07.02.2018, 15:32 Uhr

Albee-Stück Eine irre Achterbahnfahrt auf der Bühne

Da sind die beiden Paare noch bester Laune (v. li.): Markus Krenek, Carolin Waltsgott, Elisabeth Nelhiebel und Rüdiger Bach. (Foto: Sebastian Hoffmann)Da sind die beiden Paare noch bester Laune (v. li.): Markus Krenek, Carolin Waltsgott, Elisabeth Nelhiebel und Rüdiger Bach. (Foto: Sebastian Hoffmann)

US-Klassiker „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ feierte Premiere am Theater an der Rott

EGGENFELDEN Mit Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ bringt das Theater an der Rott derzeit einen richtigen US-Klassiker auf die Bühne, der besonders durch die Verfilmung mit Elizabeth Taylor und Richard Burton Weltruhm erhielt. Die Inszenierung von Reinhard Göber ist ganz anders als der Film aus den 60-er Jahren, den Albee übrigens nie mochte. Göber schickt seine Darsteller und das Publikum auf eine irre Achterbahnfahrt, die das Ensemble aber mit Bravour meistert.

In dem Stück empfangen Martha (Elisabeth Nelhiebel) und ihr Mann George (Rüdiger Bach) das Paar Nick (Markus Krenek) und „Süße“ (Carolin Waltsgott). In einer durchzechten Nacht fallen die Hemmungen, intime Geheimnisse werden ausgeplaudert und die Protagonisten giften sich ständig an. Am Ende ist es so wie bei den meisten durchzechten Nächten: Man wacht mit einem Kater auf – und das Leben geht (anders als im Albee-Original) letztlich weiter wie zuvor...

Regisseur Göber baut eine Inszenierung voller Gegensätze auf: Leiser Gesang, fast ein Wispern, wechselt sich mit lautem Intonieren Falcos Pop-Lied „Amadeus“, scheinbar intellektuelle Gespräche zum Beispiel über die Bilder im Haus mit dem Modewort „geil“ ab, Höflichkeiten mit Obszönitäten, wenn Nick zum Beispiel in einen Busch uriniert, Leidenschaft beim Sex (oben ohne) auf der Couch mit Gleichgültigkeit, wenn George im Angesicht des Liebesspiel ein Buch liest oder Szenen zum Schmunzeln mit nachdenklichen, wenn zum Beispiel „Süße“ von ihrer Massenvergewaltigung im Bosnien-Krieg erzählt: eben eine irre Achterbahnfahrt. Und das macht die Inszenierung auch so sehenswert, denn die rund zwei Stunden vergehen wie im Flug, weil es nie eintönig wird. Dafür sorgen auch die hervorragenden Leistungen der vier Darsteller.

Ein Wort noch zum Bühnenbild: im Vordergrund ein modern eingerichtetes Wohnzimmer mit hohen Wandschränken aus hellem Holz an den Seiten, zwei Sofas und einem beigen Teppichboden, dahinter der Blick in den Garten mit einigen Büschen und im Hintergrund der mit Videoleinwand dargestellte Nachthimmel, der seine Farbe wechselt, ein Baum, aus dem gegen Morgen sogar Vögel steigen. Ein traumhaftes Motiv.

Fazit: Die Inszenierung des Albee-Klassikers ist absolut sehenswert, der US-Autor selbst hätte auch mit dieser modern gehaltenen Version sicher seine Freude. Denn die Gesellschaftskritik, die ihm mit seinem Schauspiel am Herzen lag, ist zeitlos.

Weitere Aufführungstermine sind: 11. Februar um 18.30 Uhr, 10., 16. und 17. Februar jeweils um 19.30 Uhr und 18. Februar um 17 Uhr. Karten gibt es beim Wochenblatt unter Telefon 08561/2346-0 oder unter www.theater-an-der-rott.de.


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