27.05.2020, 09:58 Uhr

Quarantänekunst Schwertschlucker Franz steigt in die Wanne


Wenn Künstler nicht raus dürfen, kommen sie in Quarantäne auf tolle Ideen und zeigen sie im Netz - mit dabei sind auch Schwertschlucker Franz Huber aus Garching und Horst Eberl, bayerischer Liedermacher aus Pleiskirchen

Garching/Deutschland. Mit einem Song wollen sich die KünstlerInnen des Projekts „Quarantänekunst“ bei allen Helfern bedanken, die aktuell der Corona-Pandemie trotzen und die notwendigen Versorgungsstrukturen aufrecht erhalten. Mit dabei sind auch Schwertschlucker Franz Huber aus Garching und Horst Eberl, bayerischer Liedermacher aus Pleiskirchen.

Entstanden ist der Song innerhalb weniger Tage als Gemeinschaftsprojekt des Künstler-Netzwerks „Quarantänekunst“. „Das Lied ist allen Menschen gewidmet, die gerade in ihrer Arbeit Übermenschliches leisten“, sagt die Hauptorganisatorin, die Schauspielerin und Kabarettistin, Christina Baumer aus München. Viele Helfer müssten für geringe oder nicht nennenswerte Löhne arbeiten. „Wir wünschen uns, dass diese Helfer besser bezahlt werden und eine geeignete Arbeitsausstattung bekommen“, erklärt Baumer. Als Künstler könnten sie nur einen kulturellen Beitrag leisten. „Wir hoffen, dass wir damit allen Mut und Kraft geben können, die es jetzt brauchen.“

Christina Baumer aus München koordiniert alles von ihrer Couch aus. Gemeinsam mit anderen Künstlern hat die 33-Jährige das Projekt „Quarantänekunst“ gestartet. Aktuell eint das 40 KünstlerInnen aus ganz Deutschland. Tendenz steigend. „Wir mussten die Aufnahme weiterer Künstler erst mal stoppen, um Strukturen aufzubauen“, sagt Baumer. Die KünstlerInnen zeigen in Kurzfilmen Auszüge aus ihrem Repertoire, um die Menschen zu unterhalten und gleichzeitig auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen.

Bilder aus dem aktuellen Leben der Künstler

„Eigentlich wäre ich gerade auf Tournee“, sagt Baumer. „Viele Auftritte wurden auf 2021 verschoben, das ist echt krass.“ Für viele Solo-Künstler könne der lange Ausfall das Ende ihrer Karriere bedeuten. Sie hätten nicht die finanziellen Polster, um lange Durststrecken zu überbrücken und die Kosten für den Lebensunterhalt laufen weiter.

Im Video zum Dankessong „Precious“ sind zahlreiche Künstler des Netzwerks zu sehen. Die Szenen liefern auch Bilder aus dem aktuellen Leben der KünstlerInnen und zeigen, wie groß ihr kreatives Potential ist. In den sozialen Medien wird der Song mit Video in großer Zahl geteilt. „Die Leute diskutieren über das Lied und unsere Ziele“, sagt Baumer und verweist au die zahlreichen Kommentare. Das Lied ist bereits der zweite Song, den das Künstler-Kollektiv produziert hat.

Den Anfang machte der „Quarantänesong“, der auf die schwierige Lage und die unsichere Zukunft der KünstlerInnen aufmerksam machte.

Auf den Kanälen der Quarantänekunst wird ein buntes Programm geboten: Zu sehen ist ein Schwertschlucker in der Badewanne, Gesangs- und Tanzeinlagen sowie viele kabarettistische Beiträge, die Menschen zum Lachen bringen sollen. „Es gibt keinen Neid untereinander, alle halten zusammen und wollen etwas auf die Beine stellen“, betont Baumer.

Besonders berühre sie, dass der Zusammenhalt Künstler betrifft, die sich persönlich gar nicht kennen. „Wir kommunizieren über die Social Media-Kanäle und es klappt super.“

Quarantänekunst mit seinem Programm und den Liedprojekten soll sich für die Künstler langfristig auszahlen. „Vielleicht erinnern sich die Menschen nach der Krise an uns und unterstützen uns noch stärker als sonst mit dem Besuch unserer Auftritte“, hofft Baumer.

Doch auch an die Pflegekräfte in den Krankenhäusern und Heimen denken die Künstler langfristig und unterstützen eine Petition, die sich für höhere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen ausspricht. „Der Applaus darf nicht im Leeren verhallen“, sagt Baumer.

Mittlerweile gibt es auch schon größere Kollaborations-Projekte, zu denen "SOKO Corona" gehört; eine Krimiserie in Zeiten der Krise, die humoristisch die Arbeit der Polizei bei der Aufklärung von Mordfällen aufarbeitet. Federführend ist hierbei der Münchner Joe Heinrich mit seinen Puppen Wolpert und Leberkas-Bop.

Die Videos und weitere Infos gibt es auf Facebook unter https://www.facebook.com/ kunstinquarantaene/