10.06.2018, 14:55 Uhr

Interview „Der Welterbetitel ist ein Adelstitel für eine so wunderschöne Stadt wie Regensburg“

Klemens Unger mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, dem Welterbe-Koordinator Matthias Ripp und Susanne Hauer, dem Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl und Peter Bächer vom Tiefbauamt der Stadt Regensburg bei der Vorstellung des Programms. (Foto: Stadt Regensburg)Klemens Unger mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, dem Welterbe-Koordinator Matthias Ripp und Susanne Hauer, dem Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl und Peter Bächer vom Tiefbauamt der Stadt Regensburg bei der Vorstellung des Programms. (Foto: Stadt Regensburg)

Er ist einer der Väter des Welterbetitels, als Kulturreferent zeichnet er auch für die Festivität am 9. und 10. Juni verantwortlich. Das Wochenblatt sprach mit Kulturreferent Klemens Unger in seinem Büro im Thon-Dittmer-Palais.

REGENSBURG Herr Unger, was bedeutet der Welterbetitel für Regensburg?

Klemens Unger: Als ich vor 18 Jahren Kulturreferent wurde, war eines meiner großen Ziele, den Unesco-Welterbetitel zu erreichen. Ich wusste damals allerdings nicht, wie schwierig es sein würde. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Ich würde sogar salopp sagen: Das ist ein Adelstitel für eine Stadt. Damit wird unsere Stadt in ihrer Urbanität, auch in ihrem kunst- und kulturhistorischen Wert gewürdigt. Welterbe bedeutet ja auch ideelles Erbe – Regensburg als Stadt der Dialoge, als Stadt der Reichstage, der Kommunikation in religiöser, wirtschaftlicher, aber auch naturwissenschaftlicher Hinsicht wurde damit ausgezeichnet.

Regensburg hat mit dem Titel also ausschließlich gewonnen?

Der Welterbe-Titel, das möchte ich immer wieder betonen, ist auch eine große Verpflichtung. Für die Stadt und ihre Bürger. Wir müssen sorgfältig mit dem Erbe, das uns anvertraut wurde, umgehen. Seit 2006 ist eine Menge von Initiativen gestartet worden. Es ist ein beachtliches Netzwerk der Welterbestädte weltweit geknüpft worden. Regensburg ist darin intensiv vernetzt und hat innerhalb der OWHC (die Organization of World Heritage Cities, d. Red.) eine Sprecherrolle eingenommen. Ich denke, dass insbesondere nach innen der Welterbetitel zur Identitätssteigerung, ja, man darf sagen zum Stolz der Regensburgerinnen und Regensburger enorm beigetragen hat. Und das ist wunderbar.

Wo drückt sich der Stolz auf den Titel am deutlichsten aus?

Natürlich sind es die Veranstaltungen, an denen man sehen kann, mit welchem Stolz die Regensburger ihre Gäste durch die Stadt führen. Man spürt das, wie gerne die Regensburgerinnen und Regensburger in die Stadt gehen, wenn sie nicht selbst im Welterbe leben. Man merkt, wie dieser Stolz der Regensburger über die Stadtgrenzen hinaus auf ganz Bayern ausstrahlt. Manchmal kann das schon grenzwertig werden, wenn die Attraktivität der Stadt droht, allzu groß zu sein.

Welche Rolle spielt die Steinerne Brücke in diesem Welterbe?

Sie spielt eine ganz herausragende, verbindende Rolle. Sie verbindet das Welterbe Altstadt mit dem Welterbe Stadtamhof. Sie verbindet – wie die Jahrhunderte hindurch – die ehemals freie Reichsstadt mit dem ehemals bayerischen Stadtamhof. Sie spielt aber auch eine herausragende Rolle als eines der bedeutendsten Baudenkmäler in der Stadt. Wenn ich diese aufzählen soll, dann sind die wichtigsten Gebäude Porta Praetoria, Dom und Steinerne Brücke, das Alte Rathaus als eines der am besten erhaltenen gotischen Rathäuser Deutschlands nicht zu vergessen.

Aber da ist die Steinerne Brücke die Grande Dame mit ihrer Geschichte, mit ihrem Schicksal, eben auch dadurch, dass sie die Zeiten des Krieges und die Zeiten des Friedens symbolisiert. Wenn man da in die Welt hinausgeht und sagt, man sei aus Regensburg, dann kennen viele Menschen in der ganzen Welt die Regensburger Domspatzen, das darf man nicht unterschätzen. Aber auch Dom und Steinerne Brücke sind ein solches prägendes Bild.

„Regensburg ist Bayerns älteste Hauptstadt“

Jetzt bekommen wir ein neues Museum, in dem die bayerische Geschichte dargestellt wird. Nun ist das Interessante, dass Regensburg ja lange Zeit nicht bayerisch werden wollte. Ist das nicht ein Widerspruch?

Ganz im Gegenteil! Regensburg ist nämlich die älteste Hauptstadt Bayerns. Und zwar nicht nur ein paar Jahre, sondern viele Jahrhunderte. Zu dieser Epoche des 5. und 6. Jahrhunderts werden wir bald neue Erkenntnisse vorstellen können, wenn die Ergebnisse der Grabungen auf dem Dörnberg-Areal zur Verfügung stehen. Das Ende der Römerzeit und der Beginn des Bayerischen war eben nicht abrupt, sondern fließend.

Sie waren maßgeblich daran beteiligt, dass Regensburg den Zuschlag für das Museum bekommen hat, richtig?

Das war ja nahezu eine Forderung Regensburgs! Wir haben ja das Bayerische in unserem Konzept betont und haben die Zusammenarbeit angeboten. Wir waren uns schnell einig, dass im benachbarten Historischen Museum vom Original der Gründungsurkunde des Castra Regina bis zum großen Abgang der politischen Weltbühne durch das Ende der Reichstagszeit jetzt die bayerische Geschichte lückenlos im neuen Museum bis heute dargestellt wird. Das ist einzigartig und wäre so in keiner anderen Stadt möglich gewesen. Mit dieser Wechselwirkung erreichen wir einen tollen Spannungsbogen. Das wird mit dem Document Römische Lagermauer, dem Document Niedermünster, dem Document Neupfarrplatz und dem Document Reichstag noch verstärkt. Die Besucher werden sich überwältigen lassen bis hin zur Inszenierung der bayerischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

Was bringt das Regensburg? Werden wir noch interessanter für Touristen?

Dieses Museum wird natürlich einen noch größeren positiven Druck auf Regensburg erzeugen. Wir müssen diese Herausforderung bewältigen, indem wir schnell Parkplätze in fußläufiger Nähe schaffen. Aber wenn es nicht um Besucherzahlenrekorde und die Massen geht, sondern wenn es darum geht, den Regensburgern, den Bayern, aber auch international den Österreichern und den Tschechen unsere Geschichte näher zu bringen, dann ist das doch wundervoll und eine große Chance für unsere Stadt.

„Die Piazza an der Donau ist überwältigend“

Wie wird sich das Stadtbild verändern?

Auf was ich mich besonders freue ist, dass es uns gelungen ist, die Donau noch mehr in den Mittelpunkt unserer Stadt zu rücken und den großen Strom Europas, der die Donau ist, mit der neuen Uferpromenade am Museum besonders herauszuheben. Was die beteiligten Stellen in der Stadt Regensburg geschafft haben, um eine völlig neue Visitenkarte für die Stadt zu schaffen, das ist beeindruckend. Wenn die Freitreppe fertig ist, dann ist das ein überwältigender Anblick, der gar nicht schöner sein könnte. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass hier einmal eine Mauer stand, die Regensburg abgeschottet hat vom Fluss. Später stand hier ein gewaltiges Stadtlagerhaus, das mindestens so gewaltig gewesen ist wie der jetzige Museumsbau. Und wenn man dann sieht, wie diese Piazza da am entstehen ist – das wird klasse.

Die Architektur des Museums ist noch umstritten. Wie finden Sie das Gebäude?

Ich möchte wissen, was der Regensburger zur Dombaustelle gesagt hat. Natürlich kann man über die Architektur streiten, aber ich appelliere, es sich anzusehen, wenn das Gebäude und die Piazza fertig sind.

Auf was freuen Sie sich am meisten am 9. und 10. Juni?

Natürlich ist für uns der spannende Augenblick, das erste Mal in das Museum hinein schauen zu können. Es wird einen großen Andrang geben. Ein spannender Augenblick wird sein, wenn das Band durchschnitten wird. Ich freue mich aber auch sehr auf die Illumination bei Einbruch der Dunkelheit am Samstag und Sonntag. Das wird toll!