01.06.2018, 14:23 Uhr

Zeitreise mit modernster Lasertechnik Wenn das Mammut um die Ecke tanzt ...

(Foto: Motomoto)(Foto: Motomoto)

Die Besucher klatschen Beifall. Soeben waren sie noch eingetaucht in die Geschichte der Tropfsteinhöhle Schulerloch. Viereinhalb Milliarden Jahre vergehen in sechs Film-Minuten. Eine atemberaubende Laserprojektion animiert mit 3D-Effekten, was dieser Ort erlebt hat: Vom Urknall über das Jura-Meer zu eiszeitlichen Höhlentieren, von den ersten Menschen bis in die Gegenwart.

ESSING Die Zuschauer sind nicht nur am Rande des audiovisuellen Spektakels – nein, es wird nach jeder Führung „mittendrin“ erlebt. Das Besondere an dieser Inszenierung ist der Umstand, dass die Höhlenwände und der Boden selbst als Projektionsfläche dienen. Auf den ersten Blick erschien das Vorhaben nicht realisierbar, weil das Licht des Projektors hohe Streuverluste hat und wenig durchgehend ebene Flächen im sogenannten „Tempelraum“ des Schulerlochs zur Verfügung stehen. Diese natürlichen Gegebenheiten bedeuteten eine enorme technische Herausforderung für das Team von Motomoto in München, die mit der Erstellung des Films beauftragt wurden.

Naturgeschichte am Schauplatz erlebbar machen

Seit Jahrzehnten besichtigen Tausende von Besuchern jährlich das Naturdenkmal Schulerloch im Altmühltal. Veronika Gruber hat vor rund drei Jahren die Leitung der Tropfsteinhöhle übernommen. Sie wollte den Besuchern eine neue und zeitgemäße Attraktion bieten und aus Höhlenschutzgründen bot sich die Laser-Technologie an. Im Gegensatz zu Beamerlampen verursacht diese keinen Müll. Der Laserprojektor muss aus Edelstahl sein, damit er nicht rostet, die Steuerung ist wasserdicht verpackt. Als das passende Objekt endlich gefunden war, ging es an die Umsetzung. Es gibt keine Leinwand, auf der der Film abgebildet werden kann. Allerdings konnten sechs Felswandbereiche festgelegt werden, an denen die Wand möglichst gerade nach unten fiel. In diesen Bereichen fauchen jetzt Säbelzahntiger, jagen Neandertaler oder es tanzt auch mal ein Mammut um die Ecke.

Die ausdrucksvolle Wirkung wurde erreicht, indem mit dem maximalen Kontrast von Schwarz und Weiß gearbeitet wurde. Farben setzten die Entwickler nur großflächig ein. Motomoto war mit einem 6-Mann-Team rund zwei Monate beschäftigt, um den Film zu realisieren. Die meiste Produktionsarbeit konnte in München erledigt werden. Zum Testen und Anpassen fuhr das Team jedoch immer wieder an den Schauplatz im Untergrund.

Konstante neun Grad Höhlentemperatur erfordert besondere Anpassung

Da hieß es für die Mitarbeiter, sich entsprechend einzupacken mit warmen und wasserabweisenden Jacken, festen Schuhen und dicken Socken. Es gab heißen Tee und einen Sonnenschirm, der die technische Ausrüstung vor den Tropfen schützte. Bemerkenswert sind auch die eigens für die Produktion komponierten Klänge, die Emotionen wecken und transportieren. Sie erinnern manchmal in ihrer Wucht an Filmmusik von Jurassic Park oder Star Wars.

Wenn die Zuschauer begeistert klatschen und mit leuchtenden Augen die Tropfsteinhöhle verlassen, weiß Veronika Gruber, warum sie den Film in Auftrag gegeben hat. Die Produktionskosten im mittleren fünfstelligen Bereich stellen eine gute Investition dar. Der Film ist der krönende Abschluss jeder Höhlenführung. „Manchmal kommen Gäste aus diesem Grund sogar ein zweites Mal“, freut sich Veronika Gruber und fügt hinzu: „Da kein Text gesprochen wird, kann die Botschaft von allen Menschen verstanden werden“.

Wer neugierig geworden ist, kann heuer noch bis zum 4. November diese außergewöhnliche Zeitreise live vor Ort am Ende jeder Führung erleben. Auf der Homepage der Produktionsfirma und diversen Videoplattformen gibt es auch einen kleinen Ausschnitt des Films zu sehen, der einen ersten Eindruck verschaffen kann. Auf jeden Fall ist die Laseranimation eine wirksame Methode, Geschichte vor Ort erlebbar zu machen und die Zuschauer daran zu erinnern, woher wir kommen. Und sie ist in dieser Form im Moment in Europa – wenn nicht sogar weltweit – einzigartig.


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