22.06.2019, 18:01 Uhr

Künstler Uli Reindl Von der Schloss-Idylle zu traumhaften Kunstwerken inspiriert


Schloss Warth bei Marklkofen ist seit acht Jahren die Heimat von Künstler Uli Reindl. Hier findet der 69-Jährige nicht nur genügend Platz für seine Arbeiten, sondern auch die Inspiration und Ruhe, um seine Träume auf die Leinwand zu bringen.

WARTH/MARKLKOFEN Einmal auf einem richtigen Schloss wohnen, umgeben von ganz viel Natur und Ruhe – was für viele noch einem Traum klingen dürfte, war für den gebürtigen Mittelfranken Uli Reindl eigentlich unvorstellbar. Bis, ja bis er zum ersten Mal Schloss Warth bei Marklkofen sah. „Das war quasi Liebe auf den ersten Blick – und das obwohl ich eigentlich nie nach Niederbayern wollte“, schmunzelt der 69-Jährige.

Seit acht Jahren lebt der Künstler, der zuvor den Großteil seines Lebens in und um München verbracht hat, nun in der Idylle – und will sie nicht mehr hergegeben, auch wenn er sich hier anfangs eher wie ein künstlerischer Eremit vorgekommen sei. Denn genau diese Idylle ist es, die den Absolventen der Münchner Akademie der Bildenden Künste, freischaffenden Maler und Illustrator immer wieder aufs Neue zu wahrlich traumhaften Werken inspiriert.

Erbaut wurde das Landschloss Warth im 16. Jahrhundert. 1941 erwarb es Adolf Mann, der in den großzügigen Räumlichkeiten später sogar die erste Filterproduktion der heute weltweit bekannten Firma „Mann + Hummel“ betrieb. Mit Stallungen und Gärtnerei wurde das großzügige 30.000 Quadratmeter große Anwesen sogar landwirtschaftlich genutzt. Bis heute ist das Schloss Warth im Familienbesitz von Manns Nachkommen. Und die haben aus dem Landschloss einen traumhaften Ort für derzeit 15 Bewohner geschaffen, die hier in neun Wohneinheiten leben und sich von hier aus künstlerisch wie sozial engagieren.

In einer der größten Wohnungen hat es sich Künstler Uli Reindl zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Dokumentarfilmerin Sylvie Banuls, gemütlich gemacht. Direkt daneben befindet sich in einem Gewölbe sein Atelier, das früher auch schon als Keramik-Werkstatt genutzt wurde. Hier kann er seinen Gedanken und vor allem seinen Träumen freien Lauf lassen – und sie auf teils großformatigen Leinwänden festhalten.

„Man spürt, dass der Ort hier eine Geschichte hat. Er besitzt eine Kraft, die einen berührt. Da kommt man gar nicht aus“, sagt der 69-Jährige. „Überwiegend male ich Motive, die mich in meinen Träumen begleiten. Ich nenne meine Kunst deshalb auch ,Traummalerei’. Alle Werke sind sehr persönlich und von unterschiedlichen Lebensphasen geprägt. Deshalb sind sie mal sehr dunkel, aber auch mal sehr farbenfroh.“

Für den Betrachter macht Uli Reindls Traummalerei unwillkürlich einen besonderen Reiz aus. Denn manchmal sind seine Träume mit einem Blick klar zu erfassen, ein anderes Mal erschließt sich die Geschichte dahinter erst beim zweiten, dritten Betrachten.

Seine Kreativität gibt der Künstler gerne auch an andere Menschen weiter. Regelmäßig veranstaltet er für Kunstinteressierte Workshops auf dem Schloss, die sich von der Idylle inspirieren lassen und unter der Anleitung eines Profis dazu lernen möchten.

Ebenso am Herzen liegt Reindl aber auch, junge Menschen in ihrer Kreativität zu fördern und damit zum kulturellen Angebot in der Region beizutragen. Er hat sich deshalb dem Verein „Andrerseits e.V.“ angeschlossen, dessen Initiatorin Christa Mennerich ebenso auf Schloss Warth lebt. Der Verein betreibt in Dingolfing nicht nur das „Erlebniscafé“, sondern trägt mit unterschiedlichsten Veranstaltungen auch zum gesellschaftlichen wie kulturellen Leben in der Region rund um Dingolfing bei.

Angeboten werden beispielsweise kostenlose Workshops, in denen Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, unter der Anleitung von Profis selbst kreativ zu werden. „Im März hatten wir einen Comic- und Mangaworkshop, den ich zusammen mit Trickfilm-Zeichner und Schloss-Mitbewohner Ralf Nievelstein veranstaltet habe. Aktuell läuft der Film-Workshop, bei dem man alles vom Drehbuch über die Kamera und Schnitt bis hin zur Kinopremiere lernen kann. Vom 3 bis 7. August zeigen Ralf Nievelstein und ich dann noch in einem Buchdruck-Workshop, wie aus selbst geschriebenen Texten, aus Comicgeschichten und Fotos ein Buch entsteht und wie es am Ende gedruckt wird“, erzählt der 69-Jährige.

Langweilig wird es dem kreativen Wahl-Niederbayern also so schnell nicht – und falls doch, dann macht es sich Uli Reindl einfach im traumhaften Schlossgarten gemütlich und lässt sich von der Muse küssen. Denn „an einem so wunderschönen Platzerl wie hier“, das fällt einem sicher immer wieder Neues ein.

Weitere Infos zu Uli Reindl, zu seinen Arbeiten, Ausstellungen und Workshops findet man unter www.ulireindl.com – Infos zum Verein „Andrerseits e.V.“ und dessen Veranstaltungen gibt es unter www.andrerseits.info.


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