23.03.2018, 14:01 Uhr

Geisterstunde im Stadttheater Spannend, gruslig, gespenstisch gut!

Der Schauspieler (Stefan Sieh, rechts) schlüpft in die Rolle von Arthur Kipps (Jochen Decker), erlebt somit die schrecklichen Ereignisse seiner Vergangenheit ... (Foto: Peter Litvai)Der Schauspieler (Stefan Sieh, rechts) schlüpft in die Rolle von Arthur Kipps (Jochen Decker), erlebt somit die schrecklichen Ereignisse seiner Vergangenheit ... (Foto: Peter Litvai)

Grusel-Schocker-Premiere „Die Frau in Schwarz“ am Stadttheater Passau

PASSAU Seit der Uraufführung 1987 sorgt Stephen Mallatratts Gespenstertheater „Die Frau in Schwarz“ im Londoner West End ununterbrochen achtmal in der Woche für Grusel-Entertainment. Nun ist die mysteriöse Gespenstergestalt auch im Stadttheater Passau angekommen und lehrte dem Premieren-Publikum am vergangenen Samstag das Fürchten.

Noch bevor das Stück beginnt, wird dem Zuschauer eines unmissverständlich vermittelt: Es wird noch sehr unbequem auf den Sitzen werden. Die Handys sollte man während der Vorstellung auf lautlos stellen, aber zur eigenen Sicherheit bloß nicht ausschalten: „Die Notausgänge sind beschildert!“ Und rein ins schaurig schöne Gruselvergnügen ...

Aber von Anfang an: Arthur Kipps, gespielt von Jochen Decker, will die schrecklichen Erlebnisse aus seiner Jugend endlich verarbeiten und heuert dafür einen Schauspieler (Stefan Sieh) an, der ihm Sprechunterricht geben soll. Dieser schlüpft in die Rolle des jungen Anwalts Kipps, der echte übernimmt alle anderen Rollen. Zusammen erleben sie die dunklen Ereignisse aus seiner Vergangenheit:

Arthur Kipps wird von seiner Kanzlei an einen verlassenen, unheimlichen Ort geschickt. Dort soll er Ordnung in die Dokumente einer kürzlich verstorbenen Klientin bringen. Allein der Weg dahin lässt bereits nichts Gutes erahnen. Er nimmt den letzten Zug zum abgelegenen Ort. Die Kutschenfahrt durch das neblige Marschland ist nicht weniger beunruhigend. Im einsamen Haus der Verstorbenen angekommen, beginnt schließlich der Horror für den jungen Anwalt.

Bei seiner Arbeit deckt er eine geheimnisvolle Familientragödie auf – der Ursprung allen Übels in diesem Haus. Seltsame Geräusche machen ihn allmählich wahnsinnig. Er hört wie Kinder lachen, weinen und singen. Und die Frau in Schwarz, das Gespenst, wird für Arthur Kipps mehr und mehr lebendig, obwohl er nicht an Geister glaubt.

Die erdrückende Last wird für Arthur Kipps dank dem Unterricht leichter, doch der Schrecken seiner Vergangenheit für den Schauspieler immer realer, bis er selbst zu tief ins Grauen eintaucht.

Intendant Stefan Tilch ist ein Grusel-Theater auf höchstem Niveau gelungen. Das Zwei-Mann-Theaterstück schafft vor allem durch die schauspielerische Leistung der beiden Darsteller Jochen Decker und Stefan Sieh eine geballte Spannung im Publikum. So werden die Zuschauer von der Gänsehaut-Story immer mehr mitgerissen. Nervenkitzel pur!

Den unterstreicht die gelungene Effektmalerei mit Toneinspielungen – etwa wenn Krähen schreien oder die Kirchenglocken läuten – und düsterer, schriller Musik: Der Komponist Peter WesenAuer hat für dieses Grusel- und Emotionenszenario einen packenden Soundtrack geschaffen, der tief in die Gefühlswelt der erschrockenen Protagonisten eintauchen lässt. Die Bühnen-Projektionen, Licht- und Nebeleffekte machen die düstere Atmosphäre perfekt – als wäre man selbst in dem kalten, feuchten, dichten Nebel-Labyrinth der verlassenen Gegend gefangen.

Die Besetzung der geheimnisvollen Frau in Schwarz wird im Programmheft zwar nicht aufgeführt, aber Zuschauer können sicher sein, auch sie machen eine Begegnung mit dem Übernatürlichen. Fans von spannenden Horror- und Gespenstergeschichten werden hier nicht enttäuscht. Das Fazit: Mehr davon!

Die nächsten Termine am Stadttheater Passau: 31. März (19.30 Uhr) und 2. April (19.30 Uhr). Weitere Informationen gibt’s unter www.landestheater-niederbayern.de.


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