wichtiger Baustein ist, dass Eltern, Lehrer oder Trainer zuhören, Kinder ernstnehmen, die Zeichen zu deuten verstehen und dann wissen, was zu tun ist. Auch hierzu sind Schulungsangebote durch Experten wichtig.

Mehr Unterstützung vom Staat gefordert

Schulungen sind nur nachhaltig, wenn sie flächendeckend und regelmäßig durchgeführt werden. Deshalb plädiert Elisabeth von Medem-Stadler dafür, dass die Öffentliche Hand mehr Gelder für Präventionsarbeit zur Verfügung stellt. Aber auch das Budget für Hilfsangebote für die Opfer von sexueller Gewalt muss dringend aufgestockt werden.

Kinder sind Träger von Menschenrechten

Ein weiteres Manko sieht von Medem-Stadler darin, dass das beste Schutzkonzept nichts hilft, wenn nicht alle Stellen aufmerksam sind und bereit, zu handeln, wie zuletzt im Fall Staufen geschehen. Deshalb fordert sie eine Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz: „Nur so haben Maßnahmen, die Kinder betreffen, Vorrang - zum Beispiel das Recht der Kinder auf Schutz vor Missbrauch und Gewalt. Kinder sind das höchste Gut einer Gesellschaft. Ihr Wohlergehen sollte die Richtschnur allen politischen Handelns sein. Kinderrechte im Grundgesetz niedergeschrieben, wären ein Ausdruck der Achtung des Kindes als Träger von Menschenrechten.“

Über Power-Child e.V.

Der gemeinnützige Verein Power-Child e.V. verfolgt seit 2002 das Ziel, Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt zu schützen. In fünfzehn Jahren hat er erfolgreich dazu beigetragen, dass Kinder genügend Stärke und Mut besitzen, in unangenehmen und gefährlichen Situationen ihr Recht auf Unversehrtheit und Schutz einzufordern.

Das Herzstück der Präventionsarbeit sind die beiden Theater-Präventionsprojekte „Sag JA zu Dir und NEIN im richtigen Moment“ für Kindergärten und Grundschulen. Hier werden den Kindern die Botschaften kindgerecht und eindringlich beigebracht: Wehre Dich! Sag NEIN! Höre auf Dein Gefühl und hole Dir Hilfe!

Zudem ist die Beratung ein sehr wichtiger Bestandteil der Arbeit – persönlich, telefonisch oder im Internet. Personen, die selbst Opfer wurden, ratsuchende Pädagogen und Eltern - jeder kann sich Hilfe holen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.power-child.de.


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