07.12.2017, 12:12 Uhr

Pointen-Feuerwerk Ein Wahnsinn, die Gruberin!


Monika Gruber bringt das Publikum in der ausverkauften Niederbayernhalle zum Toben!

RUHSTORF A.D. ROTT Der Name ist wahrlich Programm: „Wahnsinn“, so der Titel des neuen Solos, mit dem die ungemein populäre Kabarettistin und Schauspielerin Monika Gruber auf Tournee ist. Als Einheizer spielte „Isarrider“ Roland Hefter in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Niederbayernhalle zwei Lieder!

„Wahnsinn“ ist schon der Run auf die Karten für ihre Auftritte, für die sich die Gruber-Fans stundenlang in der Kälte, oder wie es in Ruhstorf heuer der Fall war, in sengender Hitze anstellen!

Ob die Gruberin wirklich alles so erlebt hat, was sie es sich in einem Wahnsinnstempo von der Seele redet, sei dahin gestellt. Ernsthaft gerührt scheint sie zum Schluss tatsächlich zu sein, sie, die sich nicht scheut, derb über Preißen oder den „Dipfalscheißer aus der Badstraße“ herzuziehen, der die Polizei wegen der dort nicht ordnungsgemäß parkenden Gruber-Fans angerufen habe.

Ihrem Publikum zollt sie demütig Respekt – was sich schon in der Anrede mit „Sie“ ausdrückt: „Ich brauche Sie manchmal mehr als Sie mich!“, schluckt die Gruberin und zwinkert die feucht werdenden Augen weg!

Was soll man rausgreifen aus dem gut zweistündigen Pointen-Feuerwerk in rasantem Sprechtempo – trotzdem verständlich und nahezu ohne Versprecher?

Es geht der Gruberin um den alltäglichen Wahnsinn. Auf der Welt. Aber auch um uns, in uns. Über den „Klimawandel“: statt sozialer Kälte, die ständig zitiert werde, die soziale Überhitzung, das sich ständige Aufregen vieler Mitmenschen – und redet sich aus dem Stand ohne Punkt und Komma in Rage!

Die Preißen, die nach Bayern ziehen und sich dann über Kirchenglocken, Kühe auf der Weide und Bäckereigerüche aufregen! Veganer, die dogmatisch andere bekehren, aber vegane „Schnitzel“ kaufen wollen. Aber auch „Gutmenschen“, Politiker und Journalisten, die 2015 nur unterschieden nach Willkommenskultur-Befürworter oder Neonazis: „Plötzlich bist du als Konservativ-Liberaler, wie ich, rechts! Was ist da passiert?“

Monika Gruber bringt das Beispiel Anis Amri, der aus Tunesien, wo jährlich Zehntausende Deutsche Urlaub machten, wohl vor „Hammeleintopf“ geflohen sei. Und in der Folge in Deutschland als Drogendealer unbehelligt blieb, weil irgendwo jemand nicht fähig gewesen sei, einen Stempel auf seine Abschiebungspapiere zu machen. Und der dann vor knapp einem Jahr in den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche einen Sattelzug steuerte, wobei 11 Menschen tödlich und sehr viele schwer verletzt worden waren!

Es mache ihr Angst, nicht zu wissen, wie viele solche Menschen 2015 zu uns gekommen seien. Und sie macht ihrem Ärger über hochrangige Journalisten Luft, wie Thomas Roth (Tagesthemen) und Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung), von denen sie eine differenziertere Bewertung erwartet hätte, als Menschen, die solche Ängste aussprechen, zu Neonazis abzustempeln.

Soweit politisch, um nicht zu sagen populistisch sprach die Gruber auch in Ruhstorf. Sie hört auf Volkes Stimme. Und spricht das aus, was sich viele denken. Es wirkt authentisch, wenn sie sich über die Auswüchse politischer wie pädagogischer Korrektheit auslässt, mit nicht selten sehr derben Witzen. Aber da kommt sie nach dem Grünwald, in dessen TV-Sendung die Gruberin ihre ersten Auftritte hatte, und der Kraft- und Fäkalausdrücke ebenso wenig scheut. Beispiel: Als nach der Pause eine Frau hereinkommt, die wohl ihr Auto wegen dem „Wichser aus der Badstraße“ umparken musste, fragt die Gruberin von der Bühne: „Hast ihm schon in den Garten geschissen?“

Aber die Gruber trifft vor allem den Ton des Publikums – „uns, die Normalen, die bloß nicht so laut schreien wie die anderen“ – und vor allem dessen Zwerchfell, wenn sie schildert, wie früher, in ihrer Familie auf dem Bauernhof in Oberbayern, wegen nix so viel Aufhebens gemacht wurde, wie es heutzutage der Fall sei. Ihr Idealtyp des unaufgeregten, in sich ruhenden Bayern: ihr Vater, der eigentlich Buddhismus pur lebe, in der bayerischen Variante, sprich mit Bier statt Karma!

Zum Tränenlachen spießt die Gruberin rasant den alltäglichen Wahn auf, in den sich viele reinsteigern. Bei der Erziehung: Kinder werden als höchst begabt aufs Podest gestellt, aber eigentlich lebensuntauglich verzogen; aber auch die Frauen verziehen ihre Männer: „Männer zum Frauenarzt mitnehmen, das geht gar nicht!“; Therapeuten- und seelischer Wellness-Wahn; und vor allem auch der Diäten- und Gesundheitswahn: „ Ich rauche nicht, weil es mir nicht schmeckt. Aber wenn es im Freien verboten wird – und das kommt – dann fange ich aus Protest an!“

Sie wolle nicht freudlos und ohne sich was gegönnt zu haben, 106 Jahre alt werden. Dann lieber 80, das reiche auch, und dafür barock-hedonistisch gelebt haben! Und das Publikum tobt! Schon der Wahnsinn, die Gruberin!


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