24.12.2017, 12:45 Uhr

Am 26. Dezember ab 14 Uhr Kinder- und Frauenfreundlicher Stephaniumritt in Erharting


Einst war der Stephanieumritt reine Männersache. Doch heute gestalten Kinder, Jugendliche und Frauen den Umritt nachhaltig mit. Der nächste Stephanieumritt in Erharting ist am 26. Dezember.

ERHARTING Wenn man auf die mehr als 425 Jahre währende Historie des Erhartinger Stephaniumrittes zurückblickt, fällt auf, dass Frauen und Kinder bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bei diesbezüglichen Veranstaltungen nicht aktiv mitwirken konnten. Alles rund um das Pferd war reine Männersache. Lediglich zum Putzen und Schmücken der Rösser für die damals weitverbreiteten Pferdeprozessionen wurden die Frauen und Kinder herangezogen.

Vor solchen Festtagen waren dann separate Stallwachen eingeteilt, die dafür sorgen mussten, dass sich die bäuerlichen Arbeitstiere nicht mehr ins Strohlager legten, um ein Verfilzen von Mähne und Schweif durch Heu- oder Strohhalme zu vermeiden. Die Männer ritten dann stolz die Rösser zur Segnung und erhielten dafür vom Bauern einen Extralohn. Für Frauen war es undenkbar, auf einem Pferd reitend diese Umzüge zu begleiten, denn eine reitende Frau galt damals in allen Kreisen als äußerst unschicklich, ja sogar ordinär.

Mit dieser verstaubten Überlieferung räumten die Erhartinger schon sehr frühzeitig auf. Als nämlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Umritt mit Motivwagen erweitert wurde, auf denen lebende Heiligendarstellungen dargeboten wurden, hielten die Frauen und Kinder quasi durch die Hintertür Einzug in die einstige Männerdomäne. Als dann im 1. und 2. Weltkrieg die wehrfähigen Männer an die Kriegsfront mussten, schwangen sich viele Erhartinger Frauen und Kinder in den Sattel und sorgten somit für den Fortbestand dieses religiösen Schauspiels. Während der Kriegsjahre von 1939 bis 1945 sorgten zudem junge Kriegsgefangene zusammen mit den Erhartinger Frauen dafür, dass die Reiterprozession zu Ehren des Erzmartyres Stephanus aufrechterhalten werden konnte.

Als in den 1950er Jahren die bäuerlichen Arbeitspferde immer mehr vom Traktor verdrängt wurden, musste der Umritt eingestellt werden. Nach einer über 25 Jahre währenden Umrittzwangspause konnte Josef Vorbuchner im Jahr 1981 in Zusammenarbeit mit der Erhartinger Jugend den altehrwürdigen Umritt wieder zu neuem Leben erwecken.

Inzwischen hat sich diese Traditionsveranstaltung zum größten Stephaniumritt Bayerns mit lebenden Heiligendarstellungen auf 20 Motivwagen und zahlreichen Reitergruppen entwickelt. Wenn man die jetzigen Umritte betrachtet, so fällt einem auf, dass ausgesprochen viele Frauen, Kinder und Jugendliche die Festzüge nachhaltig prägen.

So wartet auch der heurige Stephaniumritt mit zahlreichen Neuerungen auf, die hauptsächlich von Kindern stammen. Schon im sommerlichen Ferienprogramm haben sie unter Anleitung von Zimmermeister Josef Vorbuchner einen neuen Motivwagen nach ihren Bedürfnissen gestaltet der nun kurz vor Weihnachten von den Kindern vollendet werden soll. Aber nicht nur Arbeit haben die Kinder in dieses Projekt investiert, sondern sie werden auch die spielerische Szene der Geburt Jesu im Stall zu Bethlehem den Besuchern eindrucksvoll vermitteln. Den Festwagen begleiten dann „hoch zu Pony“ die Sternsingerkinder aus Erharting.

Kinder haben neuen Motivwagen gestaltet

Eine weitere Attraktion bildet die Szene „Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten“ stilecht auf einem Esel. Für dieses Geschehen aus der Heiligen Schrift konnte der Pferdeförderverein aus Kastl gewonnen werden. Samuel Gassner, den Zuschauern schon als Heiliger Martin bekannt, wird nunmehr dieses überlieferte Geschehen dem staunenden Publikum näherbringen.

Weitere neue Festwagen und spontane Elemente mit Kindern und Ponys garantieren einen sehenswerten Stehaniumritt in Erharting, der am 26. Dezember nachmittags um 14 Uhr beginnt.

Für Reiter, die noch teilnehmen wollen, ist eine Anmeldung unter Telefon 08631/2872 beziehungsweise über das Kontaktformular auf der Homepage unter www.verein-fuer-brauchtumspflege-erharting.de möglich.


0 Kommentare