22.12.2017, 10:37 Uhr

Liebes Christkind... Was Promis dem Christkind schreiben (könnten)


Achtung Satire!

PASSAU Gelobt sei Jesus Christkind,

i bims, d1 Vize in Passau. Gell, das verstehst jetzt nicht. (K)ein Wunder, du hinkst ja auch der Jugendsprache über 2000 Jahre hinterher. Ich bin da stets up to date – schließlich muss man die jungen Schafe deiner Herde zuführen. Und deshalb bin ich vollkrass multisocialmedial unterwegs auf allen Kanälen, die das Internet zu bieten hat. Das geht halt nicht mehr so wie zu deiner Zeit, schnell mal ein paar Fakenews einstellen wie Blinde sehend machen oder Wasser in Wein verwandeln oder barfuß übers Wasser gehen. Da musst du schon tough die Sprache der Zeit inszenieren. Believe and pray, sag ich nur. Das haut rein, darauf stehen die Kids. Drum wurde dein Wort ja jetzt auch endlich mal auf Vordermann gebracht – und ich sag‘s dir: Gegen die neue Bibel „Holyge Bimbel – Storys vong Gott u s1 Crew“ nimmt sich Franziskus Vater unser-Revolte wie ein lauer Zwergenaufstand aus. Ich geb dir mal eine Kostprobe aus dem ersten Kapitel, das heißt jetzt „Gangesis“: Im Anfang war die Universe leer u schwarz wie 1 coke zero am bimsen, also buildete Gott 1 Earth u 1 Heaven. Aber die Earth war dark wie 1 Berghain u needete 1 Boss-Transformation…Am firsten Day talkte God: „Es werde 1 nices Light“, u 1 überbrightes Light war gebimt worden. God sah das Light am shinen, u es war lit as fuck. Er fands übelst nice u feierte sich…Am seventeen Day checkte God die meganice Mother Earth, die er gebuildet hat, mit water u Sky, u birrds u Schrimps, u Sun u Starz u Dattelpalmen u viele Pikachus u au Adolf u Eva. U Gott sayte: „was is das für 1 nices life?“ Jetzt bist sprachlos, was Christkind? Wieder (k)ein Wunder! Also diese „Holyge Bimbel“ brauch ich unterm Christbaum. Kannst bestimmt bei Amazon bestellen. Und mit dieser Waffe des allein seligmachenden Glaubens machen wir den Lutheranern endgültig den Garaus – fest versprochen!

D1 Erzkämpfer Stefan (Bischof Dr. Stefan Oster)

Hochverehrter Herr Jesus, liebes Christkind,

ich düse zwar mit meinem silbernen Mercedes-Blitz nach wie vor zwischen Oslo und Zagreb hin und her, aber es kommt mir so vor, als würde die freie Zeit immer länger werden. Und als man mir den Landkreis-Ehrenring ansteckte, da merkte ich: Jetzt wird‘s Zeit, sich um was Alterweises umzusehen, bevor die Einladungen immer weniger werden. Und wenn‘s schon nix mit mir als Generalkonsul von Kroatien wird, dann würde ich halt gerne im Weinberg des Herrn arbeiten. Du weißt, Christkind, ich kann das! Mein Meisterstück ist die St. Kolomann-Kirche – pressemäßig nach allen Regeln der Kunst von mir heuer ausgeschlachtet, dass dein Vize Stefan gelb vor Neid wurde. Der Kolomann ist übrigens mein Lieblings-Heiliger, weil man auf seinen Spuren immer durch die Wachau und bis ins Weinviertel wandeln kann. Hier bin ich sogar von den Kolomann-Klosterschwestern zum Dekan ernannt worden! Du siehst also, ich bin bestens geeignet für deine Dienste, so als Quereinsteiger quasi, ohne zölibatäre Verpflichtung versteht sich. Und wer weiß: Vielleicht werde ich deshalb sogar mal heilig gesprochen – das würde mir auch mehr zustehen, als bloß so ein „Jetzt-schleich-dich-Ehrenring“. Was sagst du? Einen heiligen Konrad gibt‘s schon? Der hat zwei Tage vor dir 200. Geburtstag? Na, wo‘s für einen reicht, reicht‘s auch für zwei…

Dein Diener Konrad (Alt-MdL Konrad Kobler)

PS: Verrat bitte keinem was von unserem geheimen Weinlager der Kolomann-Kirche…

Mein liebes Christkind,

im Leben geht zwar mancher Schuss daneben, bei mir aber geht so mancher Schuss immer nach hinten los. Heuer aber so scheint‘s, hast du mir das absolute Glückslos in die Hand gedrückt – jeder Schuss ein politischer Volltreffer. Nun ja fast, bei mir daheim in Salzweg haut‘s nicht so richtig hin, da schießt der Putz Josef ständig quer und mein eigener Heisl Josef mir ins Knie, anstatt den anderen. Dafür aber hast du beim Bürgerschießen meine Kugel ins Ziel gelenkt – Gott sei dank war da deine Hand im Spiel, wer weiß, was ich sonst da angerichtet hätte. Aber beiseite und zurück zum Wesentlichen: Ich danke dir für ein rundum zufriedenes Jahr. Denn jetzt als CSU-Chef kann ich nach den Sternen greifen und mit deiner Kraft und Hilfe ins schönste Amt im ganzen Land aufsteigen: zum Landrat. Lass mich dabei jetzt bloß nicht hängen! Ganz im Sinne unseres Papstes bete ich künftig dein Vater unser so: „Und führe die anderen ständig in Versuchung und erlöse mich damit von jeglichem möglichen Gegenkandidaten.“ Passt das?

Dein schießwütiger Raimund (CSU-Fraktionschef und Vizelandrat Raimund Kneidinger)

Liebes Christkind,

was für stürmische Zeiten: Erst hat der Sommersturm unsere Wälder umgeknickt und jetzt sieht es so aus, als würde sich über meinem Rathaus ein Tornado zusammenbrauen, der mich aus dem Bürgermeistersessel wacheln könnte. Und dabei hab ich mir den all die Jahre jetzt so schön angewärmt, dass ich gar nimmer daraus aufstehen möchte. Aber was soll ich machen: Da ist was im Busch, ich fühle es, die CSU mag mich nicht mehr und wird wohl über kurz oder lang fremd gehen und mir den Laufpass geben. Das bricht mir das Herz! Ich habe doch alles getan, um sie bei Laune zu halten und dabei voll meinen Charme spielen lassen. Kann ich doch nix dafür, dass nicht alles so gelaufen ist, wie ich wollte – am Staffelberg, am Freudensee. Sogar Stefan und Reinhard wenden sich ab nach Waldkirchen – jetzt kann ich nur noch beim Rudi ein Schnapserl zwitschern. Ich wünsche mir daher heuer einen Superpatex zu Weihnachten, mit dem ich mich am Bürgermeisterstuhl so stark fest ankleben kann, dass keiner mir den Sessel unterm Hintern wegreißen wird. Und wenn das alles nix hilft, dann werde ich halt doch Landrätin, da kann der Raimund beten bis er schwarz wird. Was? Ja hast recht, der ist ja eh schon schwarz.

Deine traurige Gudrun (Hauzenbergs Bürgermeisterin Gudrun Donaubauer)

Servus Christkind,

Na, wie hab ich das gemacht? Jeder hat mich schon mit dem Horst in den Orkus fallen sehen – aber dein schlauer Andi kennt (im Gegensatz zum Sibler Bernd, der sich jetzt wohl in den Hintern beißt) den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Indianer: Der gute weiß, wann er ein altes Pferd wechseln muss. Und deshalb bin ich als General wieder obenauf – ein harter Job eben, gerade hart genug für Kerle wie mich. Jetzt steht mir alles offen. Für James Bond war zwar die Welt nicht genug, aber so ein sauberer Ministerposten in der Berlin, der würde mir ziemlich gut stehen. Staatssekretär beim Horst wäre auch nicht schlecht. Schließlich müssen bayerischen Interessen – und das sind ja auch deine, warst ja auch mal Flüchtling – durchgesetzt werden. Ich sehe da weit und breit keinen anderen als mich, der das schaffen könnte. So viel Bescheidenheit muss sein. Und wenn das nicht klappt mit der Groko, wie immer die auch aussehen mag, dann kehre ich als neuer Jedi-Ritter zurück nach Passau und werde meine Stadt mit dem Laserschwert von der dunklen Seite der Macht des Imperiums um Imperator Darth Jürgen befreien. Wie meinst du? Geh Quatsch, das ist nicht mein Vater..!

Dein hungriger Andi (CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer)

Allerliebstes Christkind,

gell, dir ist auch schon aufgefallen, dass ich mit einem Honigkuchenpferdgrinsen durch die Stadt gehe. Ich bin ja auch rundherum zufrieden, alles ist heuer im Landtag so gelaufen, wie ich mir das für Passau vorgestellt habe. Und ständig hatte der Jürgen dabei das Nachsehen, musste sich beim Pressefoto hinten anstellen. Hehe, so mag ich‘s. Jetzt könnte ich mir auf meine angezählten Amtsjahre ja sogar den Spaß erlauben, mangels weiterhin unsichtbarer Alternativen in der Passauer CSU meinen Schwager mit einer OB-Kandidatur zu tratz’n, aber das gäbe ja daheim bloß Ärger, das ist nix für meine Nerven. Viel lieber wäre mir so ein herrlich entspanntes bayerisches Ministeramt, auf dem ich mein Profi-Profil so richtig ausleben kann. Kultur wäre klasse, Finanzen nehm ich auch – jeder weiß, dass ich äußerst sparsam bin – und wenn gar nix geht, dann halt Landwirtschaft. Beim Bockmelken auf dem Innstadt-Starkbierfest hab ich ja auch dafür schon üben können, und was muss man da sonst schon groß können, das hat der Helmut ja jetzt jahrelang vorexerziert. Aber denk dran, die Zeit drängt: Du weißt, dass ein Ministerposten mein Lebensziel ist und dies jetzt mit dem Markus meine letzte Chance ist. Ich kenn die Geschichte mit dem Indianer nämlich auch, nicht nur der Andi.

Dein treuer Gerhard (MdL Dr. Gerhard Waschler)

Hallo Christkind,

ich bin der Neue hier, der Holm. Ja, feix du nur auch wegen meinem Vornamen. Ich hab ihn mir nicht ausgesucht. So jetzt in medias res wie wir Advokaten sagen: Der Andi und der Gerhard können dir mailen, was sie wollen. Ohne mich geht jetzt erst mal gar nix mehr: Ich bin jetzt der Pep Guardiola der Passauer CSU – die haben meine Spieltaktik zwar immer noch nicht kapiert, aber wenn die das erst mal in die Köpfe kriegen, dann wird das Passauer Politfeld aber so was von Tikitaka aufgerollt, dass dem Jürgen hören und sehen vergeht. Jetzt müsste ich nur noch wissen, wie ich das anstelle. Ich muss da immer an den römischen Zenturio aus dem Asterix-Heftchen denken, der da sagte: „Sie sind alle so dumm – und ich bin ihr Chef!“ Winterhafen, Stadtstrand, Silvester auf der Marienbrücke – ich liefere denen eine Steilvorlage nach der andern, aber glaubst du, einer meiner Stadträte würde sich mal gnädig erheben und zum Ball laufen? Hunde, die man zur Jagd tragen muss – ein Trauerspiel. Und ich hab keinen auf der Ersatzbank! Aber jetzt ist Schluss. Ich werde mich auf dem Polit-Transfermarkt umsehen und zur nächsten Kommunalwahl eine Top-Mannschaft präsentieren. Ha, da sehe ich jetzt schon Tränen flennen bei so manchem, der sich faul rumpelzt, aber einen sicheren Listenplatz haben will. Nicht mit Holm! Deshalb wünsche ich mir von dir eine Silvesterrakete, sonst nix! Aber nicht so was popeliges aus dem Supermarkt, sondern einen richtigen Kracher so im Format einer Stinger-Rakete. Denn das braucht‘s, um den Jürgen abzuschießen. Aber wahrscheinlich muss ich damit vorher meiner CSU einen vor den Bug knallen.

Dein tatenvoller Holm (CSU-Chef Prof. Dr. Holm Putzke)

Grüß Gott, Christkind

Eigentlich wollte ich dir heuer gar nicht schreiben, weil ich ziemlich enttäuscht von dir bin. Ich habe meine politische Zukunft ganz in deine Hände gelegt, immer brav gebetet: „Lieber Gott, ich bin klein, mein Herz ist rein, will nix als einen Landtagsposten allein.“ Und du hast mich nicht erhört, du hast den Walter viel lieber als mich und jetzt darf der wieder in den Landtag. Obwohl er‘s anders versprochen hat. Und der Stefan mit seinem Papa-Bonus ist der nächste, der mir heuer in die Quere kam und und meine Pläne endgültig durchkreuzte. Und ich bleib verhungert auf halber Strecke ausgebootet. Das ist hundsgemein! Was soll jetzt aus mir werden? Soll ich auf immer und ewig für die Vilshofener CSU im Stadtrat den Fraktionsdeppen spielen und mich mit dem Florian über Kreuz kriegen für nix und wieder nix, weil die Vilshofener den Flori ja auch lieber haben als mich und der am Ende immer recht hat? Ich fühle mich wirklich von allen verlassen, ja auch von dir! Und deshalb ziehe ich jetzt um nach Passau. Ich hab gehört, da sucht der Holm neue Mitspieler, da könnt ich am Ende doch noch was werden. Wieso soll ich das nicht machen? Du meinst, die haben schon genug Hunde, die man zur Jagd tragen muss? Also, das ist jetzt ehrlich das Allerletzte von dir – ich mag nimmer!

Dein beleidigter Christian (Vilshofens 2. Bürgermeister Christian Gödel)

Hallo Christkind,

sag mal, was reden die Schwarzen da eigentlich alle davon, den Jürgen stürzen zu können. Das können sie sich abschminken! Der sitzt zu fest im Sattel. Anders als ich – mich haben sie jetzt aus dem Sattel gestoßen, jetzt bin ich politisch quasi arbeitslos. Dabei habe ich ja in Berlin gar keine so schlechte Figur gemacht. Nun gut, vielleicht hätte ich nicht immer die stoisch-ernste Katastrophen-Miene aufsetzen, sondern mal fröhlich aus mich rausgehen sollen. Aber ich bin halt so, wie ich bin – und ich weiß, dass ich ein Opfer meiner eigenen Genossen geworden bin. Irgendwie haben die was gegen mich, aber was nur? Und jetzt sollte das schon wieder losgehen! Ich als ehemaliger MdB hätte mich aufs Abstellgleis in den Passauer Westen begeben und dort für den Landtag kandidieren sollen. Ja glauben die, ich bin auf der Brennsuppe dahergeschwommen und wüsste nicht, dass der Westen ein Loser-Stimmkreis ist? Ich will den Osten – und ich kriege ihn! Da habe ich dem Bernd sauber gezeigt, wo der Barthl den Most holt, bis er von selber das Handtuch geworfen hat. Und nach Berlin und Abstecher via München komm ich dann nach Passau zurück und treten Jürgens Erbe an, um die rote Dynastie fortzuführen. Ach wird das schön..! Was sagst du Christkind? Ich soll weiterträumen bis weit nach Weihnachten. Jetzt platz ich aber gleich!

Dein verpatzter Christian (Christian Flisek (SPD))

Ja grias di, Christkind,

ja kennst mi no, i bin‘s der Hansi! Naa, ned der Hinterseer, obwoi i ja genau a so red wie der. Ja mei, wir hamma uns ja so lang scho nimmer gseng, fast so lang wie mi meine Kollegen im Passauer Kreistag ned gseng ham. Mei geht‘s da guad? Mei mir jo a! Gsundheit is hoid wichtig, gej? I bin ja jetzt wieder voi da in der Politik bei der FDP. Mei hast das eh mitkriagt, wia d‘Bettina g’spiatzt hod, weil‘s fürn Landtag verlorn hod genga mi. Mei zur oana gscheidn Politik gehört hoid a moi mehr, wia ständig nur seine nackerten Fiaß samt an Prosecco-Glasl und an Hund ins Facebook einestell‘n. Des hod d‘Bettina jetzt glernt, das ma an Hansi ned für bled anschaun ko, nur weil a ursprüngle ausm Woid kimmt. Und olle andern hamm‘s a glernt. Mei, dank da schee dafür, Christkindl. Und naa, sonst brauchat i nix.

Dei herzensguada Hansi (FDP-Kreisrat Hansi Brandl)

Gelobt sei Jesus Christkind,

du weist, ich bin einer deiner treuesten Diener. So wie einst bei Don Camillo bist du in meinem Herz. Aber warum nur, Christkind, erlegst du mir die gleiche Prüfung auf wie einst deinem Diener Don Camillo und schickst mich in die gar so grauselig kalte und finstere Verbannung nach Röhrnbach? Und das Schlimme daran ist: Der Passauer Peppone dieser Intrige sitzt in den eigenen Reihen – dein Vize Stefan, der mit seiner, entschuldige bitte den Ausdruck, vermaledeiten Pfarrverbands-Gebietsreform alles durcheinander wirbelte. Und so kam es, dass ich nach 20 Jahren meine geliebten Pfarrkinder aus Neukirchen vorm Wald verlassen musste und jetzt hier im Bayerwald-Exil darbe. Nicht mal einen gescheiten Empfang hat man hier, dass ich meinen FC Bayern anschauen könnte. Danke, Stefan, für diesen Schnee-Segen. Liebes Christkind: Ich will zurück nach Hause, nach Neukirchen. Ich vermisse meine St. Martin-Schäflein dort – und den süffigen Wein vom Konrad in der St. Kolomann-Kirche. Und die fröhliche Damenriege aus Fürstenstein, wo ich als Kaplan begann, mit ihrer feschen Mesnerin. Drum bitte ich dich: Schenk dem Stefan seine Jungsprech-Bibel „Holyge Bimbel“. Denn wenn er die hat, dann vergisst er alles andere um sich herum, und ich kann ihm vielleicht so meine Versetzung zurück in die Heimat unterjubeln. Das wäre prima!

Dein frierender Bernhard (Pfarrer Bernhard Tiefenbrunner)


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