23.01.2018, 12:21 Uhr

Sanfter, schwebender Klang Das „Handy der Alpen“ klingt auch bei uns in Niederbayern

Das Alphorn klingt wie Gesang ohne Worte. Bei der offenen Probe am vergangenen Sonntag kamen die Bläser zusammen. Die am weitesten Angereisten kamen aus Mühldorf am Inn, Kelheim und Landshut. (Foto: Schulze)Das Alphorn klingt wie Gesang ohne Worte. Bei der offenen Probe am vergangenen Sonntag kamen die Bläser zusammen. Die am weitesten Angereisten kamen aus Mühldorf am Inn, Kelheim und Landshut. (Foto: Schulze)

Vier Mal im Jahr treffen sich die Niederbayerischen Alphornbläser.

NIEDERBAYERN Ein sanfter, schwebender Klang dringt ins Ohr und durchströmt den Körper: Berge und Täler, Hirten und Vieh kommen einem sofort in den Sinn, wenn diese Musik erklingt. Zutiefst alpin. Und das ist kein Wunder. Denn das Alphorn, von dem hier die Rede ist, war das erste Kommunikationsmittel der Hirten. Das Handy der Alpen sozusagen. Abends bliesen die Bauern zum Beispiel in ein Horn oder eine hohle Wurzel, um ihre Tiere wieder zu sich zu rufen, oder sie bliesen hinein, um anderen zu sagen, „Mir geht es gut“. Heute hat das Naturinstrument seine ursprüngliche Funktion als Verständigungs- und Rufinstrument weitgehend verloren, dafür ist es ein beliebtes Volksinstrument geworden. Auch bei uns in Niederbayern gibt es Alphornbläser. Vier Mal im Jahr treffen sich die Musiker zum gemeinsamen offenen Spiel. So auch am vergangenen Sonntag in Thurmannsbang.

Angefangen hat alles im Jahr 2010. Der Bauer Sepp aus Zell bei Regen war ein leidenschaftlicher Alphornbläser und hatte die Idee, offene Treffen mit anderen Alphornbläsern zu organisieren, um einfach gemeinsam und aus Spaß an der Musik zusammen zu spielen. Daraus entstanden sind dann die Niederbayerischen Alphornbläser. Heute leitet Alexander Schulze diese Proben. Der Mitterfelser ist ebenfalls ein begeisterter Fan dieses Musikinstrumentes.

„Die große Faszination des Alphorns geht vom Ton aus. Der Klang des Alphorns ist weltweit einzigartig. Man hat das Gefühl, als ob man in dem Klang baden kann“, schwärmt Alexander Schulze. Und dabei ist das Alphorn eigentlich ein ganz banales Instrument. Dahinter steckt nur ein hohles Rohr mit einer Länge von rund 3,6 Metern, 5 Millimeter Wanddicke und einem Gewicht von etwa 3 Kilogramm. Doch gerade diese Einfachheit macht das Alphorn zu etwas Besonderem.

Es gibt wohl kaum ein zweites Instrument auf der Erde, bei dem jeder Zuhörer sofort die Assoziation zu den Bergen herstellt.

Um den sonoren Klang eines Alphorns zu erzeugen braucht es eine gewisse Sanftheit. „Bei anderen Blasinstrumenten stößt man den Ton an, beim Alphorn dagegen muss man ihn ausblasen“, erklärt der Probenleiter der Niederbayerischen Alphornbläser und setzt mit einem gewissen Schmunzeln hinzu „und eine gewisse Reife braucht es auch“.

Will heißen, dass nur wenige in der Jugend beginnen, auf dem Alphorn zu blasen. Meist sind es Musiker zwischen 40 und 50 Jahren oder noch älter, die sich an dieses Musikinstrument wagen.

Auch Rockmusik geht mit dem Alphorn

Auch die Musikstücke für das Alphorn sind sehr einfach und immer dreistimmig. Das heißt, ab drei Bläsern kann ein Lied gespielt werden. Während früher vor allem traditionelle Stücke geblasen wurden, sind die Grenzen mittlerweile sehr fließend. Auch andere Genres wie Jazz, Blues, Walzer oder Polka können mit dem Alphorn gespielt werden. Sogar in der Rockmusik hat das Alphorn einen Platz gefunden. „Ich mag es aber lieber traditionell“, gibt Alexander Schulze zu.

Insgesamt vier Mal im Jahr lädt der Probenleiter der Niederbayerischen Alphonbläser zum Treffen ein. Rund 25 Bläser aus ganz Niederbayern sind dann bei den Proben dabei. Das nächste Mal treffen sich die Musiker im April. „Da wir kein Verein sind, sondern die Veranstaltungen zum offenen Spiel nutzen, sind stets interessierte Alphornbläser willkommen“, so Alexander Schulze.

Wer noch kein Alphornbläser ist, sich aber einmal auf das Abenteuer Alphorn einlassen möchte, der kann sich jederzeit bei Alexander Schulze melden (Tel. 0172/7214148). Voraussetzungen zum Alphornblasen braucht es eigentlich nicht. „Ideal ist es, wenn man sich auf den Ton einlassen kann“, sagt der Alphornprofi.


0 Kommentare