21.03.2018, 19:00 Uhr

Ratschen statt Glockengeläut Lärmender Brauch vor Ostern


Johann Denk aus Winklbrunn hält Tradition des Ratschenbauens am Leben.

WINKLBRUNN/FREYUNG Ab Gründonnerstag ist es wieder soweit. Wenn die Kirchenglocken verstummen, übernehmen die Ratschenkinder das Regiment und ziehen mit ihren hölzernen Instrumenten durch die Dörfer. Ein Brauch, der schon bis ins Mittelalter zurückgeht, und mancherorts immer noch lebendig gehalten wird. Doch nur wenige beherrschen die Kunst des Ratschenbauens. Einer davon ist Johann Denk aus Winklbrunn bei Freyung. Der 69-Jährige steht gerade täglich in seiner Werkstatt, um neue Ratschen zu bauen.

Seit circa sechs Jahre baut der Rentner die Ratschen vor dem Osterfest. „Vorher hat sie der Nachbar gemacht, weil der aber aus gesundheitlichen und Altersgründen nicht mehr weiter machen konnte, habe ich damit angefangen“, so Johann Denk. „Ich wollte die Tradition aufrecht erhalten“, fährt er fort.

Er selbst ist schon als kleiner Junge in seinem Geburtsort Philippsreut mit den Ratschen durch die Straßen gezogen. „Dreimal am Tag, um 6, 12 und um 18, drehten wir Kinder unsere Runden und ersetzten das Glockengeläut“, erinnert sich Johann Denk. Mit dem Ende der Schulzeit ist dann aber auch das Ratschen vorbei. „Ratschen dürfen nur Kinder“, so Denk.

Dem Ratschen ist er dennoch verbunden geblieben und weil er schon immer gerne mit Holz gearbeitet hat, kommen heute die Kinder zu ihm, um sich ihre Ratsche abzuholen. Drei verschiedene Modelle gibt es zur Auswahl: die Flügelratsche, die Kurbelratsche und die kleine, handliche Fanratsche. „Die habe ich extra für die ganz kleinen Kinder gebaut, die sich mit den Flügelratschen noch schwer tun“, erklärt Johann Denk.

Doch auch wenn die Ratschen unterschiedlich aussehen, eines ist ihnen doch gemein: Laut sind sie alle.

Zum Bau der Ratschen verwendet Johan Denk Buchenholz. Bis eine Ratsche fertig ist, vergeben schon ein paar Stunden. Dabei ist nicht das Schwierige die Ratschen zusammenzubauen. Die einzelnen Teile sind es, die ganz präzise gearbeitet werden müssen, damit zum Schluss alles zusammenpasst. „Vor allem das Fräsen der Zähne ist eine Gefühlsarbeit, weil alle Zähne gleich groß sein müssen. Schafft man das nicht, ist das Stück Holz nur noch als Brennholz zu verwenden“, sagt Johann Denk. Wenn der Rentner, der früher als Konditor gearbeitet hat, eine Ratsche fertiggebaut hat, dann wird sie natürlich immer getestet. Die Flügelratsche schwingt der 69-Jährige gekonnt in den Händen und wenn sie richtig Krach macht, ist alles perfekt.

Wer Johann Denk bei seiner Arbeit einmal über die Schulter schauen möchte, der kann das am Palmsonntag, 25. März, im Freilichtmuseum Finsterau tun. Dort schlägt der Ratschenbauer seine Zelte auf und gibt Einblick in diese österliche Tradition.


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