29.08.2018, 13:52 Uhr

Renate Maier „Gstanzln“ und „A Musi im Dorf“


Bodenmaiser Heimatabend im voll besetzten Pfarrzentrum.

BODENMAIS Die Stimmungskanone ist eine Wucht, nicht nur körperlich. Dagegen kann so manche Fastenpredigt ermüdend wirken, wenn sich Renate Maier so richtig ins Zeug legt. Das hat die „Gstanzlkönigin“ aus dem Rottal bei „A Musi im Dorf“ im Pfarrzentrum getan. Es war kein abgedroschener Heimatabend in regengeschütztem Ambiente, zwar ohne Drescher, vielmehr wurde offensichtlich, dass sich die Mitwirkenden zu ihren Wurzeln aus tiefstem Herzen bekennen und das gelebte Brauchtum auch den Feriengästen, die mit vielen Einheimischen und Besuchern aus dem Umland zum Publikum zählten, nahebringen. Und: Wer sich diese Veranstaltung im voll besetzten Pfarrsaal entgegen ließ, war selber schuld! Jedenfalls aber: Mit der Verpflichtung von Renate Maier hat die Bodenmais Tourismus und Marketing (BTM) GmbH – vor Ort durch Elke Saller vertreten – ein gutes Händchen bewiesen und einen absoluten Volltreffer gelandet. Ja, solche Einfälle locken ein gemischtes begeistertes Publikum an, das aus allen Altersgruppen besteht.

Die Mitwirkenden des Abends gaben sich ein fröhliches und harmonisches Stelldichein. Als besonderer Akteur stach unweigerlich die Humoristin, Künstlerin, Hochzeitsladerin – einige Titel mit denen sich die 49-jährige Ehefrau ihres Managers Otto Maier und Mutter von Annette und Marina berechtigterweise schmücken darf – aus der Nähe von Pfarrkirchen hervor. Nicht minder aber sind die Einlagen der weiteren Darbietenden zu bewerten. Natürlich lief auch Tobias Krenn in seiner bewährten Funktion als Moderator wieder zur Hochform auf. Mit Renate Maier hat er im Verlauf des Abends ein Duo gebildet, wie man es zuvor wohl noch nie zu sehen bekam. An dem mit seiner Leibesfülle zur „Gstanzlkönigin“ passenden 20-jährigen Lokalmatador war es auch, die Begrüßung vorzunehmen, nach dem die Bodenmaiser Tanzlmusi, diesmal in Dirndl und Lederhose durch Veronika Leutner, Sonja Pfeffer, Anton Kronschnabl, Hans Andres, Reinhard Andres, Gernot Andres und Franz Bauer verkörpert – schneidig aufspielte sowie auch während des Programms und zum Ausklang zu den Instrumenten griff. Bevor Renate Maier, die sich mit ihren „Gstanzln“ über eine der letzten Männerdomänen wagte und dies auch eroberte, ihr Debüt in Bodenmais hatte, war der Volks- und Gebirgstrachtenverein „D`Ri0locher“ an der Reihe. Mit den verschiedenen kleinen und großen Gruppen haben sie sich bei „A Musi im Dorf“ wieder durch mehrere Darbietungen als herrlicher Blickfang gezeigt. Die Saalpächter Franz Bauer und Gabi Weinberger kümmerten sich mit ihrem Team um das Wohl der Besucher.

Die Aktivitäten der Bodenmaiser Trachtler abzuwerten, geringzuschätzen oder gar zu belächeln wäre fehl am Platz, das Gegenteil ist nämlich der Fall: Der Verein hat sich nicht zuletzt durch den florierenden Nachwuchs, sondern auch durch mutige Leute manifestiert im Ort, damit die vor Jahren läutende Totenglocke überhört und eine neue Blüte entfacht. Heute steht fest: Der Verein lebt und ist auf einem guten Weg. Wie allen Mitwirkenden des Abends war auch ihnen ein kräftiger und anhaltender Applaus sicher. Die unsichere Wetterlage hatte die BTM-Verantwortlichen veranlasst die Veranstaltung in das Pfarrzentrum zu verlegen und etliche Besucher folgten auch dem Hinweisschild am Marktplatz, wo ursprünglich „A Musi im Dorf“ geplant war. Selbst vorgestellt hatte sich Renate Maier aus Wolfskugel, „aber einen Wolf gibt es dort nicht mehr, der ist ausgezogen, als ich kam“. Einen Lacher nach dem anderen servierte sie und in Tobias Krenn hatte die Frau mit „einer ausgewachsenen Lebensmittelschwangerschaft“ den idealen Partner für ihre „Gspassetteln“ gefunden. Bis vor einigen Jahren war sie Bäuerin, der Hofbetrieb musste aber wegen der Krankheit des Ehemannes eingestellt werden, mit ihren Auftritten wird der Lebensunterhalt für die Familie bestritten. Über ihre Herkunft, die sie nicht verleugnet, informiere das KfZ-Zeichen „PAN“, was aber „Pass auf Niederbayer“ bedeute. Später meinte sie an den Moderator des Abends gewandt: „Wir beide brauchen nicht verhüten, weil wir kommen sowieso nicht zusammen“. Immer wieder brandete tosender Beifall auf. Was würde da der begnadete Roider-Jackl sagen? Renate Maier ist ein Naturtalent, ohne Starallüren, im Saal herrschte heitere und ausgelassene Stimmung. Normalerweise genießt die „Gstanzsängerin“ das Bad in der Menge, aber durch das leicht verzurrende Kabel des Mikrofons wurde sie an kurzer Leine gehalten – da besteht eben im Pfarrzentrum noch Nachholbedarf, ein zeitgemäßes Mikrofon anzuschaffen! Ein lustiges „Gstanzl“ widmete Renate Maier auch dem Zustand im Saal und den verwöhnten Besuchern, dass es an diesem Abend als einzige Speise nur warmen Leberkäse gab – humorvolle Geschichten im Bezug zur Realität eben. Aber Renate Maier teilte nicht nur aus, sondern konnte auch über sich selbst lachen, wie in dem Fall, als sie sich nicht daheim aufhielt, beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“, „nicht dass wir noch durchfallen“. Ein Soloauftritt von Renate Maier wäre schon abendfüllend gewesen – das muss zugegeben werden. Da bleibt aber zu sinnieren: Wenn es der erste Auftritt von ihr nun in Bodenmais gewesen ist, können ja weitere folgen ... und so ein großartiges Publikum hat bestimmt nichts dagegen.


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