30.07.2018, 16:33 Uhr

Auszeichnungen Die Stadt Regensburg vergibt die Silberne Bürgermedaille, den Stadtschlüssel und den Städtepartnerschaftspreis

(Foto: Christian Eckl)(Foto: Christian Eckl)

In seiner Sitzung am 26. Juli hat der Stadtrat über die Vergabe städtischer Medaillen und Auszeichnungen entschieden.

REGENSBURG Ilse Danziger erhält die Silberne Bürgermedaille, die Stadtschlüssel gehen an Mechtild Schwab, Hubert H. Wartner und „CampusAsyl“.; den Städtepartnerschaftspreis 2018 erhalten das Kinderzentrum St. Vincent und das Kinderheim Domino (Dětský domov) in der Partnerstadt Pilsen.

Silberne Bürgermedaille an Ilse Danziger

Die Silberne Bürgermedaille 2018 geht an Ilse Danziger. Der Stadtrat würdigte sie als Persönlichkeit, die einen offenen Dialog zwischen der Jüdischen Gemeinde und der Stadtgesellschaft betreibe. Sie sei eine Kämpferin für das jüdische Leben in Regensburg, aber auch eine Frau, die den Ausgleich suche zwischen den Religionen und zwischen den Menschen. „Sie ist eine eindrucksvolle Botschafterin für ein friedliches Miteinander in Regensburg“, heißt es in der Beschlussfassung.Des Weiteren wurde hervorgehoben, dass sie in zahlreichen Veranstaltungen im Gemeindehaus und an anderen Orten in Regensburg vor allem Jugendlichen die Kultur des jüdischen Glaubens in Regensburg nahebringe, aber auch über ein dunkles Kapitel dieser Stadt - die menschenverachtende Zeit des Nationalsozialismus - informiere. Eine große Herausforderung für Ilse Danziger ist der derzeitige Bau der neuen Synagoge, die das im Jahre 1912 eröffnete und 1938 von den Nationalsozialisten zerstörte Gebetshaus ersetzen soll. Seit 30 Jahren ist Ilse Danziger Mitglied im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Regensburg. Als Nachfolgerin von Otto Schwerdt und Hans Rosengold möchte sie deren Vermächtnis bewahren und an die nächste Generation weitergeben. Außerdem ist sie Vizepräsidentin des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und Mitglied im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks.

Silberne Bürgermedaille

Die im Jahr 1913 geschaffene Silberne Bürgermedaille kann an Persönlichkeiten verliehen werden, die sich in besonderer Weise um das Wohl oder das Ansehen der Stadt verdient gemacht haben.Die Gesamtzahl der lebenden Inhaber der Bürgermedaillen soll 25 nicht überschreiten. Derzeit gibt es insgesamt 13 lebende Inhaber der Silbernen und Goldenen Bürgermedaille.

Stadtschlüssel an Mechtild Schwab, Hubert H. Wartner und „CampusAsyl“

Auf Initiative von Mechtild Schwab, die auch den Vorsitz des eingetragenen Vereins übernahm, wurde 1988 der Sozialdienst Katholischer Frauen Regensburg gegründet, der Frauen, Kinder und Familien in schwierigen Situationen unterstützt. Zwei große Projekte konnte sie während ihrer Zeit als Vorsitzende auf den Weg bringen. Gemeinsam mit weiteren Engagierten gründete sie ein Frauen- und Kinderschutzhaus. Dort werden Frauen mit Kindern aufgenommen, die physisch, sexuell oder psychisch bedroht werden. Das Besondere ist, dass das Frauen- und Kinderschutzhaus alle Personen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit aufnimmt. An diesem geschützten Ort werden sie in ihrer Notsituation betreut und bei der weiteren Lebensplanung unterstützt. Daneben können auch Frauen zur ambulanten Beratung dorthin kommen. Außerdem initiierte sie eine Spielstube für Kinder im Vorkindergartenalter, die später als Regensburger Eltern-Kind-Zentrum (REKiZ) weitergeführt wurde. Zur zunächst stundenweisen Betreuung von Kleinkindern kam später ein Familienzentrum hinzu. An diesem Ort der Begegnung können Eltern mit ihren Kindern Kontakte knüpfen, Erfahrungen austauschen und in verschiedenen Kursen Neues erlernen.Mechtild Schwab sei eine unermüdliche Kämpferin für Frauen und Familien in Not. Lange Zeit habe sie nicht nur die schwierige Aufgabe der Vorsitzenden des Sozialdienstes Katholischer Frauen Regensburg wahrgenommen, sondern zudem die Interessen des Regensburger Vereins auf Bundes- und Landesebene vertreten. Darüber hinaus habe sie sich in örtlichen Arbeitsgemeinschaften wie beispielsweise dem Runden Tisch gegen häusliche Gewalt engagiert, so der Stadtratsbeschluss.Für ihren Einsatz um den Sozialdienst Katholischer Frauen Regensburg wurde ihr bereits im Jahr 2003 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Auch Hubert H. Wartner wird mit den Stadtschlüsseln ausgezeichnet. Der Vorsitzende des Geschichts- und Kulturvereins Regensburg-Kumpfmühl (GKVR habe einen bemerkenswerten Beitrag zur Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit dem Stadtteil Kumpfmühl geleistet. Bereits während seiner aktiven Zeit als Lehrer habe er sich intensiv mit der Regensburger Geschichte befasst und entsprechende Arbeiten veröffentlicht, heißt es im Stadtratsbeschluss. 1998 war er Mitbegründer des „Kulturforum Kumpfmühl“ und im Jahre 2007 schließlich Mitbegründer und seitdem Vorsitzender des GKVR. Er sei stets Motor zahlreicher Festveranstaltungen, Ausstellungen und Präsentationen zu lokalhistorisch-kulturellen Themen gewesen. Hervorzuheben seien insbesondere die Jubiläums-Festschrift „Ein Stadtteil schreibt Geschichte 79 – 1009 – 2009“, die Schriftenreihe „Am Vitusbach“ mit bemerkenswerten Autoren sowie das Anstoßen der Neuauflage des Regensburg-Buches von Karl Bauer. Darüber hinaus habe er sich nachhaltig für den Karl-Bauer-Park, den Erhalt des Baumgartner-Hauses, die Installation der Geschichtsquader sowie die Aufstellung des Gedenksteines für die Opfer des Luftangriffs vom 28.12.1944 eingesetzt. Hervorzuheben sei Hubert H. Wartners Einsatz für die Sanierung des Salettls. Als maßgeblicher Initiator habe er viele Hebel in Bewegung gesetzt, Personen und Institutionen überzeugt und das Salettl in respektable Fachmagazine eingeführt. Die Sanierung des Gebäudes ist seit eineinhalb Jahren abgeschlossen, das Salettl steht nun für öffentliche Nutzungen zur Verfügung.

„CampusAsyl“

Der Verein CampusAsyl wird ebenfalls mit den Stadtschlüsseln geehrt. Mit seinem umfassenden Engagement setze er ein Zeichen für Toleranz und Respekt in unserer Gesellschaft, so der Stadtrat. Als im Jahr 2014 zahlreiche Flüchtlinge und Asylbewerber nach Regensburg kamen, starteten engagierte Studierende und Beschäftigte der Universität Regensburg und der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg ein Hilfsprojekt. Es entstand die Initiative CampusAsyl, ein Netzwerk von Hochschulen und Zivilgesellschaft zur Unterstützung der neu in Regensburg angekommenen Personen. Im Jahr 2016 wurde aus der Initiative ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Projekten, mit denen die Geflüchteten von der Ankunft in Regensburg bis zur Integration in unserer Gesellschaft unterstützt werden. Der Unterstützerkreis bietet Hilfsangebote in vielen Lebensbereichen an. Nach der Ankunft der Flüchtlinge und Asylbewerber ist zunächst das Ziel, ihnen die deutsche Sprache zu vermitteln. Insbesondere Studierende der Fächer Deutsch als Fremd- bzw. Zweitsprache oder Germanistik bieten Kurse an. Zusätzlich werden die Betroffenen mittels Sprachpatenschaften in lockerer Atmosphäre beim Erlernen unserer Sprache begleitet. Für Asylbewerber, die ein Studium anstreben, gibt es ein Mentoring-Programm von Studierenden. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins kümmern sich aber auch um die Gestaltung der Freizeit und Vernetzung mit Regensburger Bürgerinnen und Bürgern. Hier entstanden beispielsweise ein Chor, eine Musikgruppe, verschiedene Sportprojekte, eine wöchentliche Nähwerkstatt, Kochabende sowie Kunstworkshops. Jede Woche gibt es eine Teestunde für Frauen, auch werden eigene Sprachkurse und Sportprojekte speziell für Frauen angeboten. Die Kleiderkammer in der Zeißstraße versorgt die Geflüchteten mit Textilien. Im umfangreichen Angebot des Vereins dürfen Internetcafés in den Gemeinschaftsunterkünften sowie Kinder- und Hausaufgabenbetreuung nicht fehlen. Im Rahmen eines Projekts mit dem Albrecht-Altdorfer-Gymnasium haben unbegleitete minderjährige Flüchtlinge die Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen zu vernetzen.

Stadtschlüssel

Die Auszeichnung „Stadtschlüssel“ war vom Stadtrat im Jahr 2004 geschaffen worden. Mit den Stadtschlüsseln können Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die sich Verdienste um das Wohl der örtlichen Gemeinschaft erworben haben. Eine Begrenzung der Zahl der lebenden Inhaber ist nicht vorgesehen.

Städtepartnerschaftspreis 2018 für das Kinderzentrum St. Vincent und das Kinderheim Domino (Dětský domov)

Der Städtepartnerschaftspreis 2018 soll nach dem Willen des Stadtrats an das Kinderzentrum St. Vincent und das Kinderheim Domino (Dětský domov), eine Einrichtung für Kinder- und Jugendhilfe in Pilsen gehen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, Anfang der 1990er-Jahre habe man von dort verschiedene Institutionen in Regensburg wegen einer Partnerschaft angefragt. Der damalige Leiter des Kinderzentrums St. Vincent, Pfarrer Helmut Heiserer, nahm Kontakt mit dem Kinderheim auf und legte damit den Grundstein für eine bis heute bestehende Partnerschaft. Als wiederkehrende Aktivitäten gab es von Anfang an gemeinsame Ferienfreizeiten mit deutschen und tschechischen Fachkräften, Kindern und Jugendlichen, die zuerst im jährlichen Wechsel in Pilsen und Regensburg stattfanden, untergebracht waren die Gruppen in den jeweiligen Heimen. Nach und nach begann man die Heimatländer der Partner in ihrer Vielfalt zu erkunden. So waren die Regensburger Gäste zusammen mit ihren Partnern aus Pilsen in vielen Teilen Tschechiens unterwegs, im Gegenzug lernten die tschechischen Freunde gemeinsam mit jungen Regensburgerinnen und Regensburgern Bayern kennen. Die bislang letzte dieser gemeinsamen Ferienfreizeiten fand 2015 in Burgweinting zusammen mit einer Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge statt. Parallel zu den Ferienfreizeiten hat sich eine weitere Säule der Partnerschaft im Sportbereich entwickelt. Seit vielen Jahren beteiligt sich ein Fußballteam des Kinderheims St. Vincent an einem großen, jährlich stattfindenden Hallenfußballturnier des Kinderheims Domino. Für die Regensburger Jugendlichen ist die Teilnahme am Turnier der Höhepunkt im Fußballjahr. Neben den regelmäßigen Begegnungen finden auch immer wieder wechselseitige Besuche aus unterschiedlichsten Anlässen statt, wie zum beispiel Sommerfeste, Chorbesuche, Auftritte von Musikgruppen aus Pilsen zur Feier runder Einrichtungsgeburtstage des Kinderheims St. Vincent und vieles mehr. Personelle Wechsel stellen langjährige Partnerschaften stets vor große Herausforderungen. Umso erfreulicher sei es, so der Stadtrat, dass den freundschaftlichen Beziehungen auch von neuen Verantwortlichen beider Seiten immer eine besondere Bedeutung beigemessen wurde bzw. wird. Nur durch das außerordentliche Engagement der beiden Heimleitungen und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei es möglich, eine solch langjährige Partnerschaft lebendig zu gestalten und aufrecht zu erhalten. Die Verleihung des Städtepartnerschaftspreises an das Kinderzentrum St. Vincent und das Kinderheim Domino (Dětský domov) solle daher unter anderem dazu motivieren, den Partnerschaftsgedanken auch in Zukunft weiter zu leben.

Städtepartnerschaftspreis

Der Städtepartnerschaftspreis kann verliehen werden an Persönlichkeiten und Institutionen, die sich in besonderer Weise um die Beziehungen zwischen Regensburg und seinen Partnerstädten verdient gemacht haben. Der Städtepartnerschaftspreis wird grundsätzlich im Abstand von zwei Jahren verliehen.


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