31.01.2018, 13:39 Uhr

Bayerns Ideenschmiede Innovationen made in Passau


Prämierungsfeier am 28. Februar

PASSAU Der INN.KUBATOR PASSAU ist einer von drei Standorten des Gründerzentrums Digitalisierung Niederbayern. Im Businessplan-Wettbewerb „Ideen.Reich“ werden Gründungsinteressierten im Bereich digitaler und technologieorientierter Geschäftsmodelle, Know-how in jeder Phase ihrer individuellen Entwicklung ebenso vermittelt wie günstige, zentral gelegene Räumlichkeiten, um an ihrem Projekt fokussiert arbeiten zu können. Gefördert wird das Gründerzentrum durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, getragen durch Stadt und Landkreis Passau sowie durch die Universität Passau und kofinanziert von Wirtschafts-Partnern aus der Region. Am Mittwoch, 28. Februar (ab 18 Uhr), heißt es in der Passauer Redoute „And the winner is…“. Diese Startups haben Chancen.

Möbel-Unikate für alle von fleißigen Flüchtlingen

Erst waren es Lampen, die Julian Schönemeyer mit Gefängnisinsassen basteln wollte, jetzt baut er ganze Möbel mit Flüchtlingen. „In Passau kamen und kommen sehr viele Flüchtlinge an, denen wir einfach helfen wollten“, erklärt der Student der Staatswissenschaften, der das Projekt „Aufgemöbelt“ mittlerweile im zweiten Semester leitet.

Er bringt damit zusammen, was zwar nicht unbedingt zusammengehört, aber ziemlich gut zusammenpasst. „Im Handwerk sind viele Stellen frei und es fehlt auch an Auszubildenden. Dagegen suchen viele Flüchtlinge Arbeit.“ Hier setzt „Aufgemöbelt“ an. „Wir holen ausgewählte Tische und Stühle ab, um sie zu upcyceln“, erklärt Julian Schönemeyer kurz seine Idee, die gleich zwei Vorteile hat: Durch das Konzept „aus alt mach neu“ entsteht weniger Möbel-Müll und arbeitswillige Flüchtlinge können sich handwerklich betätigen und haben somit nicht nur „Arbeit“, sondern eventuell sogar eine Perspektive. Die Schreinerei Jürgen Schreck konnte Julian Schönemeyer bereits für seine Idee gewinnen.

Die so unter fachmännischer Anleitung entstandenen „Unikate“ werden dann in diversen Passauer Cafés (u. a. Kaffeewerk und das Uni-Café „Stopover“) ausgestellt und zum kleinen Preis zwischen 39 und 50 Euro angeboten. „Wir arbeiten Nonprofit-orientiert, nur kostendeckend“, erklärt Schönemeyer und meint weiter: „In jedem Möbelstück baut der Flüchtling seine Kultur und Geschichte mit ein, das macht jedes einzelne so besonders.“

Und was haben die Flüchtlinge davon? „Sie machen erst einmal ein zweiwöchiges Praktikum und werden danach für ihre Arbeit entlohnt.“

Vionym hilft, anonym die Wahrheit zu sagen

Vielen Menschen helfen und die Welt ein Stück weit zu einem besseren Ort machen kann wohl „Vionym“. Diese Chat-App erlaubt es, mit Facebook-Freunden zu chatten und dabei anonym zu bleiben. „Die eigenen Freunde wissen nicht mit wem sie chatten – man selbst allerdings schon. Der Adressat weiß nur, dass er/sie mit einem Facebook-Freund schreibt. So können vermeintlich dumme Fragen gestellt, unangenehme und kontroverse Themen besprochen und Dinge gesagt werden, die einen wirklich bewegen – und zwar, ohne die Beziehung zu beeinträchtigen!“, erklärt Vionym-Gründer Raymond Ung. „Fragen sind nicht dumm. Kontroverse Themen gehören in die Diskussionskultur und Themen, die einen bewegen, müssen ausgesprochen werden!“

Übrigens: Die Inspiration für Vionym kam von einer sehr guten Freundin, erklärt Ung. „Sie ist lesbisch und hatte anfangs starke Probleme mit ihrem Coming-Out. Während sie keine Probleme hatte, dies gegenüber ihren männlichen Freunden zuzugeben, hatte sie sehr starke Angst, dass es die Freundschaft zu ihren Freundinnen beeinträchtigen könnte. Da ist mir aufgefallen, dass viele sich nicht trauen, die Wahrheit auszusprechen.“

Passau goes Hollywood: Vier von der Traumfabrik

„Passau goes Hollywood“ ist das nicht unbedingt bescheidene Motto der Kastor&Pollux Productions. Die Erschaffung von Werbefilmen, Imagefilmen und Kino- & TV-Produktionen ist ihre Passion. Die vier Junggründer Jane C.K. Engel (31), Yannick Engel (24) und die Zwillinge Korbinian und Jonathan Schmid (20) haben das Know-How und den Zugriff zu den neuesten Technologien. Eine unschlagbare Kombination, die es wohl so in Niederbayern noch nicht gibt. „Die Zukunft ist digital, hier sehen wir uns auch. Selbstverständlich darf man dabei den Menschen nicht vergessen. Wenn man beides geschickt miteinander kombiniert, dann entstehen Filme, die visuell mit starken Bildern überzeugen und deren Story mitfühlen lässt“, ist sich Jane C. K. Engel sicher. Als Mitglied des VDD (Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V.) ist Jane C.K. Engel besonders die Story eines Films wichtig: „Ob Imagefilm, Werbefilm oder Kinofilm, wenn die Geschichte nicht stimmt, sie mich nicht berührt, ich mit dem Darsteller auf der Leinwand nicht mitfiebern kann, dann helfen mir auch die schönsten Bilder in einem Film nichts. Reine Effekthascherei ebbt schnell ab, die Story bleibt.“

Derzeit planen die vier „Engelsschmiede“, wie die Junggründer von Kollegen aufgrund ihrer Nachnamen genannt werden, den ersten Hologramm-Kurzfilm der Welt. „Wir sind sehr froh ein Teil des Inn.Kubator Passaus zu sein, hier bekommen wir die Chance uns mit anderen Startups zu vernetzen, erhalten Coachings und kompetente Unterstützung, was für Jungunternehmer ein absolutes Muss ist.“ Ihren neuesten Kurzfilm „Aufgelöst“ drehen sie im Februar in und um Passau.

Aus der Region für die Region in der Regiothek

Die Macher der „Regiothek“ sind ebenfalls Anwärter im Rennen um die beste Gründungsidee. Alexander Treml (30), Simon Nestmeier (29), Anton Kohlbauer (32) entwickelten mit Unterstützung ihres Mentors Dr. Granitzer von der Uni Passau ein ganz besonderes Konzept. „Die Regiothek ist eine Plattform, die Verbraucher und Produzenten von regional hergestellten Lebensmitteln verbindet. 80 Prozent der Verbraucher denken, Regionalität sei ein wichtiges Kaufkriterium. Trotzdem finden die Verbraucher oft nicht zu Anbietern, wobei Anbieter über Vermarktungsschwierigkeiten klagen“, erklärt Treml wie sie kleinen bis sehr kleinen Betrieben die Möglichkeit geben, ihre Regionalität zu beweisen, den Lebensmittelmarkt transparenter zu gestalten und Nischenprodukte (wie etwa besondere Obstsorten, spezielle regionale Schmankerl) im Netz präsenter zu machen. Alexander Treml erläutert das Konzept: „Die Regiothek ist ein Kommunikations-Tool für kleine Betriebe aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Gastronomie. In der Regiothek präsentieren sie ihr individuelles Angebot und zeigen ihr Engagement für Nachhaltigkeit. Mit ihrem Regiothek-Auftritt erreichen Anbieter direkt ihre Kunden: Menschen, die wissen wollen, wo ihr Essen herkommt und besondere Qualität wertschätzen.“

Spoferan – das Sportler-Netzwerk

Die Spoferan GmbH soll eine digitale Plattform, ein digitales Netzwerk für Veranstalter von Sportveranstaltungen aus verschiedenen Sportarten, erstellen. „Das heißt, dass man darauf z. B. den Dreiburgenland-Marathon genauso wie den Deggendorfer Triathlon oder den Ruhstorfer Marktlauf finden wird“, erklären die Spoferan-Macher Christian Teringel und Ferdinand Frank.

Durch diesen Zusammenschluss auf nur einer einzigen Plattform ergeben sich viele nützliche Netzwerkeffekte für Sportler, für die Veranstalter selbst, für Trainer, für Sportvereine und Sportverbände als auch für Unternehmen, meint Teringel und zählt einige Beispiele zur kostenlosen Nutzung auf: So bekommen Veranstalter u. a. verschiedene Möglichkeiten, etwa um mehr Teilnehmer zu erzielen. Sportler finden damit außerdem mit nur noch einem Account schnell und einfach zu ihrem Sportverein und können sich sehr schnell, bequem und sicher dort mit nur einem Klick anmelden. „Daneben können zudem Gutscheine verschenkt werden, die für jedes weltweit bei Spoferan gelistete Event gültig sind, u.v.m.“, erläutert Teringel nur einige Optionen. Denn auch Trainer bekommen auf Spoferan eine Plattform um ihre Trainingspläne zu individuellen Preisen zu verkaufen. So kann man beispielsweise als Sportler dann passend zu einem angemeldeten Halbmarathon einen passenden Trainingsplan für beispielsweise 1 Euro erwerben, ohne sich ein Buch kaufen zu müssen oder Abos abzuschließen, etc.

Die Idee entstand dabei durch den eigenen leistungssportlichen Hintergrund, wie Christian Teringel erklärt: „Ich selbst bin zudem seit einigen Jahren ehrenamtlich v. a. im Bayerischen Triathlon Verband aktiv und habe dort lange Zeit ständig die Probleme auf allen Seiten erlebt.“


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