24.08.2018, 14:38 Uhr

Novum Mit dem Burgwächter auf Kollnburger Zeitreise

(Foto: jos)(Foto: jos)

Erste Führung ein voller Erfolg. Nächste Führung am Samstag, 25. August.

KOLLNBURG Ein Novum fand in diesem Monat mit einer ersten Führung mit dem Kollnburger Burgwächter Hans Lechner statt, der mit seinen Begleitern eine Zeitreise durch die Historie der Gemeinde Kollnburg mit seiner Burg präsentierte und dabei mit exzellentem Fachwissen glänzte.

Nicht nur Urlaubsgäste, auch Bürger aus dem Burgdorf fanden sich neugierig am Ausgangspunkt beim Rathaus ein, um Wissenswertes und Interessantes aus der Geschichte Kollnburgs zu erfahren. Hans Lechner verstand es dabei hervorragend, mit einem stimmungsvollen und unterhaltsamen Rundgang in einer Zeitreise die wechselvolle Geschichte der fast 900 Jahre alten Burg Kollnburg mit ihren versteckten Schätzen, die noch immer auf ihren Finder warten, lebendig werden zu lassen. Nun findet nach dieser ersten erfolgreichen Burgwächterwanderung in Kollnburg bereits am Samstag, 25. August, um 16.30 Uhr eine zweite Führung statt.

Am 1. September, 15. September und 14. Oktober finden jeweils um 16.30 Uhr mit Treffpunkt jeweils am Rathaus weitere Termine statt, zu denen alle Interessierten eingeladen sind. Die Dauer einer Führung mit Besteigung des Turms beträgt jeweils eineinhalb Stunden.

Hans Lechner gibt hierzu einen kleinen Einblick in die Geschichten des Burgwächters.

So wissen die Heimatforscher mittlerweile, dass die ersten Burgherren den Namen von Kalmperger angenommen hatten, wie es zur damaligen Zeit üblich war. Damals gab es noch keine Nachnamen, so dass Adelige sich örtliche Namen und Landschaftsbezeichnungen zunutze machten und so Grafen von Bogen hießen oder auch Graf Arco, nach der Stadt am Gardasee. Und so geschah es auch mit dem ersten namentlichen Geschlecht der Kahlenperger. Teilweise wurden sie auch Kalmperger oder Challenperg genannt. Woher dieser Name kommt, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Jedoch liefert die moderne Sprachforschung erste Indizien, die auf eine Besiedlung der Kelten hinweisen. In dieser Gegend lebten laut griechischen und römischen Geschichtsschreibern die keltischen Boier. Diese sind die Namensgeber von Böhmen und Bayern.

Erstmals wurde die Burg im Jahre 1153 schriftlich erwähnt. Aber auch damals wiesen die Geschichtsschreiber darauf hin, dass diese Burg und der Ort noch viel älter seien. Nach den Challenbergern kamen dann die Nussberger nach Kollnburg. In dieser Zeit ab 1365 bis zum Beginn des Böcklerkrieges erlebte Kollnburg seine Blütezeit. Die Nussberger wurden zu Erbmarschällen des Herzogtum Straubing-Niederlande; das waren Vertreter der Herzöge. Damals waren die Kollnburger sozusagen die „Fugger Niederbayerns“ und haben den Herzögen viel Geld geliehen, aber auch ein Spital gestiftet und Kirchen errichtet. Als das Herzogtum Straubing-Niederlande von der männlichen Erbfolge an das Herzogtum München-Bayern fiel, begann der Niedergang Kollnburgs und der Burg. Der Böckleraufstand 1466-1468 gegen den Münchner Herzog Albrecht IV, scheiterte kläglich, und es war einer der letzten Ritterkriege, da mit Aufkommen der „Feuerwaffen“ die Burgen ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren.

Unter dem Geschlecht der Laiminger wurde die Burg von den Schweden geplündert und stand 20 Jahre leer. Unendliches Leid geschah in dieser Zeit. Erst mit dem Geschlecht der Ortner von Orth errang die Burg und Kollnburg wieder bescheidenen Wohlstand. Um 1740 erfolgten jedoch die Pandurenüberfälle, und der Niedergang setzte wieder ein. Die offizielle Schreibweise Kollnburg erscheint erst 1746. Die folgenden Adelsgeschlechter der Karg und Kastners konnten den Niedergang Kollnburgs nicht aufhalten. Nach Bitten an den König von Bayern hatte dieser ein Einsehen, und so wurde schließlich Kollnburg 1818 versteigert. Damit ging die frühere niedere Gerichtsbarkeit der Burgherren an das Königreich Bayern. Das Schloss und die zugehörigen Besitztümer wurden veräußert.

1820 bis 1830 versuchte das beim Volk beliebte Adelsgeschlecht der Cammerloher noch zu retten, was zu retten ist. Es bewohnte das untere Schloss. 1830 verkauften sie das Lehensrecht, das bis dahin die Burgherren von ihren Untertanen einfordern durfte, an das bayerische Königreich. Die Burg verkam immer mehr. Die für die Bevölkerung wichtigen Mauersteine wurden oft zum Bau der eigenen Häuser verwendet. Um 1885 kauften damals engagierte Bürger aus Viechtach des damaligen Waldvereins den Turm und den Brunnen und bewahrten es so vor dem weiteren Verfall. Man sieht noch etliche Burg-und Ringmauern, und umso mehr ist diese Burg, die ehemalige Schatzburg der Grafen von Bogen, auch heute noch die geheimnisvolle Burg.

Nachweislich von drei Schätzen ist die Rede, die bis heute nicht gefunden wurden. Außer einigen Silbermünzen und einer Silberkugel warten diese Schätze noch auf ihre Entdecker. Es gibt einige Indizien für einen möglichen Verbleib. Interessant sind auch einige Sagen und Geschichten der damaligen Herrscher und andere Merkwürdigkeiten, die Burgwächter Hans Lechner auch am morgigen Samstag gerne lebendig schildern wird und auf neugierige Nachfragen spannende Antworten parat haben wird.


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