05.12.2017, 14:12 Uhr

Schutzheilige der Bergleute gefeiert Am Barbartag blüht die Bodenmaiser Geschichte


Die Dunkelheit bricht ein und es beginnt ein ergreifendes Szenario, das sich schon seit vielen Jahren wiederholt. Schwarze Uniformen mit goldenen Knöpfen, rote und weiß-blau Federbuschen in einer kalten Winternacht – kein abgedroschenes Ritual, sondern, ein tiefes Bekenntnis zu Glaube, Heimat und Tradition.

BODENMAIS Dieser Gleichklang harmoniert, nicht nur am traditionellen Barbaratag, den der Knappschaftsverein und die Knappschaftskapelle am Samstagabend begangen haben. Früher: Höhepunkt im arbeitsreichen und beschwerlichen Leben der Bergleute. Heute: Ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem sich die Ortsgemeinschaft auf ihre Wurzeln besinnt, ihre beeindruckende Geschichte, die fünfeinhalb Jahrzehnte nach Schließung des Bergwerks am Silberberg in der Knappschaftskapelle klingt. Diese erlebbare Gemeinschaft hat im Geiste der Zusammengehörigkeit am Samstagabend den Barbaratag gefeiert.

„Viele Legenden ranken sich um ihr Leben“, wusste Pfarrer Alexander Kohl über die Heilige Barbara, sie gilt ja als Schutzpatronin der Bergleute „ihr Leben ist wie ein Bogen auf Gott hinausgespannt“, fuhr der Ortsgeistliche fort, sie habe gegen alle Widerstände gelebt und war ein adventlicher Mensch. In seiner Predigt bekannte Pfarrer Alexander Kohl als Hauptzelebrant des Festgottesdienstes zum Barbaratag, den er gemeinsam mit Pfarrer Josef Rainer aus Hebertsfelden (früherer Kaplan in Bodenmais) und Ruhestandspriester Josef Schmaderer aus Roding (Pfarrer in Bodenmais von 1992 bis 2011), alle Mitglieder im Knappschaftsverein, feierte: „Ich freue mich immer, wenn Traditionen nicht verloren gehen“, dabei traf der junge Priester den Nagel auf dem Kopf. „Damit der Segen der Muttergottes auf den Silberberg geht“, lautete die Antwort eines Kindes, wie der Pfarrer betonte, auf die Frage, warum der Altar der Bodenmaiser Pfarrkirche nach Osten weist. Das sei den Menschen vor 200 Jahren, die sich im Bergwerk ihre Lebensgrundlage erkämpften, sehr wichtig gewesen. Aktuell würden Glaube und Religion zunehmend auf das Private reduziert, der Advent fordere eine Ausrichtung auf die Hoffnung. Die Menschen waren früher vielmehr auf die Hoffnung ausgerichtet, „weil das irdische Leben wenig zu bieten hatte“. Heute dagegen ist es umgekehrt, denn es dem irdischen Leben ist möglichst schnell und viel herauszuholen, den Gegenentwurf liefert die Heilige Barbara, die ihr Leben auf Gott ausrichtete. Instrumental gestalteten die Knappen auch den Festgottesdienst mit. Zuvor waren die Ehrengäste und Mitglieder von Knappschaftsverein, angeführt von Fahnenträger Alois Wolf, seinen Begleitern Sebastian Zistler und Ludwig Gessner in weiß-blauer Schärpe, sowie Knappschaftskapelle unter Stabführung von Hans Kuchl vom Hotel Hofbräuhaus in einem Kirchenzug zum Gotteshaus marschiert. Die Lesungen und Fürbitten, in denen auch den verstorbenen Mitgliedern von Verein und Kapelle gedacht wurde, nahm Christine Kuchl, Ehefrau des musikalischen Leiters der Knappschaftskapelle, vor, Pfarrer Josef Rainer verkündete das Evangelium. Den Altardienst versahen Messdiener in Bergmannstracht.

Zum bergmännischen Totengedenken am Kriegerdenkmal legte Knappschaftsvereins-Vorsitzender Karl Kollmaier, spaliert von Fackelträgern Karl Koller und Hans Hüblein, einen Waldkranz nieder. Dazu intonierte die Knappschaftskapelle den Chroral „Ich bete an die Macht der Liebe“ und das Bergmannslied „Glück Auf“. Mit flotter Marschmusik ging es dann zum Pfarrzentrum, wo als vorzügliches Barbaramahl ein kalt-warmes Büffet angerichtet war, das Chefkoch Heiner Stangl vom Hotel Böhmhof mit seinem fleißigen Team zauberte, das ihn mit Chefin Karin Geiger-Wastl unterstützte. Um die reibungslose Bewirtung im festlich geschmückten Pfarrer-Güntner-Saal des Pfarrzentrums kümmerten sich die Pächter Gabi Weinberger und Franz Bauer mit den Bedienungen. Mit den vier Strophen und kräftigem Gesang des Publikums eröffnete die Knappschaftskapelle mit dem Steigerlied den Festabend. Vereinsvorsitzender Karl Kollmaier blickte auf die „früheren Zeiten“ des Barbaratages zurück, als von früh bis spät gefeiert wurde, verbunden mit dem Dank an Gott für ein unfallreiches Arbeitsjahr im Bergwerk. Er dankte alle, die zur Gestaltung des Barbaratages 2017 ihren Beitrag leisteten.

Besonders herzlich willkommen heißen konnte Vorsitzender Karl Kollmaier unter den zahlreich erschienenen Besuchern Pfarrer Alexander Kohl, Pfarrer i. R. Josef Schmaderer, Pfarrerin Tamara Stampka, Bürgermeister Joachim Haller mit Ehefrau Claudia, 2. Bürgermeister Hans Sturm mit Gattin Maria, Josef Irber, Vorsitzender des Bezierks Donauwald im Musikbund von Ober- und Niederbayern (MON), Ehrendirigent Erich Redmann mit Ehefrau Christa. Nach ununterbrochener Präsenz am Barbaratag hatte die Landkreisspitze diesmal keinen Vertreter gesendet – noch dazu ist ja die Knappschaftskapelle Bodenmais nun Kulturpreisträger des Landkreises Regen. Rund 50 Musikerinnen und Musiker in ihren feschen Bergmannstrachten standen mit der Knappschaftskapelle unter dem Dirigat von Hans Kuchl auf der Bühne. In ihrem Konzert über das Barbaramahl brillierten sie mit Märschen, Polkas, Overtüren und Medleys und ernteten unentwegt Beifall. Das änderte sich auch nicht als die Starter – sie stehen am Anfang einer hoffnungsvollen Karriere in der Knappschaftskapelle – mit ihren Darbietungen unter einfühlsamer Leitung von Franziska Ziegler begeisterten. Zum wiederholten Applaus kamen dann auch gelegentliche Tanzrunden der Barbartag-Feiernden, bei dem im unterhaltsamen Programm eingebundenen Bodenmaiser Hofmarkmusikanten. An diesem festlichen Abend gab es nicht nur anspruchsvolle musikalische Darbietungen aus allen verschiedenen Stilrichtungen und Epochen, zwischendurch wurde „Süßer Grubenzauber“ als Dessert aufgefahren. Übrigens: Nach wie vor herrscht einträchtige Harmonie in Knappschaftsverein und –kapelle, denn Dirigent und Vorsitzender meinen es sehr gut, vielleicht oft zu gut, zumal der Vorsitzende als Lückenfüller des Programms „Die sieben Tugenden des Bergmanns“ präsentieren wollte. Das muss jedenfalls warten, denn im Ausschuss war er damit unverhofft abgeblitzt. Davon am Barbaratag zu erzählen war wohl im Interesse des Publikums anscheinend mehr wert als besagter Vortrag, ergänzt mit der schmunzelnden Erklärung von Karl Kollmaier: „Ich konnte mich da nicht durchsetzen“.


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