19.02.2019, 10:21 Uhr

Aus Ankerkino wird Anker-Saal Kein Popcorn, aber Filme, Musik & mehr


Der Wandel vom Ankerkino zum Anker-Saal ist laut Bürgermeister eine „Liebhabergeschichte“ ...

BURGHAUSEN. Zirkusdirektor oder Platzanweiser im Kino – das waren die Berufswünsche des jungen Hans Steindl, verriet der Bürgermeister seinen Stadtratskollegen bei der Besichtigung des ehemaligen Anker-Kinos. Zirkusdirektor sei er ja nun, bescheinigten diese ihm schmunzelnd – und die Möglichkeit, sich als Platzanweiser zu betätigen, bietet sich dem Stadtoberhaupt nun im eigenen Kino. Als sich ihm vor zehn Jahren die Möglichkeit bot, das Haus am Stadtplatz zu erwerben, hatte er zugegriffen. Vordringlich ging es dem begeisterten Cineasten darum, das unter Denkmalschutz stehende Kino zu bewahren, dessen Innenausstattung inklusive der Deckenfresken von Junghans noch im Original von 1953 erhalten ist.

Nachdem Ende 2018 der Kinobetrieb eingestellt wurde, haben die Steindls einiges verändert: „Wir haben rund 120.000 Euro investiert, wohlgemerkt ohne dafür Zuschüsse bei Denkmalfonds oder bei der Wifög beantragt zu haben.“ Wesentliche Neuerung ist der WC-Bereich im Kellergeschoss. Die ehemaligen WCs im Barbereich wurden zu Lager- bzw. Wirtschaftsräumen umfunktioniert. Im Kinosaal wurde die Zahl der Sitzplätze von 240 auf 160 reduziert. Damit wurde Raum für Tische und Stehtische geschaffen, was neue Veranstaltungsmöglichkeiten eröffnet. Die digitale Kinotechnik wurde vom Vorbesitzer abgelöst und kann bedarfsweise aus Beständen der ausrangierten Stadtsaal-Technik ergänzt werden. Im Eingangsbereich soll die bewegte Geschichte des Hauses dokumentiert werden: Es war Perückenmacherhaus, Gastwirtschaft, hieß später „Zum Goldenen Anker“ und brannte 1866 komplett ab. Der neu errichtete „Goldene Anker“ war DER Treff für das gesellschaftliche Leben in Burghausen.

Die Stadt Burghausen wird den Ankersaal mit Unterstützung von einigen Sponsoren ab 1. März anmieten. Ab dann wird es in einem neuen Konzept zwei Programmzyklen jeweils im Frühjahr und Herbst geben, die ausgewählte Filme, Konzerte, Matineen, Lesungen, Theater, aber auch Sonderveranstaltungen umfassen. Auch für Firmen- oder Privatevents kann der neue Ankersaal bei der Stadt angemietet werden. Die Betreuung des Ankersaals wird von ehrenamtlichen Cineasten und den Mitarbeitern des städtischen Kulturbüros übernommen. Burghauser Schulen, Vereine, vhs u.ä. sollen kostenfreie Nutzungsmöglichkeiten erhalten.

„Die Stadt ist hier Veranstalter, der Ticketverkauf läuft über Bürgerhaus und Kulturamt. Nur an der Abendkasse gibt es die Eintrittskarten für die Filmvorführungen, die nun donnerstags und freitags geboten werden – ganz nostalgisch mit Abreiß-Tickets ...“, so Steindl. Die Auswahl der „besonderen Filme“, die nicht in Konkurrenz zum Programm im Quadroscope stehen, nimmt der filmbegeisterte Hausbesitzer selber vor. „Es ist mir ein Anliegen, ein kulturell sehr hochwertiges Programm mit Filmen, die jenseits des Mainstreams sind, anbieten zu können. Es soll kein typisches Popcorn-Kino sein, sondern ein Art-House-Kino für Cineasten oder die, es noch werden wollen“, so Bürgermeister Steindl. (pa)


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