15.05.2018, 14:54 Uhr

Punkrock mit Herz und hartem Verstand „Minipax“ steht auf Auskotzen mit Niveau!

Im Rahmen ihrer „Lieber wütend als traurig“-Tour stellen „Minipax“ am kommenden Freitag in der Poschinger Villa die Songs des Debütalbums vor. Foto: Hannes Höchsmann  (Foto: Hannes Höchsmann)Im Rahmen ihrer „Lieber wütend als traurig“-Tour stellen „Minipax“ am kommenden Freitag in der Poschinger Villa die Songs des Debütalbums vor. Foto: Hannes Höchsmann (Foto: Hannes Höchsmann)

Sie sehen zwar vielleicht auf den ersten Blick nicht unbedingt aus wie die netten Jungs von nebenan. Doch Minipax, die sich selbst als „die fünf Minister des Friedens“ bezeichnen, haben alles andere als Stunk im Sinn.

LANDSHUT Die große Leidenschaft der Landshuter Band ist die Musik. Und an der lassen sie ihre Fans nun mit ihrem vor wenigen Tagen veröffentlichtem Debütalbum „LiebeHassFriedenKrieg“ teilhaben. Kompromissloser Linksaktivismus mit Verstand trifft auf zugänglichen Punk mit Herz und Verstand! Bevor „Minipax“ am kommenden Freitagabend, 18. Mai, in der Poschinger Villa die Songs des neuen Albums live zum Besten gibt, haben wir Sänger Niki schon mal zum Interview gebeten.

Wochenblatt: Niki, am vergangenen Freitag ist Euer Debütalbum „LiebeHassFriedenKrieg“ erschienen. Wie erleichtert und stolz seid Ihr, dass es jetzt endlich draußen ist?

Wenn man aus dem Studio kommt und die Platte im Kasten ist, ist es schon eine ziemliche Tortur so lange auf die Veröffentlichung zu warten. Schließlich steckt in jedem der aufgenommenen Songs jede Menge Herzblut. All die Zeit, die wir im Studio verbracht haben, war geprägt von Leidenschaft und Hingabe. Die eigentliche „Arbeit“ begann danach. Deswegen sind wir jetzt umso glücklicher und natürlich auch erleichtert, dass das Album endlich das Licht der Welt erblickt hat.

Welcher Kommentar zum Album hat Euch bisher am meisten gefreut oder vielleicht sogar überrascht?

Das Fanzine für gute Musik „Album der Woche“ hat Folgendes zu unserer neuen Platte geschrieben: „Minipax haben sich wohl bewusst den Mainstream-Sound angeeignet, um ihren gelebten Linksaktivismus in die Welt zu tragen und um auf unkonventionelle Art und Weise gesellschaftliche Missstände anzuprangern – kurz: Auskotzen mit Niveau. So erweitern sie geschickt ihren potentiellen Hörerkreis und sorgen dafür, dass auch im Deutschpop wieder Haltung und Herz vertreten sind. Chapeau für diesen Schachzug!“

Dieses Lob bringt auf den Punkt, was wir mit unserem Album „LiebeHassFriedenKrieg“ erreichen wollten. Die gemeinsame Arbeit an der neuen Platte war geprägt von hartem Verstand und ganz viel weichem Herz. Umso schöner, wenn unser Hörerkreis und auch unsere Kritiker diese Intention hinter der Veröffentlichung erkennen.

Erklär doch mal bitte kurz, warum Ihr Euch für genau diesen Album-Titel entschieden habt und was er über Euch, Eure Musik und Eure (politische) Einstellung aussagt.

Der Albumtitel soll die Hörer darauf vorbereiten, was sie zu hören bekommen: Wie schon erwähnt, ist uns neben einem harten Verstand auch ein weiches Herz sehr wichtig. Auf der neuen Platte sollten bewusst nicht nur gesellschaftskritische Songs ihren Platz finden, die mit dem Finger auf andere zeigen. Unsere Devise ist es, dem ganzen Hass auf Erden mit viel Liebe entgegenzutreten. Damit erreicht man oft viel mehr, als mit einem überheblichen Fingerzeig. Letztendlich setzen wir in unserer Weltanschauung – wie auch in unseren Songs – Liebe und Frieden, Hass und Krieg entgegen. Denn am Größten unter ihnen ist die Liebe... Und es gibt immer eine Kehrseite der Medaille.

Ganz oft fällt im Zusammenhang mit „Minipax“ die Aussage „Punk mit Herz“. Was ist an Eurer Band im Gegensatz zu anderen Punk-Bands so besonders?

Dass wir besonders sind, möchte ich uns gar nicht anmuten. Die Band „Minipax“ besteht aus fünf Mitdreißigern, die alle fest im Leben stehen. Mit sehr viel Herz finden wir unsere Wurzeln in unseren jeweiligen Familien bzw. Partnerschaften; die Punkmusik verleiht uns die notwendigen Flügel. Erst beides zusammen gibt uns genügend Stoff für viele neue Songs und spiegelt sich auch im vorgestellten Album wider. Mir war es immer wichtig, im Leben und in der Band authentisch zu sein und sich nicht für eine bestimmte Szene verstellen zu müssen. Wir sind ehrlich in unseren Aussagen: Wir stehen dazu, dass wir an den Umständen der Gesellschaft viel zu kritisieren haben. Wir schämen uns aber auch nicht dafür, dass wir selbst nicht unfehlbar sind.

Am kommenden Freitag stellt Ihr das neue Album im Rahmen Eurer „Lieber wütend als traurig“-Tour in der Poschinger Villa in Landshut vor. Was ist denn an wütend besser als an traurig?

Den Titel unserer Tour und des Liedes haben wir uns von Alois Prinz geliehen. Der Schriftsteller hat die Lebensgeschichte der Ulrike Meinhof unter diesem Titel belichtet. Auch wenn wir Vieles an der RAF nicht gutheißen können, sind wir doch der Meinung, dass es oft besser ist, wütend zu sein, als allen Kummer in sich „rein zu fressen“. Durch die stille oder laute Wut einiger Revolutionäre überall auf der Welt hätten sich viele Missstände der Gesellschaft wohl niemals geändert. Im Gegenteil: Vielleicht hätten einige Missetaten verhindert werden können, wenn mehrere Menschen den Mut hätten ihren Unmut in die Welt zu tragen, anstatt ihn stillheimlich auf dem heimischen Sofa mit einem Bier zu ertränken. Es braucht Menschen, die Neues wagen und ihre anfängliche Wut in Tatendrang verwandeln, anstatt daran zu Grunde zu gehen.

„Lieber wütend als traurig“, „Freier Wille“, „Beschissenheit der Dinge“, „Frieden ist Krieg“ – geht man nach den Songs auf dem Album, seid Ihr ganz offensichtlich Freunde der klaren Worte. Hat man Eurer Meinung nach heute mehr denn je als Musiker die Aufgabe, auch politisch Stellung zu beziehen und womöglich so Einfluss auf gesellschaftliche Strömungen zu nehmen?

Klare Worte sind unbequem. Unsere Texte bereiten uns nicht nur Freunde und bestimmt auch nicht den großen Durchbruch in der Musik. Und dennoch ist es, zumindest für uns als Band, von höchstem Wert authentisch zu sein. Wir setzen uns intensiv mit dem Weltgeschehen auseinander und möchten aktiver Mitgestalter unserer Lebensumgebung sein. Dazu gehört für uns zwangsläufig auch, dass man sich eine Meinung bildet und diese unmissverständlich äußern darf. Ich fordere nicht nur die Kinder in der Arbeit oder meine eigenen dazu auf, aufmerksam durch die Welt zu gehen und sich offen mit Neuem auseinanderzusetzen. Ich verlange das Gleiche auch von unseren Hörern. Deshalb sprechen wir in klaren Zungen und hoffen natürlich, damit den ein oder anderen aufzurütteln. Hier kommt mir wieder der Kommentar vom Fanzine in den Sinn. Texte ohne Haltung und Herz wären für mich, wie ein Sommer ohne Grillen: unvorstellbar.

Die Musik ist für Euch alle nach wie vor ein Hobby. Hauptberuflich bist beispielsweise Du ja Heilerziehungspfleger in einem integrativen Kindergarten in Landshut. Hat „Minipax“ dort auch schon seine kleine Fangemeinde oder lässt Du da musikalisch den Punk eher weniger raus?

Wie schon erwähnt, sind wir alle im Herzen Punk. Somit lässt sich das auch in unseren beruflichen Tätigkeiten nicht verbergen. Unabhängig davon, dass ich meinen Schützlingen wichtige soziale Kompetenzen und einen offenen Blick auf die bereichernde Vielfalt der Welt ermöglichen möchte, nehme ich im Kindergartenalltag liebend gerne die Gitarre zur Hand und trällere mit oder für die Kinder ein Lied. Ich habe oft den Eindruck, dass die Kleinen nichts so sehr beruhigt, motiviert und verbindet, wie ehrliche Musik. Auch wenn diese eine andere Akkordfolge in sich trägt, als auf unseren Konzerten. Mein Herzblut für Punk und Musik bleibt im Hobby, wie im Beruf das Gleiche. Außerdem führen „laudato si“ und „Alle Leut“ die Hitliste im Kindergarten an.

Einen wichtigen Meilenstein der „Minipax“-Erfolgsgeschichte habt Ihr mit Eurem Debütalbum schon gesetzt. Was steht als nächstes an? Welche Schlagzeile würdet Ihr zukünftig gerne mal über Eure Band lesen?

Eine Schlagzeile, über die wir uns sicher alle freuen würden, wäre: „Die Ärzte gehen auf Abschiedstour. Support: Minipax“


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