19.06.2018, 08:07 Uhr

Welterbe Spuren vergessener Schätze – das Projekt „Lost Traces ...“ entdeckt vergessene Orte


„Lost Traces ...“ heißt ein Projekt der Welterbestelle mit Tiefgang – zahlreiche Schulen und Institutionen in der Stadt sind daran beteiligt.

REGENSBURG Das letzte europäische Denkmalschutzjahr ist 43 Jahre her (1975). Seit 2013 gab es bereits weitreichende Bemühungen von Bund, Ländern und Kommunen unter Federführung des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz (DNK), ein neues Denkmalschutzjahr auszurufen. Auf diese Bemühungen folgte ein Vorschlag der EU Kommission. Auch der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD hat eine Initiative für ein neues Denkmalschutzjahr empfohlen. Im März 2015 haben sich dann Bund und Länder im Rahmen der Kultusministerkonferenz geeinigt, diese Aktivitäten zu unterstützen. Schwerpunkte sollen im Rahmen der Aktivitäten in Deutschland das bauliche und archäologische Erbe sein. Aber auch andere Aspekte des materiellen und immateriellen Kulturerbes werden erfahrbar und sollen miteinbezogen werden: Literatur, bildende Künste oder die gemeinsame europäische Musiksprache und Geschichte. Kulturelles Erbe - das sind nicht nur die „alten“ Gebäude. Es sind auch unsere Traditionen und Werte. Engagement für kulturelles Erbe kann zu nachhaltigem und wirtschaftlichem Wachstum führen, ein starker Motor für regionale Entwicklung und Tourismus sein und den gesellschaftlichen, sozialen und regionalen Zusammenhalt stärken.

Lost Traces … in Regensburg

Im Fokus des Europäischen Kulturerbejahres steht das Gemeinschaftliche und Verbindende europäischer Kultur. In Deutschland wird dem baulichen Kulturerbe dabei eine besondere Stellung eingeräumt. Die Baukultur soll als Anknüpfungspunkt für die aktive Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe dienen. Das Kulturerbejahr will vor allem junge Menschen erreichen, Bezüge zu deren Lebenswelt schaffen und sie als Akteure und Multiplikatoren gewinnen. Der Kooperationspartner der Welterbekoordination der Stadt Regensburg, die Landesarbeitsgemeinschaft für Architektur und Schule e.V. unter Leitung von Frau Stephanie Reiterer und Herrn Jan Weber-Ebnet, haben aus diesem Grund das Projekt LOST TRACES…, eine baukulturelle Spurensuche für junge Menschen, entwickelt (wwww.lost-traces.eu).

„Lost Traces“ – das sind Plätze und Orte des Erinnerns. Orte, die in Bezug zur regionalen Identität stehen oder Orte, deren Abriss oder Umnutzung öffentlich diskutiert wird und die Impulse für eine zukunftsfähige Entwicklung benötigen. Die Idee ist, diese Orte zu untersuchen, zu hinterfragen und kulturell zu nutzen. Für eine kurze Zeit sollen diese Orte in unterschiedlichen Schulprojekten mit künstlerischen und baulichen Interventionen und Veranstaltungen eingenommen werden. Seit Beginn des Schuljahres 2017/2018 haben sich in Regensburg die FOS/BOS Regensburg, das Gymnasium Lappersdorf, das Albrecht-Altdorfer Gymnasium, das Privat-Gymnasium Pindl und die Konrad Mittelschule intensiv mit Baukultur und Geschichte beschäftigt und dabei viel über die eigene Herkunft und Identität, über Gesellschaft und Europa diskutiert.

Jüdische Spuren in Regensburg

Die Welterbekoordination der Stadt Regensburg konnte in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft für Architektur und Schule e.V. bereits 2017 ein Projekt zu den Jüdischen Spuren in Regensburg mit der FOS/BOS, dem Gymnasium Lappersdorf und der deutschen Schule Prag durchführen. In verschiedenen Workshops konnten sich die Schüler/innen der jüdischen Geschichte Regensburg nähern. Eine Gruppe hat einen überdimensional großen Stadtplan entworfen, der alle jüdischen Spuren in Regensburg visualisiert hat und eine andere Gruppe hat sich intensiv mit jüdischen Traditionen und deren Ursprung beschäftigt. Außerdem bekamen sie eine Führung über die Baustelle der Neuen Synagoge am Brixener Hof und konnten sich mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde Regensburg austauschen.

Spurensuche im Kloster St. Emmeram

Im April 2018 gingen Schüler/innen des Gymnasiums Lappersdorf und ihren Partnerschulen der deutschen Schule Prag/Tschechien und des Liceo Scientifico P.S. Mancini Avellino/Italien auf Spurensuche rund um die ehemalige Reichsabtei St. Emmeram. Nach einer Führung in St. Emmeram durch den Kulturreferenten Klemens Unger, die sehr viel Interesse bei den Schüler/innen weckte, fanden unter Leitung der Lehrkräfte des Gymnasiums Lappersdorf Frau Reindlmeier, Herrn Weißgerber und Herrn Kufner und mit freundlicher Unterstützung von Frau Grüninger-Schmitz verschiedene Workshops statt, die den Ort in historischer, baukultureller, filmischer und fotografischer Hinsicht untersuchten. St. Emmeram bot einen spannenden kulturhistorischen Ort, an dem europäische Geschichte und europäische Kultur ablesbar sind. Als etablierter Kirchenraum in Regensburg bietet St. Emmeram aber auch viele unentdeckte Orte sowie einen ungewöhnlichen Bezug zum Stadtraum. Auch Stadtdekan Roman Gerl freute sich sehr über das Engagement der Jugendlichen. Für ihn ist es ein großes Anliegen, dass sich die Pfarrei St. Emmeram der Stadt weiterhin öffnet und auch der öffentliche Raum näher mit der Kirche zusammenwachsen kann. Für die Projektbeteiligten und die Gäste war es beeindruckend, mit welchem Engagement und mit welcher Energie die Schüler/innen an diesem Projekt gearbeitet haben. Es war deutlich zu sehen, mit welcher Freude sie das Projekt gestaltet und vorangetrieben haben. In den einzelnen multinationalen Schülerteams arbeiteten alle Hand in Hand und es war spürbar, wie der europäische Gedanke funktionierte. Das Projekt „Lost Traces“ auch noch länger ein Thema sein. Im Juni geht es für Sie zum Gegenbesuch in Prag, wo sie die „Collbenka 1704“ für die Öffentlichkeit wiederentdecken wollen, Ende September werden sie in Avellino Paten der Kirche Chiesa di Monserrato. Es entstand auch ein Blog, in dem die Schüler/innen den Verlauf des Projektes der Öffentlichkeit präsentieren. Unter „echy.gymlap.de“ können die einzelnen Aktionen nochmals nachgelesen werden. Neben der Stadt Regensburg wurde dieser Schüleraustausch für das Europäische Kulturerbejahr auch durch das Bildungsprogramm der Europäischen Union „Erasmus+“ gefördert.

ANKÜNDIGUNG:

BAUKULTUR-TOUR parallel zum Ostengassenfest 22. bis 24. Juni 2018

Am 23. und 24. Juni präsentieren sich nun das Albrecht-Altdorfer Gymnasium, das Privat-Gymnasium Pindl und die Konrad Mittelschule mit einer BAUKULTUR-TOUR. An diesem Wochenende, zeitgleich zum Ostengassenfest und in Kooperation mit den Sozialen Initiativen, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der bulgarisch-orthodoxen Gemeinde werden drei Standorte für einen kurzen Zeitraum in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt: Am Samstag, 23. Juni öffnen wir um 11 Uhr für ein paar Stunden das Peterskirchlein am Bahnhofsareal. Am Sonntag, 24. Juni von 11 bis 16 Uhr informieren wir über die ehemalige Thermenanlage unter dem Sportplatz des Albrecht-Altdorfer Gymnasiums mit einem Römerfest und öffnen von 11 bis 17 Uhr den bisher verschlossenen Anatomieturm der Königlichen Villa. Es erwarten Sie Führungen, Gesprächsrunden, eine Mitmach-Malaktion, Ausstellungen und ein römisches Kinderfest mit Spiel- und Sportangeboten, Archäologie in der Box und vielem mehr.

Weitere Informationen und das Programm finden Sie unter:

welterbe@regensburg.de oder www.regensburg.de/welterbe oder www.lost-traces.eu

Das sind die Projekt-Teilnehmer:

Gymnasium Lappersdorf UNESCO-Projektschule im interessierten Status (Frau Reindlmeier, Herr Kufner, Herr Weißgerber/Lehrkräfte)

Deutsche Schule Prag (Partnerschule des Gymnasiums Lappersdorf)

Liceo Scientifici „P.S. Mancini“ Avellino Italien (Partnerschule des Gymnasiums Lappersdorf)

Albrecht-Altdorfer-Gymnasium Regensburg (Frau Hutzler/Lehrkraft)

Privat-Gymnasium Pindl Regensburg (Frau Westerboer, Frau Mancke/Lehrkräfte)

Konrad Mittelschule Regensburg (Frau Bartmann/Lehrkraft)

Bulgarisch-Orthodoxe Gemeinde Regensburg/Deutsch-bulgarische Schule

Jüdische Gemeinde Regensburg, Frau Danziger und Herr Weber

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Dienststelle Regensburg), Frau Dr. Silvia Codreanu-Windauer

Stadtdekan und Pfarrer von St. Emmeram Herr Gerl

Evang.-Luth. Pfarramt Neupfarrkirche Regensburg Pfarrer Herr Koschnitzke


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