23.02.2018, 14:56 Uhr

Kasperle vs. Playstation Vier Leben fürs Puppenspiel

Bei Kerstin, Alfred und ihren Söhnen Miguel und Marlon gehören Kasperle & Co. einfach zur Familie. (Foto: Maatz)Bei Kerstin, Alfred und ihren Söhnen Miguel und Marlon gehören Kasperle & Co. einfach zur Familie. (Foto: Maatz)

„Kasperles Puppentheater“ gastiert in Passau

PASSAU Der Kasperle ist ein echtes Familienmitglied bei der Familie Maatz. Immerhin reiste er schon mit Gründer Alfred Maatz‘ Opa – der hieß ebenfalls Alfred. So lange ist er schon mit ihm und seiner Familie – bestehend aus Ehefrau Kerstin (39) und den Söhnen Miguel (13) und Marlon (11) – unterwegs, dass der Puppen-Papa gar nicht mehr weiß, wie lange. Seit den 50er, 60er Jahren vielleicht. Seine Kinder sind mittlerweile die vierte Generation von Puppenspielern, wachsen da ganz einfach rein und spielen schon jetzt ihre eigenen Rollen – meistens Tiere ohne Sprechrollen. Handys und Spielkonsolen besitzen sie trotzdem.

Nostalgie in Zeiten Handy, Tablet, Computer, Playstation und Co. – für Alfred Maatz ist das kein Widerspruch. „Kindertheater sind auch heute noch Kult“, meint der passionierte Puppenspieler, der es eher traditionell hält und vor allem Grimms Märchen auf die Puppenbühne bringt. Sein Lieblingsmärchen: Rotkäppchen. „Ich spiele den Wolf, der ist zwar böse, ich spiele ihn aber auch lustig und so kommt er echt gut an.“

Mehrere tausende Kilometer jährlich ist die Familie vor allem auf ober- und niederbayerischen Straßen unterwegs. Passau, Pocking, Ingolstadt, das Allgäu bis hinauf nach Rosenheim – um nur einige wenige Stationen zu nennen, an denen „Kasperles Puppentheater“ gastiert. Ein schönes – wenn auch rastloses – Leben mit sehr, sehr vielen Freunden. Alfred Maatz und seine Familie lieben es definitiv. „Wir sind ständig woanders und haben überall Freunde, weil wir seit einem viertel Jahrhundert in die selben Städte kommen. Und wenn wir mal nicht da sind, dann halten wir telefonisch Kontakt. Auch Schule ist kein Problem für die Wander-Familie: „Miguel und Marlon besuchen jede Woche eine andere Schule. Und weil das für die schon immer so ist, haben sie auch überall schon Freunde, die sich auf sie freuen, wenn wir wieder im Ort sind. Und dank eines Beschulungsplans wissen wir auch immer, was wo gerade durchgenommen wird.“

„Die Kinder haben überall Freunde“

Ein schönes Leben, aber nicht ohne Sorgen. Denn die Zahl der Zuschauer schwindet etwas. Vor rund drei Jahren war die Familie am Tiefpunkt, dachte sogar ans Aufhören. Aber es gibt ja immer Höhen und Tiefen. Rund 70 Zuschauer passen in „Kasperles Puppentheater“-Zelt – voll ist es nie. Aber die jungen Zuschauer im Alter von zwei bis sieben Jahren sind begeistert vom Kasperl und seinen Freunden. „Die Begeisterung bei den Kindern geht alleine schon los, wenn der Märchenpalast mit seiner märchenhaften Fassade aufgebaut wird. Der Eintritt in den Märchenpalast gibt den Kindern das Gefühl in einer anderen, bunten Märchenwelt zu sein“, meint Alfred Maatz. Aber vor 15 Jahren kamen auch Dritt- und Viertklässler noch, um den Kasperle zu sehen – heute nicht mehr.

„Die Kunst eines Puppenspielers ist, dass ein Puppenspieler zur gleichen Zeit mehrere Charaktere spielen kann, vom lustigen Kasperle bis zum bösen Wolf, vom trotteligen Seppel bis zum bösen Räuber.“

Für Alfred Maatz und seine Frau ist es auch heute noch das Schönste, nach der Vorstellung vor die Bühne zu treten und in die strahlenden Kinderaugen zu sehen. Und es sind die selben Puppen wie zu Maatz‘ Großvaters Zeiten. Die originalen Hohensteiner Handpuppen stammen noch von den Großeltern. Die Restauration der Figuren und deren Kleidung legt Alfred Maatz alljährlich in die liebevollen und kreativen Hände seiner Frau Kerstin, die die Puppen immer wieder neu gestaltet.

Und das macht wohl auch 2018 wohl immer noch den Reiz des Puppentheaters aus: Alle Stücke sind „handgemacht“, werden live gespielt, ohne Tonband und die Kinder werden in die Märchenwelt mit einbezogen, spielen, „leiden“, lachen mit – etwas, was iPhone, Playstation und Co. in dieser Form nicht können.

„Kasperles Puppentheater“ gastiert von Samstag bis Montag, 24. bis 26. Februar (Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr, am Montag nur um 15 Uhr!) nach Passau in den Klostergarten. Programm: Rotkäppchen (Samstag), Kasperle im Zauberwald (Sonntag), Rumpelstilzchen (Montag).


0 Kommentare