24.01.2020, 15:05 Uhr

Planung steht Passau bekommt eine neue „Dombauhütte“!

Eine Fotomontage mit dem Gebäudemodell vermittelt einen Eindruck der Lage und der Größe des geplanten neuen Werkstattgebäudes der Dombauhütte am Residenzplatz (Foto:  Marcel Peda, Passau)Eine Fotomontage mit dem Gebäudemodell vermittelt einen Eindruck der Lage und der Größe des geplanten neuen Werkstattgebäudes der Dombauhütte am Residenzplatz (Foto: Marcel Peda, Passau)

Baubeginn schon im Frühjahr, wenn die Stadt zustimmt

PASSAU. Die Planung für das neue Werkstattgebäude der Dombauhütte am Residenzplatz in Passau geht in die Genehmigungsphase. Das Bayerische Landesamt für Denkmal- pflege hat dem Bauvorhaben zu Jahresbeginn zugestimmt und denkmalfachlich gewürdigt, dass mit dem Gebäudeentwurf „auf die Tradition von Dombauhütten anschaulich Bezug genommen wird: Dimensionierung, Geschossigkeit und Gestaltung sind stark zurückgenommen, die vereinfachte Optik und die im städtischen Zusammenhang eher ungewöhnliche Oberflächenmaterialität in Holz verweisen deutlich auf den Charakter eines ‚Provisoriums‘. Die reduzierte Anlage schafft dabei einen anregenden, aber taktvollen Kontrast zum Denkmalbestand der Umgebung.“

Für Leitenden Baudirektor Norbert Sterl vom Staatlichen Bauamt Passau, verantwortlich für die Erneuerung des Werkstattgebäudes im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr, ist die denkmalfachliche Stellungnahme eine Bestätigung, dass die Planung für den Ersatzbau der Bauhütte auch in der äußeren Gestaltung auf einem guten Weg ist.

An dem bestehenden alten Werkstattgebäude der Staatlichen Dombauhütte besteht erheblicher Sanierungsbedarf. Das Gebäude wurde im Jahr 1930 ursprünglich im Domhof als Anbau an den St. Stephansdom errichtet, 1955 an den Residenzplatz versetzt und - von kleineren baulichen Anbauten abgesehen- seither nicht wesentlich verändert. Das Werkstattgebäude erfüllt heute nicht mehr die betrieblichen Anforderungen an eine Steinmetzwerkstatt. Zwischenzeitlich sind auch statische Mängel hinzugekommen, die provisorische Abstützungsmaßnahmen in der Werkstatt erforderlich machten, damit das Gebäude weiterhin genutzt werden konnte. Daher hat das Bayerische Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr die Instandsetzung des Werkstattgebäudes bewilligt und hierfür rund 900.000 Euro bereitgestellt.

Das Staatliche Bauamt Passau erstellte eine Vorentwurfsplanung zur Erneuerung des Werkstattgebäudes, die das Büro Arc Architekten aus Bad Birnbach im Rahmen der Entwurfsplanung optimierte und zur Ausführungsreife führte. Geplant ist ein Ersatzbau wieder aus Holz, an gleichem Standort mit Werkstatt- und Lagerräumen auf rund 140 m2 Nutzfläche, aber mit moderner Werkstattausstattung wie Krananlage, Lüftungs- und Absauganlage.

Bei der äußeren Gestaltung des Werkstattgebäudes in prominenter Lage inmitten hochkarätiger Baudenkmäler am Passauer Residenzplatz legen die für Planung und Bau Verantwortlichen besonderen Wert auf einen schlichten, zurückhaltenden Gebäudeauftritt. Zum Beispiel haben die Architekten analog zur Topographie einen nach Osten geneigten Firstverlauf geplant, um den Ostgiebel niedrig zu halten und dadurch die Choransicht des Doms St. Stephan möglichst wenig zu verdecken, was auch vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege positiv gewürdigt wurde. Gleichzeitig soll die geplante, bewusst einfach gehaltene und fast skulpturale Bauform mit einem zur Funktion „Bauhütte“ passenden Gewand aus Holz künftig die Passauer Dombauhütte auch als Teil des bundesweiten „Immateriellen Kulturerbes Bauhüttenwesen“ nach außen zeigen.

Die geplante Gestaltung fand in dieser Form auch die Zustimmung der Diözese Passau als Nachbar und Hausherr des Doms St. Stephan, für den die Dombauhütte seit 1928 tätig ist. Aktuell ist die Entwurfsplanung im Rahmen des sogenannten ‚Zustimmungsverfahrens‘ nach Bayerischer Bauordnung dem Ausschuss für Bauen und Liegenschaften der Stadt Passau zur Stellungnahme vorgelegt. Wenn die Stadt Passau dem Bauvorhaben nicht widerspricht, kann die Ausführungsplanung weitergeführt und die Baumaßnahme voraus- sichtlich noch im Frühjahr 2020 begonnen werden.

Mit dem neuen Werkstattgebäude können dann wieder auf lange Zeit hinsichtlich Ausstattung und Arbeitssicherheit die notwendigen Arbeitsbedingungen für eine effiziente Instandsetzungsarbeit der Dombauhütte zum Erhalt der wertvollen gotischen Bauteile des Passauer Doms geschaffen werden. Nach Fertigstellung des Werkstattgebäudes soll dort die Neuanfertigung der Werkstücke für die Instandsetzung des letzten großen spätgotischen Bauabschnittes am Passauer Dom, der Nordseite des Domchores, beginnen, die allein etwa zehn Jahre in Anspruch nehmen wird. Die Chor-Nordseite zeigt noch den ursprünglichen mittelalterlichen Verband aus Kalkstein und Grünsandstein. Hier muss eine größere Anzahl von Steinen aus statischen Gründen zwingend ersetzt werden. Die stein- metzmäßige Steinbearbeitung, insbesondere bei der Neuanfertigung von zu ersetzenden Werkstücken, erfolgt dabei weitgehend mit traditionellen, teilweise jahrhundertealten Handwerkstechniken mit entsprechenden Werkzeugen.


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