20.04.2018, 10:14 Uhr

Bis 15. Juli Das Kunstmuseum Bern zeigt in der Ausstellung „Der NS-Kunstraub und die Folgen“ Bilder aus dem Gurlitt-Nachlass

Max Liebermann, „Figuren am Strand“, o. J. Pastellkreide auf Velinpapier, 12,4 x 20 Zentimeter, Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 Provenienz in Abklärung /aktuell kein Raubkunstverdacht. (Foto: Mick Vincenz/Kunstmuseum Bern und Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH) (Foto: Mick Vincenz)Max Liebermann, „Figuren am Strand“, o. J. Pastellkreide auf Velinpapier, 12,4 x 20 Zentimeter, Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 Provenienz in Abklärung /aktuell kein Raubkunstverdacht. (Foto: Mick Vincenz/Kunstmuseum Bern und Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH) (Foto: Mick Vincenz)

Teil 2 der Bestandsaufnahme Gurlitt – „Der NS-Kunstraub und die Folgen“ – macht anhand von hochkarätigen Werken von Lucas Cranach d. J., Claude Monet, Auguste Rodin, Max Beckmann und vielen weiteren Hildebrand Gurlitts Rolle als Kunsthändler im Kontext nationalsozialistischer Verfolgungspolitik anschaulich. Die Ausstellung ist vom 19. April bis zum 15. Juli im Kuntsmuseum Bern zu sehen. Ab dem 14. September ist die Ausstellung dann im Gropius-Bau in Berlin zu sehen, sie endet dort am 7. Januar 2019.

BERN/SCHWEIZ Alle Werke, auf denen Raubkunstverdacht lastet, zeigt das Kunstmuseum Bern lediglich als Leihgaben. Unter den Exponaten finden sich auch bereits restituierte Werke, die großzügigerweise von den Erben der rechtmäßigen Eigentümer für die Ausstellung als Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden.

Insgesamt präsentiert die Ausstellung rund 130 Werke aus dem Nachlass des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt (1895 bis 1956) von denen die meisten eine lückenhafte Provenienz aufweisen, sodass ein NS-verfolgungsbedingter Entzug weder belegt noch mit Sicherheit ausgeschlossen werden konnte. Auch wenn es in den meisten Fällen bis heute keine konkreten Hinweise auf Raubkunst gibt. Diese Bestände umfassen Gemälde, Skulpturen und Grafiken, darunter herausragende Einzelwerke der altdeutschen und der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, des Realismus, des Impressionismus und des deutschen Expressionismus. Vertreten sind Künstler wie Bartholomäus Spranger, Pieter Brueghel, Gustave Courbet, Paul Signac und Otto Dix.

In drei Kapiteln vollzieht die Ausstellung am Beispiel Gurlitts die Entwicklung des Kunsthandels in der nationalsozialistischen Diktatur nach, zeigt die Konjunkturen und Geschmacksmuster des Handels und kontextualisiert anhand der Geschichten der Vorbesitzer einzelner Werke oder Werkgruppen die Erwerbungsumstände und systematischen Entzugsmaßnahmen des NS-Regimes. So verdeutlichen Gurlitts Handelsbeziehungen, die auch in die Schweiz reichten, exemplarisch die internationale Dimension des Handels mit Raubkunst. Einen besonderen Raum nehmen die Werke ein, die erwiesenermaßen Raubkunst sind oder unter Raubkunstverdacht stehen.

Der Kunstfund Gurlitt umfasst insgesamt 1.557 Werke. Bei sechs Werken handelt es sich um Raubkunst, vier Werke konnten bereits restituiert werden und derzeit bestehen 61 Verdachtsfälle (Stand 18. April 2018). In der „Werkstatt Provenienzforschung“ werden drei Fallstudien aufgezeigt, um die Methoden und Fragestellungen der Provenienzforschung zu vermitteln. Des Weiteren werden in der Ausstellung der SRF-Dokumentarfilm „Gurlitts Schatten“ und die Dokumentation „Les Marchands d’Hitler“ im Wechsel gezeigt. Eine Ausstellung der Bundeskunsthalle in Bonn erweitert vom Kunstmuseum Bern.


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