15.12.2017, 14:34 Uhr

Hauptpartien traumhaft besetzt Das Passauer Premierenpublikum feiert großartigen „Rosenkavalier“!

Szene aus dem Landestheater-Niederbayern-Rosenkavalier (v.l.): Emily Fultz (Sophie), Guido Jentjens (Ochs), Leopold Baur (Leopold), Juliane Banse (Marschallin), Flavia Samper (Mohammed), Iryna Zhytynska (Octavian). (Foto: Peter Litvai)Szene aus dem Landestheater-Niederbayern-Rosenkavalier (v.l.): Emily Fultz (Sophie), Guido Jentjens (Ochs), Leopold Baur (Leopold), Juliane Banse (Marschallin), Flavia Samper (Mohammed), Iryna Zhytynska (Octavian). (Foto: Peter Litvai)

Tosender Schlussapplaus für Solisten und Orchester

PASSAU Der Rosenkavalier von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal ist eine der meistgespielten Opern des 20. Jahrhunderts und eine der besten musikalischen Komödien überhaupt. Nach 2003 steht diese „Komödie für Musik“ nun zum zweiten Mal auf dem Spielplan des Landestheaters Niederbayern – erneut unter der bewährten Führung von Generalmusikdirektor Basil H. E. Coleman (Musikalische Leitung) und Stefan Tilch (Inszenierung).

Am vergangenen Samstag ereignete sich die umjubelte Premiere im ausverkauften Fürstbischöflichen Opernhaus in Passau.

Worum geht es? Die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg hat eine Affäre mit dem jungen Grafen Octavian. Nach einer Liebesnacht werden sie vom Baron Ochs, einem hochrangigen aber verarmten Landadeligen, überrascht. Er will die Tochter des reichen Waffenhändlers Faninal heiraten.

Ein guter Deal für beide Seiten, denn Ochs bekommt Geld und Faninal eine adlige Verwandtschaft. Ochs braucht nur noch die Hilfe der Marschallin, denn ein Adliger muss nach altem Brauch die silberne Rose des Bräutigams ins Haus der Braut bringen.

Die Marschallin schlägt Octavian für diese Aufgabe vor. Als der die Rose abgibt, verliebt er sich in die junge Braut Sophie – und weil Ochs sich unmöglich benimmt, beschließt Octavian, die Heirat mit Sophie zu verhindern. So können Sophie und Octavian am Ende zusammenfinden.

Die aktuelle Bühneninszenierung von Karlheinz Beer ist zeitlos und kommt mit wenigen Requisiten aus, um die verschiedenen Spielorte der drei Aufzüge nachvollziehbar zu skizzieren. Gut so, denn das Mimen-Spiel der Darsteller verdient zwar einen geeigneten Rahmen, aber nur wenig Ablenkung.

Auch Strauss selbst war bewusst, dass sein Stück nicht nur gute Sänger erfordert, sondern diese auch über besondere darstellerische Fähigkeiten verfügen müssen. Die von Iris Jedamski entwickelte Kostümierung lässt, ebenso wie das Bühnenbild, keine eindeutige zeitliche Fixierung zu, treffen hier doch zeitgenössische Kleider auf barocke Kostüme.

Hauptpartien sind traumhaft besetzt!

Im Rosenkavalier sind die Partien für die Sängerinnen und Sänger höchst anspruchsvoll angelegt. Kein musikalisches Motiv kehrt wieder und die Textmengen für die Hauptfiguren sind aufgrund der Vorstellungsdauer beträchtlich. Die fünf Hauptfiguren Marschallin, Octavian, Ochs, Sophie und Faninal sind bei der aktuellen Produktion traumhaft besetzt. Die international erfolgreiche Sopranistin Juliane Banse konnte für die Rolle der Marschallin gewonnen werden. (Diese Hauptrolle ist im Wechsel mit Jennifer Davison doppelt besetzt). Ebenfalls als Gäste für diese Inszenierung konnten der Bariton Guido Jentjens als derber Baron Ochs und Sopranistin Irina Zhytynska in einer „Hosenrolle“ als Octavian verpflichtet werden. Gleichfalls hochkarätig besetzt sind die Rollen von Sophie und Faninal mit den Ensemblemitgliedern Emily Fultz und Peter Tilch.

In weiteren Rollen zu sehen: Mark Watson Williams, Sabine Noack, Victor Campos Leal, Kyung Chun Kim, Maria Pitsch, Jeffrey Nardone, Claudia Bauer, Miriam Biber, Mandie de Villiers, Sebastian Köppl, Michael Kohlhäuf, Daniel Becker, Gabriel Bittner, Konrad Peschl, Johannes Malotta und Leopold Baur.

In verschiedenen Rollen, auch bei den ballettartigen Tanzeinlagen, begeistert Flavia Samper, welche auch für die Choreographie verantwortlich zeichnet. Zusätzlich wird die „personalintensive“ Inszenierung durch den Opernchor (Einstudierung: Eleni Papakyriakou) und die Statisterie des Landestheaters Niederbayern unterstützt.

Gemeinsam mit der Niederbayerischen Philharmonie produzierte GMD Basil H. E. Coleman einen schillernden Orchesterklang, der begeisterte. Ein Orchester durch die Klangwelten des Rosenkavaliers zu führen, ist ohnehin eine schwierige, aber auch reizvolle Aufgabe für einen Dirigenten, ist das Werk doch geprägt von einem ständigen Wechsel zwischen tumultartigen, aufwühlenden Szenarien und eingängigen Walzerklängen.

Atemberaubender Musikschwall

Das Terzett von Marschallin, Sophie und Octavian, das die unterschiedlich temperierten Soprane im 3. Akt vereint, bildete dabei einen der zahlreichen Höhepunkte und manifestierte gegen Ende der Aufführung den hohen künstlerischen Anspruch nochmals deutlich: Im Volleinsatz trieb hier das Orchester die drei Sopranistinnen zu schwindelerregenden Höhen an, worauf sich ein atemberaubender Musikschwall in den Zuschauerraum ergoss – großartig! Für die äußerst gelungene Aufführung gab es dann auch tosenden Schlussapplaus vom begeisterten Passauer Premierenpublikum.

Weitere Vorstellungen in Passau:14.01., 19.01., 9.03., 23.03.2018; Achtung: Beginn 18 Uhr!). Karten und Infos unter:www.landestheater-niederbayern.de


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