04.02.2018, 17:48 Uhr

Kunst trifft Politik

Das Foto zeigt (v. l.): Ernst Herrmann, Karl Hauser, Petra Baumgärtner, Christine Weileder, Bernd Sibler, Thomas Darcy, Dr. Rainer König, Johannes Pasquay. (Foto: Kunstverein Deggendorf)Das Foto zeigt (v. l.): Ernst Herrmann, Karl Hauser, Petra Baumgärtner, Christine Weileder, Bernd Sibler, Thomas Darcy, Dr. Rainer König, Johannes Pasquay. (Foto: Kunstverein Deggendorf)

Ob in der Politik immer klar ist, was konkret in Kunst und Kultur passiert? Gegenfrage: Ob im Kulturbetrieb die Verantwortlichen immer auch wissen, wie organisatorische Mechanismen wie beispielsweise Förderanträge funktionieren?

DEGGENDORF Der Vorstand des Kunstvereins Deggendorf e.V. traf sich in der Galerie Pasquay zu einem entsprechenden Meinungsaustausch mit Bernd Sibler. Dieses Treffen hatte für beide Seiten gleich mehrere Aha-Effekte. Johannes Pasquay, immerhin einer der Gründerväter des Kunstvereins, kommentierte, dass es in der Kunst „viele Perlen gibt, die immer wieder neu gehoben werden müssen“. Dies sei eine der Aufgaben, die er mit seiner Galerie beansprucht. Dabei verwies er auf die aktuelle Ausstellung Aluart in Kooperation mit dem Fotografen Ernst Herrmann und dem Unternehmer, Kunstförderer und Künstler Peter Jaruszewski.

Sibler, seit 2011 Staatssekretär im Staatsministerium für Unterricht und Kultus, möchte auch die lokale Kulturlandschaft unterstützen. „Ihnen sollte klar sein, dass es Fördermöglichkeiten gibt, die es zu beantragen gilt.“ Thomas Darcy, Vorsitzender des Kunstvereins, verwies auf eine satzungsgemäße Aufgabe des Vereins, die Kunst in der Region zu fördern. Dies könnte der Verein nur mit ausreichend finanziellen Mitteln. Zwar seien die Mitgliedsbeiträge der mittlerweile 138 Mitglieder eine wichtige Quelle, trotzdem wünschte er sich verstärkte Kontakte zu Behörden und weiteren öffentlichen Einrichtungen. Dr. Rainer König, „Finanzminister“ des Vereins, nannte als konkretes Beispiel die Mieten, die der Verein zwei bis drei Male im Jahr für den Kapuzinerstadl berappen müsste. „Dazu gibt es aber glücklicherweise Zuschüsse der Stadt – die verantwortlichen haben offenbar die kulturelle Relevanz unseres Vereins erkannt“. Wichtig seien dabei, so Darcy weiter, nicht nur offizielle Kontakte sondern grundsätzlich die Kommunikation und der Austausch über soziale Netzwerke wie der „KunstZeitung“, die es bereits elf Jahre gib.

Das Interesse an der Kunst sei sehr wohl vorhanden, so stellvertretender Vorsitzender Karl Hauser. „Trotzdem müssen wir das in der Öffentlichkeit noch viel weiter hervorheben“. Hauser stellte sich eine Kombination mit der Musik vor, wie es in der Nachbarstadt Plattling eine gute Tradition hat.

Sibler benannte als gutes Beispiel das Konzerthaus in Blaibach. Vom Musiker und Sänger Thomas Bauer vorangetrieben, hätte dieser Kulturmagnet eine große Unterstützung in der eigenen Bevölkerung erfahren. Als Folge sei der Ortskern und etliche Architekturprojekte überarbeitet worden. „Hier wurde die alte historische Struktur mit modernen Elementen passend kombiniert“. Dazu gebe es für den kulturellen Bereich in Niederbayern beispielsweise die Europäischen Wochen in Passau. „Die Passauer Szene ist übrigens eng mit der Linzer Szene verwoben und auch in Straubing und Landshut gibt es jeweils aktive kulturelle Szenen“. Wichtig sei eine zunehmende Vernetzung, so sei in Passau eine Jugendkunstschule auf den Weg gebracht, dies ein Pilotprojekt mit dem Kunstpädagogen Prof. Dr. Alexander Glas von der Uni Passau. Sibler brachte weiter Dr. Maximilian Seefelder ins Gespräch, hier in seiner Funktion als Bezirksheimatpfleger. „Der ist als einer von sieben dieser Funktionsträger ein exzellenter Kenner der Kunstszenen und ein echter ‚Think Tank‘“.

Zum Thema Fördergelder war sich die Runde einig: es sind Fördertöpfe da, aber sie werden viel zu selten abgerufen. Für Darcy gibt es allerdings zu wenig Sicherheit der Förderung. „Der Kunstmarathon vor zwei Jahren war eine echte Zitterpartie, obgleich er für alle Seiten zum echten Erfolg wurde. Wir mussten den Event ja im Voraus planen, die fehlende Verbindlichkeit der Geldgeber hat uns trotzdem sehr nervös gemacht“.


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