05.11.2019, 09:09 Uhr

Die Wölfe kommen Großes Wolfauslassen in Rinchnach


Die wildeste Nacht des Jahres steht bevor.

RINCHNACH In den frühen Abendstunden des 9. Novembers beginnt in den einzelnen Dörfern der Gemeinde Rinchnach und in vielen Orten des Bayerischen Waldes das Wolfauslassen mit dem sogenannten Anmelden. Die Wölfe (Wolfauslassergruppen) ziehen dabei von Haus zu Haus. Der Hirte überbringt seine Botschaft in Form eines Hirtenspruches und bekommt vom Hausherren den Hirtenlohn, mit dem er seinen Wolf in den kommenden beiden Tagen versorgt.

Am Sonntag, 10. November, um 18.30 Uhr beginnt im Ortkern von Rinchnach das „Große Wolfauslassen“ und damit die wildeste Nacht des Jahres, bei diesem weltweit einzigartigen Brauchtumsspektakel. Dabei wirken alljährlich über 500 Brauchtumsbegeisterte mit kleinen und überdimensional großen „Kuhglocken“ in unterschiedlichsten Formen mit. Ergänzt wird das laute Dröhnen der Glocken vielfach durch laute „Goaßlknaller“, die mit langen Hanfgoaßeln, erzeugt werden. Im Dreier-, Vierer- oder sogar im Fünfertakt kann man die Goaßelschnalzer bewundern.

Zehn „Wölfe“ (so nennt man eine Gruppe Wolfauslasser) aus der Gemeinde Rinchnach und vereinzelt auch auswärtige Wolfauslassergruppen präsentieren sich nacheinander den Zuschauern, im mit einem großen Heliumballon beleuchteten Ortskern. Alle 15 Minuten ziehen zwei Gruppen in die Rinchnacher Hofmark ein und präsentieren sich den Zuschauern. Die Widdersdorfer Wolferer sind nicht nur die bekannteste, sondern auch die größte Gruppe und ihr Hirte Dominik Niedermeier darf heuer auch den Hirten aller „Wölfe“ machen. Um 21.15 Uhr treffen sich nämlich wieder alle Wolfauslassergruppen im Ortskern, um zum Höhepunkt für die Zuschauer gemeinsam zu läuten.

Die ganze Nacht hindurch ist im Ortskern, in den Gasthäusern im großen Saal und im beheizten Wolfauslasserzelt sozusagen der Wolf los. Um sechs Uhr morgens wird der Tag angeläutet, bevor zumindest in Rinchnach die Wolfauslasserglocken für ein Jahr auf den Dachboden verschwinden. In einzelnen Dörfern hört man noch am Mittag des Martinitages Wölfe läuten.

Hintergründe:

Rinchnach ist seit 28. Juni 2009 nicht nur die inoffizielle Hochburg der Wolfauslasser sondern auch Weltrekordhalter. Mit 1370 Wolfauslassern läuteten, die zum Takt, den ein Hirte ihnen mit seinem Hirtenstock vorgab, wurde anlässlich des 60. St. Guntherfestes dieser Fabelweltrekord aufgestellt.

In Rinchnach gibt es auch die vermutlich größte Sammlung von alten Kuh- und Stierglocken – derzeit über 500 Stück (fein säuberlich restauriert und schön nebeneinander am Speicher aufgehangen). Sie ist im Privatbesitz von Herbert Katzdobler, selber ein begeisterter Wolfauslasser und langjähriger Hirte.

Die größte Glocke gibt es auch in Rinchnach. Diese ist 100 Zentimeter hoch und wiegt über 50 Kilogramm.

Glockenmacher und jemanden, der die aufwendigen Lederriemen für die schweren Glocken macht, gibt es in Rinchnach auch.


0 Kommentare