12.12.2017, 21:30 Uhr

Jahresprogramm 2018 Das Kunstforum widmet sich dem Licht als Medium und Thema

Walther Hammer: Autofahrt, um 1920, Linolschnitt, Handdruck, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Schenkung Heinrich Mock. (Foto: KOG Regensburg)Walther Hammer: Autofahrt, um 1920, Linolschnitt, Handdruck, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Schenkung Heinrich Mock. (Foto: KOG Regensburg)

Das neue Ausstellungsjahr 2018 beginnt im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg im Zeichen des Lichts. Die faszinierenden Videoskulpturen des tschechischen Medienkünstlers Jakub Nepraš, die seit Ende November die Museumsräume mit ihrem bunten Licht- und Schattenspiel füllen, werden über die geplante Laufzeit hinaus bis zum 25. März 2018 zu sehen sein.

REGENSBURG Das Licht als ein wesentliches Motiv und stilistisches Mittel der Kunst steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Vom Feuermüller bis zur Leuchtstoffröhre“, die am 21. Januar 2018 eröffnet. Die Präsentation vereint 100 zum Teil bisher nicht gezeigte „Glanzlichter der Grafischen Sammlung“, darunter Zeichnungen und Drucke von Daniel Chodowiecki, Ida Kerkovius, Adolf Hölzel oder Katharina Sieverding. Mit dem Lovis-Corinth-Preis 2018 bringt das KOG den renommierten Konzeptkünstler Roman Ondak nach Regensburg. Seine Objekte sind tiefgründig und zugänglich zugleich. Den thematischen Schwerpunkt der Präsentation bilden zwei Hauptwerke der letzten Jahre. Die Preisverleihung findet anlässlich der Vernissage am 18. Mai 2018 statt. Eine Wiederentdeckung verheißt die letzte Ausstellung des Jahres. Scharf und voller Wucht sind die Zeichnungen von Paul Holz, dessen Schaffen durch dieMachtübernahme der Nationalsozialisten jäh beendet wurde und in Vergessenheit geriet. Unter dem Titel „Dichtende Zeichnungen. Die virtuose Kunst des Paul Holz“ ist die Ausstellung ab dem 5. Oktober 2018 zu sehen.

„Es freut uns, unseren Besucherinnen und Besuchern auch 2018 ein vielfältiges und anspruchsvolles Programm bieten zu können“, kommentiert Direktorin Dr. Agnes Tieze. „Parallel zu der seit Herbst 2017 neu zusammengestellten Schausammlung ,Woher kommen wir, wohin gehen wir?‘ holen wir verborgene Schätze aus der umfassenden Grafischen Sammlung des Hauses ans Licht und behalten zugleich das aktuelle Kunstgeschehen im Auge.“

Vom Feuermüller bis zur Leuchtstoffröhre

Glanzlichter der Grafischen Sammlung

Laufzeit: 21. Januar bis 22. April 2018

Eröffnung: Sonntag, 21. Januar

Licht ist nicht nur wesentliches Medium, sondern auch beliebtes Thema der Kunst. Angeregt von der Sonderausstellung mit den leuchtenden Videoskulpturen von Jakub Nepraš eröffnet die Präsentation von knapp 100 Papierarbeiten einen reizvollen Einblick in die reichen und überaus qualitätvollen Bestände der Grafischen Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie. Das Verständnis davon, was Licht eigentlich sei, wandelte sich in der Menschheitsgeschichte immer wieder. Während das physikalische Phänomen unveränderlich bleibt, zeigen gerade die Künstler, dass die Geschichte des Lichts eigentlich die Geschichte der menschlichen Wahrnehmung und des Umgangs damit ist. Licht – im physikalischen wie im metaphorischen Sinn – bildet den Leitfaden der Präsentation, die den Betrachter quer durch die Kunst- und Weltgeschichte führt. In drei Abschnitten sind Zeichnungen, Drucke, Fotografien und Künstlerbücher mehrerer Jahrhunderte und Stilrichtungen zu sehen, die Licht als Ausdruck von Erleuchtung, als Katalysator für Farbe oder als Grundvoraussetzung von Form vorstellen. Die knapp 100 Werke von 75 Künstlern, 11 davon Frauen, datieren vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Roman Ondak. Lovis-Corinth-Preis 2018

Laufzeit: 19. Mai bis 9. September 2018

Eröffnung: Freitag, 18. Mai 2018

Als Mittelpunkt der eigens für das Kunstforum Ostdeutsche Galerie konzipierten Ausstellung hat Roman Ondak zwei Hauptwerke der letzten Jahre vorgesehen. Flankiert werden diese von kleineren, bislang nicht gezeigten Arbeiten, die in den kommenden Monaten entstehen. Den großen Ausstellungssaal wird Ondak mit seiner Arbeit Signature (2014) bespielen. Wie so oft nimmt Ondak ein Fundstück aus seiner unmittelbaren Umgebung zum Ausgangspunkt seiner Installation. Eine Schreibmaschine der Firma Remington hat er in fünfzig Teile zerlegt und auf ein anderes, ebenfalls gefundenes Objekt platziert. Mit der Begehung von Signature bietet der Künstler den Besuchern an, die Einzelstücke der Schreibmaschine in der eigenen Fantasie wieder zusammenzusetzen oder sie in Verbindung mit ihren Sockeln neu zu sehen, über den künstlerischen Akt zu reflektieren und auch den Künstler selbst und seine „Signatur“ im Werk zu entdecken. Als Pendant zu Signature begreift Roman Ondak das Werk Observations, dessen ersten Teil er 2012 auf der documenta 13 präsentierte. In Regensburg wird die Arbeit erstmals vollständig und ergänzt durch ihren zweiten Teil gezeigt. Observations geht auf ein Fotobuch zurück, das der Künstler 1995 entdeckte und seither für seine Zwecke zerlegt und neue kombiniert. Aufnahmen von Einer-, Zweier- oder Dreierkonstellationen arrangiert er in Gruppen nach Kriterien der Körperhaltungen und Gesten der Dargestellten und fügt ihnen Bildunterschriften bei, die der Wahrnehmung eine bestimmte, oft witzig-überraschende Richtung geben.

Roman Ondak, 1966 in Žilina in der Slowakei geboren, absolvierte sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Bratislava. Sein Projekt Loop präsentierte er 2009 im tschechischen und slowakischen Pavillon bei der 53. Biennale in Venedig. 2012 wurde Ondak von Deutsche Guggenheim Berlin als Künstler des Jahres ausgezeichnet. In den letzten Jahren waren seine Werke in Gruppen- sowie Einzelausstellungen zu sehen, unter anderem im Times Museum, Guangzhou (2015), Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid (2013), Deutsche Guggenheim, Berlin (2012), Modern Art, Oxford(2011), Pinakothek der Moderne, München (2007) oder in der Tate Modern, London (2006). Zuletzt zeigte 2017 das Kunsten Museum of Modern Art im dänischen Aalborg die von ihm konzipierte Ausstellung „History Repeats Itself“.

Dichtende Zeichnungen

Die virtuose Kunst des Paul Holz

Laufzeit: 5. Oktober 2018 bis 13. Januar 2019

Eröffnung: Donnerstag, 4. Oktober 2018

Der Name Paul Holz (Riesenbrück / Vorpommern 1883–1938 Schleswig) wird von Kennern gern in einem Atemzug mit Paul Klee, Wassily Kandinsky, Alexej Jawlensky oder auch Alfred Kubin genannt. Seine virtuosen und furiosen Federzeichnungen stehen in dieser Ausstellung im Mittelpunkt. Beleuchtet werden seine künstlerischen und literarischen Inspirationsquellen sowie seine Kontakte an der Kunstakademie Breslau – etwa zu Oskar Moll und Otto Mueller. Obwohl Holz aus einfachsten ländlichen Verhältnissen kam, zunächst sein Auskommen als Volksschullehrer hatte und als Künstler Autodidakt war, machte er sich schon bald einen Namen bei den Künstlergrößen aus seinem schlesischen Umfeld. Oskar Moll berief ihn als Zeichenlehrer an die Kunstakademie Breslau, doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verlor Holz diese Anstellung aufgrund seiner unbeirrt freien und unangepassten Kunst. Er war ein Meister der Federzeichnung, schuf bevorzugt Bauern- und Zirkusszenen und ließ sich durch Romane von Fjodor Dostojewski und Knut Hamsun zu hunderten an Zeichnungen inspirieren. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg verwahrt mehr als 50 Zeichnungen aus dem Nachlass des Künstlers. Anlässlich von Holz‘ 80. Todestag würdigt das KOG 2018 Paul Holz und seine konsequent eigenwillige Position innerhalb der Kunst der Moderne.

Veranstaltungsprogramm und Kunstvermittlung

Auch 2018 wird das KOG mit einem breitgefächerten Veranstaltungsangebot aufwarten. Neben den bewährten Führungsreihen für unterschiedliche Zielgruppen wie KOG-tail, Führung am Nachmittag und Führung für Eltern mit Baby liegt der Fokus besonders auf Angeboten für Kinder und Familien. Verschiedene Workshops, Familiennachmittage, die Kinderführungen mit den Juniorgästeführerinnen Anna, Lina und Charlotte und insbesondere die vielbesuchten Kindereröffnungen bieten viele Gelegenheiten, auf spielerische Art Kunst zu entdecken und selbst kreativ zu werden. Museumsmaskottchen „Koggi“ ist ein beliebter Begleiter durch die Welt der Kunst. Mit einem Museumsführer für Kinder, der im Frühjahr vorgestellt wird, können sich Kinder auch selbständig bzw. mit ihren Eltern auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise in der neuen Schausammlung des Museums begeben. Das neue Konzept der Dauerausstellung unter dem Motto „Woher kommen wir, wohin gehen wir?“ bietet Möglichkeiten, sich anhand der Kunstwerke auch mit kulturhistorischen Themen zu befassen. Zu den neuen Schulprogrammen, die sich der Kunst an sich widmen, werden ab dem Frühjahr weitere hinzukommen, die sich mit Fragen rund um Identität oder Heimat beschäftigen und Einblicke in die Geschichte des 20. Jahrhunderts geben.

Dank der Kooperation mit „KreBeKi“, der Stiftung für kranke und behinderte Kinder in Bayern, wird das KOG auch im kommenden Jahr Inklusive Workshops für Kinder mit und ohne Handicap anbieten können. Zu jeder der Sonderausstellungen des Ausstellungsjahres wird es ein „KunstFrühstück“ geben. Dem reichhaltigen Frühstücksbuffet folgt eine Kurzführung durch die aktuelle Schau. Ein Kinderprogramm mit kreativen Aktivitäten sorgt dafür, dass auch die Jüngsten ihren Spaß haben. Als besondere Veranstaltungs-Highlights werden natürlich die Rewag-Nacht in Blau und die Rewag-Klassik nicht fehlen. Der Freitag, 3. August, und Samstag, 4. August, sind bereits für die beiden Veranstaltungen reserviert. An beiden Tagen verwandelt sich der Stadtpark rund um das Kunstforum in eine große Bühne: Musiker, Tänzer, Schauspieler und andere Künstler zeigen im Kunstforum und im Park ihr Können. Führungen durch die aktuelle Ausstellung im KOG und die kreativen Stationen im Kunstzelt runden das Programm ab.


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