17.03.2018, 09:00 Uhr

Familiengeschichte ausgegraben „Einer meiner Vorfahren landete 1529 auf dem Scheiterhaufen“

Werner Clarenbach mit dem Familienwappen und einem Bericht über seinen Vorfahren, der 1529 als „Ketzer“ auf dem Scheiterhaufen landete. (Foto: Holger Becker)Werner Clarenbach mit dem Familienwappen und einem Bericht über seinen Vorfahren, der 1529 als „Ketzer“ auf dem Scheiterhaufen landete. (Foto: Holger Becker)

Mit fast 86 Jahren kann Werner Clarenbach auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Als im Oktober 2012 seine geliebte Frau starb, machte er sich daran, die Geschichte seiner Familie auszugraben. Nach vielen Rückschlägen brachte er eine Ahnentafel ans Licht, die bis ins Jahr 1435 zurückreicht und sogar einen Märtyrer aufweist, der im 15. Jahrhundert auf dem Scheiterhaufen landete.

BROMBACH Geboren 1932 in Bochum führte Werner Clarenbachs beruflicher Weg nach dem Krieg in den Bergbau, wo er als Maschinenbauer zwölf Jahre lang in der Werkstatt tätig war. Die letzten 25 Jahre arbeitete er bei einer Vergaserfirma in Neuss. Als er 1993 in Rente ging, begann er, in der Geschichte seiner Familie zu kramen.

1996 zog er mit seiner Frau nach Brombach, hier in Niederbayern wollte er mit ihr den Lebensabend verbringen. Das Ehepaar fand schnell Anschluss. Werner Clarenbach war schon bei seinem letzten Arbeitgeber als Leiter bei der Betriebsfeuerwehr tätig und engagierte sich als passives Mitglied nun bei der Feuerwehr in Brombach.

Zudem bastelte er hobbymäßig seit 1965 Tierfiguren, Blumenmotive, Krippen oder Wappen aus Ton, Keramin oder Porzellin, die er später auch auf Märkten in der niederbayerischen Heimat zusammen mit seiner Frau verkaufte. „Wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, bastel ich noch heute Figuren in der Garage“, schmunzelt der Rentner. Nur den Verkauf hat er eingestellt.

Denn 2012 verstarb seine Ehefrau, ein schwerer Schlag für Werner Clarenbach, der erst im Jahr 2003 ein Haus in Brombach gebaut hatte. Nun lebt er allein dort. „Wir waren 52 Jahre lang unzertrennlich, keiner konnte ohne den anderen“, trauert er noch heute um sie. Um sich etwas abzulenken, nahm er die Ahnenforschung wieder verstärkt in Angriff.

Doch so leicht war das gar nicht: „Ich bin oft verzweifelt. Häufig bekam ich zu hören, dass die Nachweise verschollen oder im Krieg verbrannt waren. Ich habe viele Telefonate geführt, die mehr oder minder erfolglos blieben“, blickt Clarenbach zurück.

Doch schließlich tat sich eine sprudelnde Quelle auf. „Ich weiß heute gar nicht, welche Quelle es war, aber ich wurde fündig und konnte meine Familiengeschichte bis ins Jahr 1432 nachvollziehen“, freut sich Werner Clarenbach.

Der Brombacher fand heraus, dass die Familie Clarenbach den gleichnamigen Bach bei Solingen nachweislich seit 1475 gewerblich als „Hammerherren“ nutzten und bis 1800 eine bedeutende Rolle in der Solinger Eisenindustrie spielte. „Zwischendurchwurde unser Familienname auch mal mit K statt C geschrieben wurde“, erzählt der gelernte Maschinebaumeister.

Im Jahr 1478 ist auf einem Siegel erstmals nachgewiesen, dass die Familie Clarenbach ein eigenes Wappen führen durfte. Es zeigt auf rotem Grund einen goldenen Kelch, der für den evangelischen Glauben der Familie stehen soll, darunter in Silber die Darstellung eines Baches und außen rot-silberne Flügel. Das Siegel mit dem Clarenbach-Wappen taucht später sogar in den USA und Kanada auf. Und natürlich in Brombach, wo man es an Werner Clarenbachs Haus im Eingangsbereich entdecken kann.

Ein Vorfahre von Werner Clarenbach war der Reformator Adolph Clarenbach, der 1529 in Köln auf dem Scheiterhaufen landete, weil er der Ketzerei bezichtigt wurde. Später dagegen wurde er als Märtyrer verehrt. Sein Bruder dagegen führte die erfolgreiche Hammerherren-Tradition der Clarenbachs fort. Es soll auch eine Verbindung zu einem Adelsgeschlecht der von Clarenbeck aus Kleve gegeben haben, deren Familiengeschichte bis 1295 nachgewiesen ist. Doch einen eindeutigen Beweis dafür fand Werner Clarenbach nicht.

Im Jahr 1435 stellte er die Nachforschungen in seiner Familiengeschichte ein, weil sich keine weiteren Nachweise mehr ergaben. Ein weiterer Grund: „Ich habe die Familiengeschichte meiner Enkelin im Mai 2016 zur Hochzeit geschenkt. 38 Seiten umfasst die Ahnentafel mit Dokumenten und Landschaftsplänen. Damit ist das Ganze für mich auch abgeschlossen“, verrät der Rentner.


0 Kommentare