15.07.2020, 16:36 Uhr

DJ-Show im Radio „Ein neuer, richtig cooler Weg“


Ein junger DJ aus Ergolding hat sich bei BAYERN 3 beworben und wurde ausgewählt, am kommenden Samstag die DJ-Show des Partyhitmix eine Stunde lang zu spielen. Mit dem Wochenblatt spricht DJ Le.Thull über seine Liebe zur Musik, das Leben als DJ und was man beachten sollte, wenn man einer werden will.

Ergolding. Im Nachtleben herrscht momentan ein historischer Stillstand. Wo sonst Bässe dröhnen, gute Laune sprudelt und man sich beim Tanzen kennenlernt, gähnt nun Stille aus Gemäuern. Die Situation ist auch für DJ’s existenzbedrohend. Einer von ihnen ist Maximilian Thull (21), geboren und aufgewachsen in Ergolding.

Mit 15 stand er das erste Mal am Mixpult und vor knapp zwei Jahren wurde sein Hobby zum Beruf. Gespielt hat er schon quer durch die Landshuter Clubszene, unter anderem im Trixi Schneider und im Sausalitos. Auch aus dem Stars in Straubing oder dem John Reed in Regensburg kennt man ihn.

Wie kommt man darauf, ausgerecht ein Star des Nachtlebens zu werden? „Eine lustige Geschichte“, nennt Le.Thull diese Anfänge. Im Saturn in Landshut habe er als musikbegeisterter Teenager einst gesehen, wie jemand an einem DJ-Pult hantierte und sei spontan neugierig gewesen. „Ich konnte mir damals gar nicht vorstellen, was da passiert und dann habe ich mich einfach mal eingelesen. Ich dachte, das ist eigentlich ein neuer, cooler Weg, um Musik zu erkunden. Bald kaufte ich mir den ersten DJ-Controller, kam auch schnell dahinter, wie das funktioniert.“ Diesen DJ-Controller habe er heute noch und auch ein hundertprozentiger Autodidakt auf seinem Metier sei er geblieben.

Leute live überzeugen

Mit einem Controller mixt man zwei Songs (oder mehrere) flüssig ineinander, so dass – anders, als beim CD-Player – keine Pause dazwischen entsteht. „Mit einem Controller kannst du Höhen, Bässe, Lücken verstellen, um durchgängig gemixte Übergänge zu schaffen.“ Das klingt nach etwas, auf das man sich gezielt vorbereiten muss – oder immens viel Übung braucht, um zu improvisieren: Le.Thull liebt das Spontane. Wenn er in Clubs geht, dann bringe er keine Playlist von Zuhause mit, sondern die komplette Festplatte. Rund 5.000 Songs weiß er auswendig, um spontan live spielen zu können: Wenn es, wie er sagt, von der Stimmung passt. „Ich will die Leute live von mir überzeugen. Im Komplettpaket.“ Das alles übrigens ohne Ohrenschutz, denn sonst höre man nicht heraus, ob „Waves“ stimmen. „Es gibt“, meint er lachend, „schon Momente, da hast du Panik. Aber die sind zum Glück inzwischen selten.“

Ist denn schon mal ein Patzer passiert? „Ja“, sagt der DJ und gesteht: „Unter Einfluss von VodkaRedbull.“ Aber von groben Horror-Vorstellungen, wie etwa „abgerauchtes Equipment“ wäre er bislang zum Glück verschont geblieben.

Dabei war Le.Thulls allererster Auftritt alles andere, als motivierend. „Es war in der Nähe von Vilsbiburg“, erzählt er, „eine Geburtstagsfeier mit etwa 50 Leuten. Ich war 15, ein Kumpel hatte mich empfohlen. Das war für mich ein katastrophaler Abend, weil ich’s mir viel einfacher vorgestellt hatte. Ich war völlig überfordert von den ganzen Musikwünschen.“

Trotz katastrophalem ersten Auftritt fand Le.Thull die Motivation, dabei zu bleiben: „Nach dem Down bin ich in mich gegangen, doch es ist wie bei allem. Man lernt weiter, man entwickelt sich, wird von Auftritt zu Auftritt immer besser. Und dann merkt man, dass man vorankommt und macht weiter und am Ende ist man da, wo man hinwollte.“ Ist er schon dort angekommen? „Natürlich geht es immer besser.“ Und Festivals, sagt er, würde er gerne noch spielen.

Auftritte wie ein Pool

Die besten Auftritte hingen von vielen Faktoren ab: „Von den Leuten, die da sind, vom Chef, der dich bucht, von der allgemeinen Stimmungslage. Im Trixi gefällt es mir immer sehr. Da sind alle immer total entspannt und nett, man kennt sich schon. Aber auch die Semester-Opening letztes Jahr in der Sparkassenarena war extrem stark. Für 2.000 Leute zu spielen, das ist schon cool.“

Ist man da nicht aufgeregt? „Wie, wenn du dir einen Pool bestellst: Da bist auch weniger aufgeregt, freust dich halt mehr drauf.“

Es habe bisher noch keinen einzigen Abend gegeben, an dem er keinen Bock hatte: „Es ist mein Traumberuf. Wenn du das machen willst, dann hast du ja Lust darauf. Andere fahren mit dem Wohnmobil. Ich lege halt dreimal pro Wochenende auf. Es ist, was ich liebe. Und ich liebe es auch, durch die gemeinsame Verbindung zur Musik neue Leute kennen zu lernen. Langweilig wird’s nie.“

Für andere 15-Jährige: Was ist das Wichtigste an dem Job? „Man muss immer Up-to-date sein, was die Musik betrifft“, so Le.Thull. „Du musst total offen sein, menschlich und musikalisch. Du darfst nicht festgefahren sein. Die meisten Anfänger denken, dass sie, wenn sie in einem Jahr berühmt sind, nur das spielen können, was ihnen gefällt. Aber das funktioniert halt nicht. Du musst dir diese offene Art unglaublich wahren. Mit Menschen reden und die Musik interpretieren können, das würde ich meinen, ist das Wichtigste.“ Momentan sei der Karrierewunsch allerdings äußerst risikoreich.

Corona bremst aus

Die Pandemie ist für den DJ mehr, als nur ein Dämpfer. Sein Lebenstraum, dem sechs Jahre harte Arbeit voran gingen, steht unverschuldet auf dem Spiel. „Corona ist das Schlimmste, was passieren konnte. Das Schlimmste für mich, denn ich habe ja immer darauf hingearbeitet. Und jetzt sollst du den Traum, den du hattest, aufgeben. Obwohl du nicht einmal etwas dafürkannst. Wenn das Ganze mal vorbei sein sollte… glaube ich schon, dass die Clubs wieder explodieren. Aber vielleicht gibt es die Clubs, die man liebt, dann gar nicht mehr. Und mit den Clubs sterben auch die DJ’s, weil die dann auch kein Zuhause mehr haben.“ Den Landshuter Fans würde Le.Thull gerne sagen: „Durchhalten! Es geht immer weiter. Aber dann richtig!“

Ein Zuhause

Für Max Thull geht es bereits weiter. Denn unter dem Motto „Wir geben DJs ein Zuhause!“ organisiert BAYERN 3 aktuell den Partyhitmix (jeden Samstag ab 20 Uhr). Bewerben kann sich jeder und zu gewinnen gibt es eine Stunde DJ-Show im Radio, von dem aus „der Clubsound der fettesten Dance-Tracks im Freistaat“ direkt zum Publikum gebracht werden soll.

Auch Le.Thull hat sich beworben – und bekam prompt Antwort: Er wurde ausgewählt und wird dabei sein. Am 18.07. spielt Max von 22 bis 23 Uhr auf BAYERN 3 vor einem Riesenpublikum. „Ich hatte das aktuell gar nicht erwartet“, freut sich der junge DJ über die Einladung. „Die Chance, dass man das machen darf, ist sehr cool.“


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