06.08.2018, 14:48 Uhr

Tradition geht verloren Die Musik mag nicht jeder – viele Gastwirte bekommen Probleme, wenn es Anwohnern zu laut ist

Mit diesem Schild signalisieren die Wirtshäuser, dass Musikanten herzlich willkommen sind – so mancher Anwohner sieht das etwas anders! (Foto: Ursula Hildebrand)Mit diesem Schild signalisieren die Wirtshäuser, dass Musikanten herzlich willkommen sind – so mancher Anwohner sieht das etwas anders! (Foto: Ursula Hildebrand)

Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e. V. kümmert sich um die Traditionen – eine davon ist die Musik in den Wirtshäusern. Vor gut 20 Jahren startete man mit dem Projekt, damals „nur“ in der Oberpfalz und in Niederbayern. Mittlerweile gibt es in ganz Bayern Wirtshäuser, die das Schild „Musikantenfreundliches Wirtshaus“ an den Eingang hängen. Nicht immer zur Freude der Anwohner ...

REGENSBURG In unserer schnelllebigen Zeit müssen sich auch Gastwirte immer wieder etwas Neues überlegen, um ihre Gaststuben interessant zu machen. Eine davon ist, auf Musikdarbietungen zu setzen. Das können eine Band oder auch eine Blaskapelle, ein Komiker oder auch ein Autor sein, die gegen Gage spielen oder lesen. Dazu gibt es viele Musiker, die gerne spontan spielen – gegen eine Brotzeit kann man das in den musikantenfreundlichen Wirtshäusern. In Regenburg gibt es derer acht, im Landkreis weitere 28.

Das „Zum Sorgenfrei“ in der Badstraße in Regensburg gehört zu den acht Wirtshäusern, bei denen in der Stadt Regensburg fahrende Musikanten willkommen sind – allerdings dürfen diese nur, so wie bezahlte Bands auch, im Wirtshaus bei geschlossenen Fenstern spielen. Draußen, im lauschigen Biergarten, darf kein Ton die Musikinstrumente verlassen. Wirt Tobias Sorgenfrei hat sich – wie viele seiner Kollegen – überlegt, was er als Mehrwert anbieten könnte. Da kam er schnell auf die Musik. Seit drei Jahren wird nun immer wieder musiziert. Geplant, so berichtet Sorgenfrei, passiert dies alle 14 Tage sonntags von 17 bis 19 Uhr. Und trotzdem gefällt das nicht allen. Ruhestörung! Nun muss Sorgenfrei alle Veranstaltungen anmelden, 24 darf er im Jahr abhalten, zwei im Monat. Und immer gilt: Fenster zu! Damit es ja nicht zu laut wird! Fenster zu, das gilt übrigens auch bei Geburtstagen und Hochzeiten. Die dürfen weiter stattfinden – auch mit Musik. Aber nach außen darf kein Ton dringen.

Die schöne Tradition des Musizierens in bayerischen Wirtshäusern wird so auf Dauer aussterben – schade!


0 Kommentare