17.08.2018, 15:13 Uhr

Baudenkmal Der Vierseithof in Denharten ist heute ein Vorzeigeprojekt


Als Winfried Warner und seine damalige Frau, inspiriert von einem Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern, die Suchbegriffe „Backstein“ und „Niederbayern“ im Internet eingegeben hatten, kam als erstes Ergebnis das Anwesen in der Gemeinde Tann – „denkmalgeschützter Vierseithof mit Schlagseite“ stand als Überschrift darüber. Heute hat das Gebäude nicht nur keine Schlagseite mehr, sondern ist eines der weit und breit schönsten sanierten Baudenkmäler.

TANN „Ich kenne kein vergleichbares Objekt in der Gegend“, war Bezirksrat Dr. Thomas Pröckl begeistert, als er zusammen mit Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich den 1851 erbauten Hof besichtigte. 2015 erhielt Winfried Warner für die gelungene Sanierung den Denkmalpreis des Bezirks Niederbayern, „doch seither hat sich nochmal jede Menge getan“, wie Olaf Heinrich vor Ort auffiel. So entstand mittlerweile in einem Nebentrakt des Blankziegel-Gebäudes ein Veranstaltungsraum mit 100 Sitzplätzen, den Warner einmal im Monat für öffentliche Konzerte zur Verfügung stellt. „Ich mag es, wenn Leute herkommen“, sagt der Hausbesitzer und erntet dafür großes Lob von den beiden Bezirkspolitikern.

Dr. Pröckl findet es „großartig, dass dieses herausragende Objekt“ auch für öffentliche Konzerte zur Verfügung gestellt wird. „Es ist sehr wichtig, die Menschen für das Thema Denkmalschutz zu sensibilisieren und ihnen zu zeigen, dass man in einem sanierten, alten Gebäude gemütlich und modern wohnen kann“, so Heinrich, dem der Erhalt von identitätsstiftenden Baudenkmälern am Herzen liegt. Die öffentlichen Gelder, die für den denkmalpflegerischen Mehraufwand im Zuge der Sanierung ausgezahlt werden, seien deshalb gut angelegt, „um das Gesicht unserer Heimat zu bewahren.“

Auch Thomas Pröckl kennt die „Überraschungen“, die bei einer Sanierung auf den Bauherren warten, und findet es dementsprechend mutig und anerkennenswert, wenn sich ein Privatmann solch einer Herausforderung stellt. Winfried Warner hat rund zehn Jahre Arbeit in das Gebäude gesteckt und dafür auch die Bayerische Denkmalmedaille und einen Preis der Hypokulturstiftung bekommen. Seit vier Jahren wohnt er nun hier und genießt sowohl die abgeschiedene Atmosphäre seiner Festung im Innenhof als auch den Blick durch die hintere Hofeinfahrt über Felder und Wiesen. Auch das Raumklima empfindet er als sehr angenehm, da ständig Luftaustausch besteht.

Wie viel sich auf dem ehemaligen Landwirtschaftsbetrieb getan hat, wusste Bürgermeister Fürstberger aus erster Hand zu berichten, denn er kannte noch den Altzustand. Um den Menschen zu zeigen, wie sich das Gebäude verändert hat, öffnet Winfried Warner jedes Jahr zum Tag des Offenen Denkmals (heuer am 9. September) sein Haus der Öffentlichkeit, außerdem ist er seither auch stets zu Gast bei der Denkmalpreisverleihung des Bezirks. „Ich möchte ja auch sehen, wie es die anderen machen“, erklärt der Architekt, der ursprünglich aus Oberau bei Garmisch-Partenkirchen stammt.

„Es ist schön zu sehen, wie sich alles drei Jahre nach der Preisverleihung hier entwickelt hat“, bedankten sich Olaf Heinrich und Thomas Pröckl zum Schluss bei Warner. Dem geht die Arbeit wohl nicht so schnell aus, denn an so einem Gebäude gebe es immer was zu tun. In der Tat habe er für ein Problem noch keine Lösung gefunden: „Nachdem das Haus nur einen kleinen Kellerraum hat, der zudem zu warm ist, weiß ich noch nicht, wo ich am besten den Wein lagern soll“, so der Hausbesitzer augenzwinkernd. Vielleicht ist das auch gut so, damit die baulich aus dem Weg geräumte Schlagseite auch in anderer Hinsicht nicht wiederkommt.


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