04.12.2017, 09:39 Uhr

Historisches Die Babonenspende von Niklas, dem letzten Herrn von Abensberg


Niklas, der letzte Herr von Abensberg (1441 bis 1485), gründete noch zu seinen Lebzeiten eine wohltätige Stiftung zugunsten der armen Bevölkerung seiner Herrschaft, die sich von Rohr über Abensberg bis nach Altmannstein erstreckte. Alle Armen sollten einmal im Jahr ein Stück Brot und ein Stück Fleisch erhalten.

ABENSBERG Die Armenspeisung fand alljährlich an seinem Namenstag, dem Fest des Heiligen Nikolaus, statt. Danach sollten alljährlich 32 Rinder geschlachtet und 32 Schäffel Korn verbacken werden, vorher wurde in einem feierlichen Gedächtnisgottesdienst in der Abensberger Pfarrkirche des Stifters gedacht. Das Original der Stiftungsurkunde ist seit fast vierhundert Jahren nicht mehr vorhanden.

Wie ist es damals in Abensberg zugegangen? Die Speisung reichte für mehrere Tausend Menschen, die aus der näheren und weiteren Umgebung nach Abensberg gekommen waren. Diese Naturalspende wurde jedoch Mitte des 18. Jahrhunderts unter dem bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph in eine Geldspende für die Armen des Landgerichts Abensberg umgewandelt, später wurde das Geld für die Schulen verwendet, bevor diese Stiftung in den Wirren der Inflationszeit nach dem I. Weltkrieg untergegangen ist. Diese großartige soziale Wohltat des ausgehenden Mittelalters blieb jedoch über die Jahrhunderte bis heute im Bewusstsein der Bevölkerung verankert.

Ursprünglich befand sich an der Stadtinnenseite am Abenstor ein Wandgemälde, das Niklas von Abensberg kniend vor einem Kreuz dargestellt hat. Die älteste Abbildung ist eine Bleistiftzeichnung von 1838. Nachdem dieses Gemälde im Laufe der Jahrzehnte verwittert war, hat die Stadt Abensberg den Historienmaler Albert Stahl von München beauftragt, ein neues Gemälde für das Abenstor zu fertigen. Die Babonenspende wurde auf eine Blechplatte gemalt, die am Abenstor befestigt wurde. Dazu fand am 28. Februar 1851 in der Klosterkirche ein feierlicher Gottesdienst mit der anschließenden Enthüllungsfeier am Abenstor statt. Die Feier wurde von Geschützsalven und Musik umrahmt, mit anwesend waren die Abensberger Bevölkerung und die Schuljugend, die Geistlichkeit, die Landgerichtsbeamten und der Stadtmagistrat. Nachdem das Abenstor im Juni 1901 abgebrochen wurde und die Bildtafel mit der Niklasspende entfernt worden war, hat der Abensberger Kunstmaler Fritz Rößler dieses Bild restauriert und erneuert. 1903 wurde dieses Bild nach einer Umbaumaßnahme im Rathaus an der Giebelseite des Rathauses angebracht. Dort blieb diese Platte bis 1964. Dann malte der Abensberger Ferdinand Kieslinger ein neues Motiv der Babonenspende an die Fassade des Rathauses. Mit dem Umbau im Rathaus 1979 wurde auch dieses Gemälde beseitigt. Da das Gemälde am Rathaus ziemlich verwittert war, haben es Herr Andreas Artinger und Herr Franz Karl um 1950 restauriert. Die Platte ist jedoch verschollen.

Der Abensberger Verleger und Herausgeber des Abensberger Tagblatts, Josef Kral, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg das Festspiel „Niklas, der letzte Abensberger“ geschrieben. 1953 gelang es, dass der Heimatverein Abensberg mit zahlreichen Abensberger Laienschauspielern dieses Stück einstudiert hat, welches unter Mitwirkung des Musikvereins und der Liedertafel Abensberg am Freitag, 4. Dezember 1953, im Pfarrsaal Abensberg uraufgeführt wurde. Fünf weitere Aufführungen erfolgten in der ersten Dezemberhälfte 1953.

1965 kam dieser Gedanke an die Babonenspende von Niklas wieder auf, wobei nicht so sehr die Armenspeisung im Vordergrund stand, sondern ein Tag der Kinder. Dabei sollte den Kindern dieser Teilaspekt der Abensberger Geschichte wieder näher gebracht werden. Maßgebende Organisatorinnen waren die damaligen Lehrerinnen Frau Dominika Nell und Frau Edith Senger, die zusammen mit Schülern der dritten Klasse die Geschichte der Babonenspende vortrugen. Dies geschah nicht irgendwo, sondern im Eingangsbereich und im ersten Obergeschoss des Abensberger Rathauses im Beisein des Abensberger Bürgermeisters Ludwig Berger und des Oberschulrats Hanns Haller. Zur Erinnerung an die Babonenspende verteilte Bürgermeister Ludwig Berger an alle Schülerinnen und Schüler den Niklaslebkuchen, der eigens zu dieser Veranstaltung gebacken wurde. Zu dieser Zeit befand sich an der Fassade des Abensberger Rathauses zum Stadtplatz hin noch das großflächige Kieslinger-Gemälde von der Babonenspende und im Sitzungssaal hing ein Wandbehang, den der Abensberger Künstler Ferdinand Kieslinger mit dem Motiv der Stiftung der Babonenspende von Niklas von Abensberg geschaffen hatte.

1966 versammelten sich die Schüler der vierten Klassen mit ihren Klassenlehrerinnen Frau Nell und Frau Senger vor dem Rathaus zu einem kurzen Spiel, wobei der Babonenspende von Niklas gedacht wurde. Der Burgvogt, dargestellt von Herrn Karl Atzinger, ließ von den beiden Burgfräulein die bereitstehenden Brezen und Würste verteilen. Die Schüler wiederum brachten Geschenke in das Krankenhaus, in das Altenheim, in den Kindergarten und zu den Schulschwestern. Den Text zu diesem kurzen historischen Spiel hat der Abensberger Ehrenbürger Alfons Listl verfasst. Im Jahr darauf, 1967, sollte die Babonenspende erneut am Stadtplatz aufgeführt werden. Witterungsbedingt musste die Babonenspende in den Vorraum des Abensberger Rathauses verlegt werden.

Auf Initiative des Stadtverbandes Abensberg wurde der Niklasmarkt 1971 wieder neu belebt. Nach der Aufführung des Niklasspiels wurden etwa 1000 Kinder des Schulverbandes mit Knackwurst und Niklasweckerl beschenkt. Abensberger Geschäftsinhaber und der Stadtverband Abensberg organisierten 1972 den Niklasmarkt. Für Geschenke an die Kinder stellte der Stadtverband über 500,-- DM zur Verfügung, so dass jedes Kind wieder eine Wurst mit Semmel erhalten konnte. Am Stadtplatz waren Verkaufsstände aufgestellt und das Niklasspiel wurde von den Karl Atzinger und Herbert Günther sowie von 20 Mädchen und Buben der Abensberger Singschule gestaltet. 1973 fand der Niklasmarkt in Verbindung mit dem neu gegründeten Werbekreis statt. Der Stadtverband Abensberg beschenkte die Kinder wieder mit der Babonenspende, die Stadt Abensberg sorgte sich um das Niklasspiel und der Werbekreis um die Verkaufsstände. Beim Niklasmarkt 1974 wurden an die Kinder wieder Würstl und Semmeln verteilt. Der Werbekreis startete an diesem Tag eine große Losaktion. Neben den Kindern beschenkte 1975 der Stadtverband Abensberg in Verbindung mit der Stadt Abensberg auch die Patienten des Krankenhauses und die Bewohner des Altersheimes. Eine Losaktion wie in den letzten Jahren startete auch heuer wieder der Werbekreis. Am Niklasmarkt 1976 führten die Kinder der Sing- und Musikschule Abensberg nach dem Gottesdienst das Niklasspiel auf. An die Kinder wurden Würstl und Niklasweckerl verteilt. Nachmittag gab die Bläsergruppe des Musikvereins ein Standkonzert und anschließend fuhr der Nikolaus mit einer Pferdekutsche durch die Stadt und verteilte Madarinen, Nüsse, Äpfel und Gebäck. Für das Kinderkarussell stellten die Abensberger Geschäfte 1.800 Freikarten zur Verfügung. Auch ins Krankenhaus und ins Altersheim kamen anlässlich des Niklasmarktes die Vertreter des Werbekreises und des Stadtverbandes Abensberg mit dem Nikolaus und überreichten Geschenke, die vom Werbekreis gestiftet worden sind. Am Niklasmarkt 1977 fand vormittags ein Kindergottesdienst und anschließend das Niklasspiel statt. Die Aktiven dieses Spiels verteilten dann an die Kinder die vom Stadtverband gestifteten 600 Würstl und Niklasweckerl. Damals hat der Werbekreis mehrere Zubringerbusse in die Umgebung von Abensberg eingesetzt. Am Niklasmarkt 1978 verteilte der Stadtverband Abensberg nach dem Niklasspiel wieder Würstl und Semmeln an die Kinder. Die Stadt Abensberg hat zum Gedächtnis an Niklas, Herrn von Abensberg, erstmals 1977 den Niklasmarkt am Abensberger Stadtplatz abgehalten, der seitdem immer am ersten Dezember-Wochenende stattfand. 2004 war es nach mehreren Jahren Diskussion endlich gelungen, den Niklasmarkt in den Schlossgarten zu verlegen. Aus diesem Anlass führte die Theatergruppe Lampenfieber unter der Leitung von Frau Angelika Süß wie in den Jahren vorher auch schon die Babonenspende zum ersten Mal am historischen Platz vor dem Herzogskasten und im ehemaligen Schloss auf. Zur Erinnerung an die Babonenspende und an die Theater-Aufführung 1953 von Josef Kral hat die Theatergruppe Lampenfieber mit einer neuen Inszenierung von Frau Angelika Süß im Kreuzgang und Kreuzgarten des ehemaligen Karmelitenklosters Abensberg im November 2005 das historische Schauspiel „Niklas, der Letzte von Abensberg“, aufgeführt. Unter den Zuschauern befanden sich auch einige Schauspieler der Aufführung von 1953. Seit 2014 wird der Niklasmarkt an zwei Wochenenden abgehalten, dabei wird die sog. Babonenspende zur Erinnerung an den Stifter, Niklas von Abensberg, in einer neuen modernen Art aufgeführt.


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