19.02.2018, 17:24 Uhr

Wirbel um Nachlass von Fritz Koenig Landshuts OB Putz (FDP) weist Kritik an Koenig-Gedenken in Landshut zurück

Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz (Mi.) im Landshuter Stadtrat. (Foto: Schmid)Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz (Mi.) im Landshuter Stadtrat. (Foto: Schmid)

Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) hat Kritik am Umgang der Stadt mit dem Gedenken an den weltweit renommierten Bildhauer Fritz Koenig zurückgewiesen. Den Vorwurf, die Stadt blockiere eine für Juni geplante Ausstellung mit Werken von Fritz Koenig in den Uffizien in Florenz, nannte Putz heute (am Montagnachmittag) im Bayerischen Rundfunk (BR-Fernsehen / Abendschau) „absurd“.

LANDSHUT Er ergänzte: „Wir sind begeistert und deshalb haben wir immer wieder Druck gemacht. Wir haben uns auch bereit erklärt, 50 000 Euro der Transportkosten zu liefern.“ Nach den Planungen des Direktors der Uffizien, Eike Schmidt, sollen ab 20. Juni 58 Skulpturen und 32 Zeichnungen in dem weltberühmten Museum in Florenz gezeigt werden. Den Wert dieser Stücke gibt der Oberbürgermeister mit 20 bis 30 Millionen Euro an, wobei anzunehmen sei, dass diese geschätzte Zahl nach dieser Ausstellung noch steigt. Putz zeigte sich überzeugt, dass Details der Ausstellung bis spätestens Mitte März geregelt sind.

Zuvor war der Streit ums Gedenken an Fritz Koenig kurz vor seinem 1. Todestag am Donnerstag (22. Februar) weiter eskaliert. Neun Stadträte aus fünf Parteien teilten mit, dass sie an der städtischen Gedenkfeier an diesem Donnerstagabend im Rathausprunksaal nicht teilnehmen. Wörtlich greifen sie in einer öffentlichen Erklärung die städtische Veranstaltung mit diesen Worten an: „Diese Veranstaltung ist Fritz Koenigs, einem der großen Bildhauer des 20. Jahrhunderts, nicht würdig. ... Die Feier wird ... überschattet und missbraucht, um in einer unerhörten Personalangelegenheit innerhalb der Stadtverwaltung einen traurigen Höhepunkt zu setzen. Einem solch unwürdigen Schauspiel werden wir nicht beiwohnen.“

Hintergrund der Auseinandersetzungen um die richtige Ehrung für Koenig ist offenbar ein persönliches Zerwürfnis zwischen der Leiterin von Koenigs Skulpturenmuseum, Stefanje Weinmayr, einerseits sowie Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) und Museumsleiter Franz Niehoff andererseits. Putz und Niehoff sind in der städtischen Veranstaltung zum Gedenken an Koenig als Redner angekündigt. Unterzeichner des Boykotts sind die Stadträte Ingeborg Pongratz (CSU), Maria Haucke, Anja König (SPD), Hedwig Borgmann, Stefan Gruber, Sigi Hagl (Grüne), Christine Ackermann, Elke März-Granda (ÖDP) und Maria Fick (Landshuter Mitte).

Fritz Koenig, der in Ganslberg bei Landshut seine Werkstatt hatte, wurde weltweit bekannt durch seine „Kugelkaryatide“, die auf der Plaza zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers in New York stand und den Terroranschlag vom 11. September 2001 demoliert überstand. Er schuf auch die Mahnmale der Bundesrepublik Deutschland für die Nazi-Opfer im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen (Oberösterreich) und den „Klagebalken“ für die Opfer des Anschlags auf die Olympischen Spiele 1972 im Olympiapark in München. Beim Wettwerb um das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin war sein Entwurf in der Schlussauswahl.

Der Künstler Fritz Koenig zu Lebzeiten im Skulpturenmuseum. (Foto: Archiv)

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