27.04.2020, 14:51 Uhr

Interaktive Erinnerungskultur Franz Seiff – multimediales Erinnerungsprojekt geht online


Anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges und des Todes von Franz Seiff wird ab 29. April ein multimediales Erinnerungsprojekt unter www.franz-seiff.de an den Landshuter Bürger erinnern, der kurz vor der Befreiung der Stadt von SS-Einheiten ermordet wurde.

Landshut. Das Landshuter Filmteam „laspire“ hat in Zusammenarbeit mit dem Historiker Moritz Fischer einen animierten Kurzfilm produziert, der über die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges in Landshut informiert. Der Film ist in eine interaktive Website eingebettet, die zahlreiche Hintergrundinformationen zu wichtigen Personen, Organisationen und Ereignissen bietet: Das multimediale Erinnerungsprojekt wird ab 29. April 2020 auf www.franz-seiff.de kostenlos zu sehen sein.

„Die Barrieren für eine Website sind wesentlich geringer, als zum Beispeil ein Museumsbesuch“, sagt Fischer, „Wir hoffen, dass wir damit einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten, der möglichst vielen Menschen leicht zugänglich ist.“

Seit 2017 arbeitet das Team laut Fischer an der Umsetzung des Filmprojekts – privat und unentgeltlich in ihrer Freizeit. Bewahrt und zugänglich gemacht werden soll uns mit dem Projekt ein Stück Geschichte von Landshut, insbesondere des Regierungsrats Franz Seiff, der auch im Mittelpunkt des Films steht. Der Landshuter Bürger hatte die Stadt einst mit einer von ihm geführten Widerstandsgruppe kampflos an die US-Armee übergeben wollen. Dafür aber wurde Franz Seiff am 29. April 1945, zwei Tage vor dem Einmarsch der US-Amerikaner, von überzeugten Nationalsozialisten hingerichtet.

„Das Projekt war aus vielen Gründen spannend“, so Fischer, „Zum einen handelt es sich bei der Gruppe um Franz Seiff um die einzige bekannte Landshuter Widerstandsgruppe. Zum anderen hat Franz Seiff eine sehr interessante Biografie: Er wandelte sich vom anfänglichen NSDAP-Mitglied zum späteren Demokraten und ist am Ende im Widerstand gestorben. Die Geschichte lag lange im Dunkeln, was es noch einmal spannender gemacht hat, den Quellen nachzugehen.“

Der Film und die Website wurden hauptsächlich von Christoph Einsiedler und Florian Baumann konzipiert und umgesetzt. Sie sind Mitbegründer der Landshuter Medienfirma „filmproduktion laspire GmbH“ und seit langer Zeit als Kurzfilmer in der Region bekannt. Der Inhalt des Filmes basiert auf den Forschungsarbeiten Fischers, der Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin ist. Er stand dem Filmteam in historischen Frage beratend zur Seite und verfasste die Texte der Hintergrundinformationen auf der Website. Sprecher im Film ist der Schauspieler und Landshuter Kulturpreisträger Jochen Decker vom Landestheater Niederbayern.

Die Stadt Landshut hat das Projekt finanziell unterstützt. Weitere Kooperationspartner sind der Verein „Stolpersteine für Landshut – Gegen das Vergessen e.V.“, der DGB Region Niederbayern sowie das Evangelische und das Christliche Bildungswerk Landshut.


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