14.11.2019, 13:44 Uhr

Heimat-Spektakel Acht „Wölfe“ riegelten kräftig auf der „Kejbruck“


Weit mehr als eintausend Zuschauer verfolgten das Treiben.

BODENMAIS „D`Kejbruck“: Dieses Bauwerk hat in Bodenmais nicht nur durch die Wolfauslasser schon eine lange Geschichte, sondern auf ihr wurden schon die Viehherden über den Rißbach getrieben, als sie im Herbst von den Almwiesen in die heimischen Stallungen zurückkehrten. Die Brücke ist ein Synonym für die Wolfauslasser. Ohrenbetäubend kündigten sie auch an dieser kalten Martini-Nacht am Montag wieder das Ende des Hirtenjahres an und erzeugten eine bombastische Stimmung, wenn auch für so manchen Mitwirkenden beim Abschlussläuten die Nacht von Sonntag auf Montag viel zu kurz war. Von einem „wunderbaren Abend“ sprach Bürgermeister Joachim Haller.

Ob der vorgenommenen Absperrungen ergänzte der Rathauschef: „Es hat alles sehr gut geklappt“. Ausdrücklich dankte er den Freiwilligen Feuerwehren Bodenmais, Böbrach und Oberried für die Unterstützung bei den Verkehrsumleitungen, dem einsatzbereiten BRK Bodenmais und dem örtlichen Bauhof für die Absperrmaßnahmen. Zur Situation auf der „Kejbruck“ meinte der Bürgermeister: „Wir haben nur diesen Bereich vom Straßenverkehr her gesperrt und den Verkehr umgeleitet, was für die vielen Besucher ein ungetrübter Genuss war“. An die 500 Wolfauslasser kamen am Montagabend auf der Bodenmaiser „Kejbruck“ zusammen, in nicht weniger als acht „Wölfen“ – darunter natürlich die „Heuern“, die „Hewerler“, die 1. Bodenmaiser Wolfauslasser, Christoph Müller mit seiner Truppe, die „Federler“ und mit den „Wölfen“ aus dem Zellertal, Auerkiel und Kaikenried starke Gruppen aus dem Umland - zogen sie mit riegelnden Schöllen und knallenden Goaßln, so wie es eben das Brauchtum verlangt, auf das geschichtsträchtige Areal über dem Rißbach ein. Weit mehr als eintausend Menschen aus allen Himmelsrichtungen – eingepackt in mollige Winterkleidung – verfolgten das Traditions-Spektakel. Etliche Männer, Burschen, Mädels und Kinder schlossen sich den „Wölfen“ an oder bildeten selbst kleinere Gruppen. Anlässlich des 40-jährigen Gründungsjubiläums der 1. Bodenmaiser Wolfauslasser e. V. überreichte Hirte Josef Muhr von den „Hewerler“ an Vorsitzenden Michael Saller und Hirte Stefan Saller ein graviertes Glasteller auf der „Kejbruck“.

Mehr als zufrieden sind die Verantwortlichen des Wolfauslassens in Bodenmais, denn sie haben sich nach „Klouster“ zu einer zweiten Hochburg gemausert. Zwei Tage lang waren die Gruppen unterwegs und forderten mit dem Aufsagen des Hirtenspruches den „Jahreslohn“ ein. Nach dem Spruch und dem schweren Geläut „entlohnt“ der Hausherr die Wolfauslasser, die dann weiterziehen. In den Gaststätten und Wirtshäusern sowie in den Hotels der Gemeinde sowie auch in der Seniorenresidenz St. Benediktus wurden sie freundlich aufgenommen, für die Urlauber stellten sie eine Attraktion dar und jene Menschen, die gegenwärtig ihre Ferien in Bodenmais verbringen, wollten natürlich über dieses Brauchtum aufgeklärt werden - die Wolfauslasser standen da auch mit Rat und Tat zur Seite. Christian Haller, Hirte der „Heuern“, ist es in den vergangenen Jahren bestens gelungen, die Gruppen wieder aneinander zu führen, er ist Motor und animiert das ganze Jahr über, diese Tradition zu pflegen. Zusammenhalt und Gemeinschaft sind vorrangig. Die Wolfauslasser verkörpern eben Bodenständigkeit und bestreiten die anfallenden Kosten in Eigenfinanzierung. Nach dem „großen Einsatz“ auf der „Kejbruck“ sind die Wolfauslasser wieder in ihre Quartiere zurückgekehrt. Nicht unerwähnt darf die Unterstützung, Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit der Hausbesitzer bleiben, die den Wolfauslassern ihre Räumlichkeiten zur Ordnung der Gruppen und Aufbewahrung der Glocken zur Verfügung stellten. In der Martini-Nacht wurde in den Unterkünften gemütlich beieinander gesessen, die beim Auftritt schwitzenden Wolfauslasser entlohnte so manche Maß Gerstensaft für den guten Durst und eine schmackhafte Brotzeit für die knurrenden Mägen. Alles in allem gilt eines schon als sicher: Die Vorfreude auf das Wolfauslassen und Martiniläuten 2020.


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