10.05.2018, 14:30 Uhr

Kuhglocken Klingende Sammlerschätze in Rinchnach


Wenn Herbert Katzdobler von seinen Kuhglocken erzählt, dann leuchten seine Augen. Woher genau die Faszination dafür kommt, weiß der 74-Jährige auch nicht. Aber die Glocken haben ihn schon immer in den Bann gezogen! Und so ist es kein Wunder, dass der Rinchnacher seit Kindesbeinen beim Wolfauslassen dabei ist. Der Grundstein für seine Sammelleidenschaft wurde allerdings erst etwas später gelegt – und zwar im Jahre 1972. „Damals hat mir mein Onkel fünf oder sechs alte Kuhglocken geschenkt.“ Seither ist der ehemalige Kranfahrer immer auf der Suche nach neuen, alten Glocken. Im Laufe der Zeit sind so stolze 480 Stück zusammengekommen.

RINCHNACH Der Großteil der Glocken stammt aus der Bayerwaldregion, sprich aus den Landkreisen Deggendorf, Cham, Regen und Freyung-Grafenau. Denn hier wurde das Vieh früher mit Hirten auf die Weide getrieben. „Damit der Hirte die Tiere wieder finden konnte, wenn sie auf den großen Weideflächen umher grasten, hing man den Kühen und Ochsen Glocken um den Hals“, weiß Herbert Katzdobler. Mit der Erfindung des elektrischen Weidezauns endete die Hirtenära im Bayerischen Wald. Die Kuhglocken wurden nicht mehr gebraucht und landeten in Kellern, Ställen oder Speichern.

Aber Herbert Katzdobler ist auf der Suche nach ihnen. Ständig schwirrt der rüstige Rentner auf Flohmärkten umher, um an seine Kuhglocken zu kommen, oder er kauft sie den Bauern direkt ab. Die vermutlich älteste Glocke, die Herbert Katzdobler besitzt, stammt aus dem 18. Jahrhundert. Zu vielen seiner Glocken weiß der 74-Jährige auch Geschichten zu erzählen. Manchmal sind diese sogar sehr dramatisch. So besitzt Herbert Katzdobler auch eine Glocke, die das Moor wieder freigegeben hat. „Das Vieh ist samt Glocke ertrunken. Jahre später tauchte die Glocke wieder auf“, erzählt der Sammler.

Herber Katzdobler bewahrt seine Kuhglocken alle fein säuberlich aufgereiht in Regalen auf. Glocken, die in einem schlechten Zustand sind, restauriert er sogar und einmal im Jahr werden alle Glocken samt Lederriemen geölt. „Die Glocken streiche ich mit Waffenöl ein, die Lederriemen mit Lederöl“, erklärt der Glockenkenner. Das ist nötig, damit das Leder geschmeidig bleibt und nicht spröde wird. Früher musste man das freilich nicht machen. „Solange die Glocken von den Tieren getragen wurden, mussten sie nicht geölt werden, weil das Hautfett der Tiere diese Aufgabe von selbst erledigte“, weiß Herbert Katzdobler. Das Waffenöl verhindert, dass die Glocken rosten.

Wenn der Rinchnacher diese Arbeit in einem Stück erledigen würde, dann käme er etwa zwei Wochen nicht mehr aus seiner Werkstatt. „Aber ich lasse mir Zeit“, schmunzelt er und so dauert es halt zwei Monate bis alle Glocken und Lederriemen wieder glänzen.

Dennoch vergeht kein Tag, an dem der Glockensammler nicht bei seinen Schätzen ist. „Manchmal setzte ich mich einfach nur auf einen Stuhl, trinke ein Bier und schaue meine Glocken an“, erzählt der 74-Jährige. Und auch wenn es mittlerweile 480 Stück sind und die Glocken zum Kaufen immer rarer werden, so gibt es dennoch welche, auf die der Katzdobler Herbert scharf ist.

Und so wird er noch viele weitere Jahre auf der Suche nach den verborgenen Schätzen sein, deren Klang ihn einfach nur glücklich macht.


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